Grenchen
In der oberen Freimatt sollen es jetzt Blumen richten

Auch die Vorzeige-Überbauung aus den 90er-Jahren kommt unter Renditedruck. Zum stillgelegten Brunnen in der oberen Freimatt ist das letzte Wort doch noch nicht gesprochen. Nun sollen Pläne bestehen, das Becken als Blumenrabatte umzunutzen.

Daniela Deck
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Die Freimatt-Überbauung war in den 1990er-Jahren ein Vorzeigeobjekt und bildet optisch eine Einheit. Heute haben die zehn Wohnblocks drei unterschiedliche Besitzer und Verwaltungen, die sich immer weniger einig sind.

Die Freimatt-Überbauung war in den 1990er-Jahren ein Vorzeigeobjekt und bildet optisch eine Einheit. Heute haben die zehn Wohnblocks drei unterschiedliche Besitzer und Verwaltungen, die sich immer weniger einig sind.

Andreas Toggweiler

Fünf Wohnblöcke teilen sich den Brunnen, der bis vor drei Jahren den Kindern im Sommer als Planschbecken diente (wir berichteten). Bedenken zu Fragen der Haftung bei allfälligen Unfällen bringen seither die Kinder um den Wasserplausch. Die Tatsache, dass drei der Häuser den Basler Versicherungen gehören und zwei der lokal verankerten Firma ASReal, kompliziert die Suche nach einer Lösung für das Minibad zusätzlich.

Es sind Empfehlungen, die die BfU (Beratungsstelle für Unfallverhütung) abgibt, die den Hausverwaltungen angeblich Kopfzerbrechen machen. In der BfU-Fachdokumentation «Gewässer» lässt sich nachlesen, dass entweder der Wasserstand auf 20 Zentimeter begrenzt oder das Gewässer eingezäunt werden sollte. Ein Zaun kommt in der Freimatt nicht in Betracht. Der Platz, auf dem der Brunnen steht, ist zu eng.

Bei der BfU erklärt Beatrix Jeanottat, Sicherheitsberaterin am Bau, dass Wasser als Gestaltungselement in Wohnsiedlungen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe. «Wenn der Wasserstand auf 20 Zentimeter begrenzt wird, ist der Brunnen auch für kleine Kinder keine Gefahr. Ich fände es schade, wenn das Becken in der Freimatt nicht mehr genutzt würde, wo diese Überbauung offenbar schon früh den Wert des Wassers berücksichtigte. Da täten mir die Kinder leid, Blumen sind kein Ersatz zum Planschen», so Jeanottat.

Ein Hausbesitzer bekennt sich zum Brunnen . . .

Neben Sicherheitsfragen machten die Basler Versicherungen für die Stilllegung des Brunnens wie berichtet einen Wasserschaden in der Tiefgarage verantwortlich. Ein Augenschein zeigt allerdings nichts derartiges. Sogar eine Wasserbehandlungsanlage wäre für den Badebrunnen vorhanden.

Urs Hostettler, der die beiden Blöcke der ASReal verwaltet, erklärt auf Anfrage: «Der einzige Schaden, der mir im Zusammenhang mit dem Brunnen bekannt ist, sind Löcher im Beckenbelag. Diese müssen geflickt werden, damit sich kein Kind am Fuss verletzt.» Der leere Brunnen stellt für ihn einen unhaltbaren Zustand dar. «Wir prüfen, ob man den Boden aufbetonieren kann, um den BfU-Empfehlungen zu genügen.»

Von der Idee eines Blumentrogs in der Freimatt hält Hostettler nicht viel: «Wir haben immer gesagt, dass wir den Brunnen erhalten wollen und dafür eine einvernehmliche Lösung mit der anderen Verwaltung suchen. Denn wir sind überzeugt, dass unsere Mieterinnen und Mieter den Brunnen behalten wollen. Der Eigentümer unserer Wohnblöcke will nicht unbesehen zu einer Bepflanzung Hand bieten. Zuerst müssen alle Zahlen auf dem Tisch liegen. Es muss erwiesen sein, dass der Aufwand für den weiteren Betrieb des Brunnens wirklich zu teuer ist.» Übrigens sei auch die Bepflanzung und Pflege von Blumenrabatten nicht gratis zu haben.

. . . der andere (noch) nicht

Beim Mehrheitsbesitzer Basler Versicherungen versichert Sprecher Amos Winteler, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, «obwohl wir den Antrag unserer Verwaltung für den Blumentrog bewilligt haben. Schliesslich können wir das nicht allein entscheiden. Wir haben diese Liegenschaften auf dem Radar.

Denn wir sehen, dass die Situation dort verbessert werden kann.» Ist das Argument eines angeblichen Wasserschadens in der Tiefgarage eine leere Behauptung? Sträuben sich die Basler Versicherungen nur aus Kostengründen gegen den weiteren Betrieb des Brunnens? Winteler verneint beide Fragen. «Wir prüfen, welche Lösung für die Mieterschaft die beste ist und werden diese umsetzen. An seiner Aussage zur Renovationsbedürftigkeit des Brunnens hält er fest: «Nach unseren Informationen sind die Leitungen verrostet. Falls der Brunnen wieder in Betrieb genommen wird, sind auf jeden Fall Sanierungsarbeiten erforderlich.»

Das «Sicherheitsproblem» mit der Wasserhöhe liesse sich leicht lösen. Es ist gut sichtbar, dass der Wasserspiegel bis heute (bzw. bis vor drei Jahren) bei 25 bis 28 cm lag. Wie wärs, wenn man einfach etwas weniger Wasser einfüllte?