Fasnachtszeitung

In der «Gränchner Gosche» herrscht «ziemlich dicke Luft»

Die Gränchner Gosche erscheint am Freitag in erlesenen Verkaufsstellen.

Die Gränchner Gosche erscheint am Freitag in erlesenen Verkaufsstellen.

Die «Gränchner Gosche», das fasnächtliche unzensurierte Intelligenzplatt, erscheint morgen.

Morgen erscheint die neuste Ausgabe der Grenchner Fasnachtszeitung «Gränchner Gosche», in welche diese Zeitung bereits exklusiv einen ersten Blick werfen konnte. Mit Befriedigung kann die Redaktion dabei feststellen, dass Artikel dieser Zeitung den Fasnächtlern offenbar viele Themen-Inputs und Steilvorlagen geliefert haben.

Doch beginnen wir von vorne. «Fasnächtliches unzensuriertes Intelligenzplatt und Offizieller Orkan der Faschingszunft Grenchen», so wird die Gränchner Gosche in der Unterzeile genannt. Kostenpunkt: Ein 5-liber, all inclusive und währungsbereinigt für 20 Seiten geballter Fasnachts-Schreibe, der Verkauf startet morgen Freitag an diversen Orten in der Stadt. Die Gosche erscheint im 71. Umgang mit Illustrationen der beiden begnadeten Zeichner Leo und Acephalus.

Dass Weltpolitik auch in Grenchen eine Rolle spielt, wird schnell klar. Das Göschi fragt sich nämlich schon auf der ersten Seite – übrigens die einzige, die nicht in gereimter Form verfasst ist, Chapeau! – , was das Geschrei um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump eigentlich soll und was der bitte für «Alleinstellungsmerkmale» aufzuweisen habe, die man in Grenchens unzähligen Coiffeursalons nicht auch in irgendeiner Form finden könnte. Vertreter aus dem Grenchner Miliö – ’tschuldigung, es handelt sich natürlich um Lokal-Prominenz – lassen sich hier Trump-mässig verschönern (oder scheitern kläglich). Und das Göschi kommt zum Schluss, dass das in den meisten Fällen vergebliche Liebesmüh ist und sich die Amis bei den Wahlen wohl etwas trumpiert haben.

Politisch absichtlich unkorrekt

«Dicki Luft», das Titelthema der Gosche, herrscht vielerorts in Grenchen. Ganz besonders in der Verwaltung, im Stadthaus und im Stadtbauamt. Doch auch die SP und die SVP können ein Lied davon singen, wie die Gosche treffend herausgefunden hat.

Ja ja, die Hoppelhasen ...

Das Fasnachtsblatt widmet sich in der Folge dem Flughafen und den Geschehnissen rund um den verschwundenen Starfighter. Auch die verkürzten Operationszeiten sind Thema. Anflug nur zu Bürozeiten – wer zu spät kommt, der landet dann halt auf der wiedereröffneten Bettlachstrasse und kann bei Ivo von Büren tanken. Der eingeschränkte Flugbetrieb ist auch gut für die Hasenpopulation und das Liebesleben der Hasen, hat die Gosche herausgefunden. Und weil der Witi-Sheriff sein Amt niedergelegt hat, können auch die Hunde wieder frei herumrennen, denn die Tschugger seien eh zu langsam.

Ja, auch die Bettlachstrasse gab zu reden. Die einen wollen, dass man bis vor ihren Laden fahren kann, die anderen möchten in Ruhe ihr Bier geniessen, verkehrsfrei, versteht sich. Die Gosche schlägt vor, das Ganze auszusitzen, weils dann eh keine Läden mehr gibt in Grenchen und sich die Sache von selber erledigt. Auch zur Moschee-Baustelle hat sie eine durchaus positive Meinung: Endlich ein Ort, an dem jeder, aber auch wirklich jeder arbeiten gehen kann, der bei Hornbach mal reingesehen hat. Kommt die Polizei, muss man einfach nur schnell zu Fuss sein.

Die Gosche wüsste schon wie

In Sachen Kinderschreck Iwan scheinen die Ordnungshüter ziemlich machtlos zu sein. Aber die Gosche hätte ein durchaus plausibles Rezept, wie man das Problem an der Haldenstrasse zu aller Zufriedenheit lösen könnte. Auch der Feuerwehr könnte man noch einiges beibringen, ist den Zeilen des unzensurierten Intelligenzplattes zu entnehmen. Die hatten laut Gosche nämlich einen sehr eigenartigen Plan für ihre Notfallübung in den Schulen Grenchen.

Auch ganz lustig die Ferienpassübung der Polizei, die mit ihren Hunden die Übung ohne Kinder durchführen musste, weil man den Termin verpasste. Ein Fehler im System, halt.

Die «Gränchner Gosche» hat sich natürlich auch dieses Jahr auf einzelne Protagonisten eingeschossen, die den Sprücheklopfern der Faschingszunft besonders aufgefallen sind. Unschwer zu erkennen hat Gemeinderat und SVP-Doyen Ivo von Büren es den Schreibern besonders angetan, widmen sie ihm doch gleich mehrere Reime. Auch Elias Meier und seine ziemlich erfolglose Kandidatur fürs Stadtpräsidium sind Thema, wie auch Mehmet Polat, Wirt des Baracoa, der nun doch nicht aufhören kann, in der Gosche ins richtige Licht gerückt wird. Ebenfalls prominent erwähnt und durch den Zeichner toll in Szene gesetzt wird Kurt Gilomen mit seiner Grenchnerlied-Crew, die sich doch tatsächlich anmassen, das Lied vom Dürsli und Babeli neu zu erfinden. Laut Gosche würde sich Letzteres im Grab umdrehen ob des rüden Bruchs mit den Traditionen.

Und wo ist der Stapi?

Gut, die Frage stellt sich jedes Jahr aufs Neue: Ist es gut oder schlecht, in der Gosche zu erscheinen? In einzelnen Beiträgen – zum Beispiel in einem zur Wirtschaftsförderung in der alten CS – kriegen gleich mehrere Grenchner ihr Fett weg und freuen sich wohl weniger darüber, den Gosche-Schreibern aufgefallen zu sein. Auch im traditionellen «ABC der Cervelat-Promis» auf der letzten Seite werden pointiert Leute durch den Kakao gezogen. Aber andererseits ist auch auffallend wenig von Stapi François Scheidegger zu lesen. Ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, muss wohl jeder Leser, jede Leserin für sich entscheiden.

Die Gosche ist ab morgen für 5 Fr. in verschiedenen Grenchner Geschäften und Kiosken zu kaufen.

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