Bieler Fasnacht

In der fünften Jahreszeit war die Stadt Biel fest in Narrenhand

Biel wurde Schauplatz des fasnächtlichen Treibens. Die verschiedenen Guggenmusiken und Fasnächtler gaben am Sonntagnachmittag am Umzug noch einmal alles. Der Funken sprang gleich mehrmals über.

Letzten Mittwoch am Charivari in der Bieler Altstadt hatten sie die Macht in Form des Stadtschlüssels übernommen und gaben sie erst am Sonntag wieder aus den Händen: Die Narren regierten fünf Tage lang die Stadt am Jurasüdfuss und verwandelten die Innenstadt in eine Partymeile.

Nach den Schnitzelbänken am Donnerstag stand am Freitag der Nachtumzug auf dem Programm. Er bot nicht nur Ohren-, sondern auch Augenschmaus: Viele Zuschauerinnen und Zuschauer staunten über die fantasievollen und zum Teil illuminierten Kostüme der Guggenmusiken – die Strassenbeleuchtung wurde für den Umzug ausgeschaltet. So hatten zum Beispiel die «Pip-Pop» Elchmasken mit strahlenden Augen und beleuchteten Geweihen. Die Musiker der Vinophoniker, maskiert als wilde Affenbande, trotten brav ihrem leuchtenden Tambourmajor hinterher, einer illuminierten Banane.

Unter den 46 Nummern waren auch beleuchtete Wagen mit lautem Sound, viel «Blinki-Blinki», Süssigkeiten fürs Publikum und noch mehr Konfetti. Den Nachtumzug führte Biels Carnaval Prinz Chrigu I. an. Er thronte auf einem vier Meter hohen Schnecken-Transit-Express, die Zügel der Schnecke fest in der Hand. Sein Reittier musste sich den Weg durch zahlreiche Umleitungen und Baustellen suchen – ein Seitenhieb auf die noch zu erwartenden Baustellen in und um Biel.

Kleine machens den Grossen vor

Der Samstagnachmittag gehörte ganz den kleinen Fasnächtlern – oder besser, deren Eltern. Denn am Kinderumzug waren die vielen Feen, Hexen, Prinzessinnen, Spidermänner, Piraten und Cowboys fast nicht zu sehen hinter all den (leider zum grössten Teil nicht verkleideten) Erwachsenen.

Lobenswerte Ausnahmen bildeten diejenigen Eltern, die sich samt Nachwuchs dem gleichen Motto verschrieben hatten: Eine ganze Familie Biene Maya summte durch die Strasse, eine Gruppe grosser und kleiner, farbenfroher Punks mischte die Szene auf. Zwischen den Gruppen der Kinder mit ihrer Begleitung spielten die Nachwuchsformationen der Guggenmusiken wie die Notetramperli Mett oder die Goudhubuquakerli Aegerten.

Immer weniger Maskierte

Zugegeben: Die Gassenfasnacht Biels lässt sich nicht vergleichen mit dem Maskentreiben in Solothurn oder Luzern. Oder wie es Jean I, ein ehemaliger Prinz Carnaval, auf den Punkt brachte: «Es ist deprimierend, die Bieler Fasnacht hat den ‹Rank› nicht mehr gefunden.» Nicht die Hälfte des Partyvolks zwischen Guisanplatz und Zentralplatz war am Samstagabend kostümiert oder maskiert, wenn man von aufgesetzten Teufelshörnli oder ein wenig Schminke absieht.

Dennoch konnte man einige ausgefallene und aufwendige Kostüme entdecken. «Weniger Einzelmasken als in früheren Jahren, dafür umso schönere und originelle Gruppen», meinte eine Dame der Jury, zuständig für die Prämierung. Bis in die frühen Morgenstunden sorgten die Bieler Guggenmusiken für die kakofonische Musikbegleitung der Fasnachtsparty.

Am Sonntag säumten einige Tausend Zuschauer die Route des Fasnachtsumzugs. Hier zeigten die Guggenmusiken nochmals ihr musikalisches Können in ihren ausgefallenen und originellen Kostümen und Masken. Das Publikum wurde von den Fasnächtlern auf den prächtigen Umzugswagen mit Süssigkeiten, Getränken und natürlich tonnenweise Konfetti versorgt. Am Abend ging die Party im Kongresshaus mit dem grossen Fasnachtsball weiter, wo die Guggenmusiken und Masken ihre Preise für beste Darbietung und die beste Kostümierung entgegennehmen konnten.

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