Nach dem Nutzungsplanverfahren und den eingegangenen Einsprachen zum geplanten Windpark auf dem Grenchenberg liegt der Ball nun bei den zuständigen Behörden (Gemeinde Grenchen, Kanton). Dass das Thema trotzdem noch «brennt» zeigte eine Podiumsdiskussion im «St. Urs und Viktor» in Bettlach. Eingeladen hatte die SVP der Amtei Lebern. Moderiert wurde der Anlass von Oliver Menge, Redaktor dieser Zeitung. Für das Projekt sprach Per Just, Direktor der ausführenden SWG, dagegen Jürg Allemann, Co-Präsident des Vereins Pro Grenchen.

Bekanntlich gehört die Gemeinde Bettlach zu den Einsprechern. «Bettlacher Themen» wurden denn auch erörtert. Jürg Allemann verwies einerseits auf ein Gutachten, das die Gefahr eines Bergsturzes durch den Bau des Windparkes in Betracht zieht, und sah auch die Bettlacher Trinkwasserversorgung gefährdet. Per Just konterte, indem er darauf hinwies, dass man in beiden Fällen sehr wohl Risikoanalysen gemacht habe. «Wir sägen doch nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen», gab er zu Bedenken.

Lärm ist Dauerbrenner

Und wie steht es mit den zu erwartenden Lärmemissionen? «Was da entstehen soll, ist eine Industrieanlage. Es wird laut sein», meinte Jürg Allemann. Er führte überdies Studien aus Deutschland an, welche den Infraschall (niederfrequenter Schall) zum Thema haben und welche belegten, dass diese nicht hörbaren Emissionen durchaus negativen Einfluss auf die Gesundheit der angrenzenden Bevölkerung hätten. «Warum nehmt ihr Studien aus Deutschland und seid nicht mit auf den Mont Crosin hier in der Nähe gekommen?», gab Per Just zurück. Im Gespräch mit den Anwohnern der seit 16 Jahren im Betrieb stehenden Anlage hätte man Aussagen von Direktbetroffenen einholen können. Und festgestellt, dass sich niemand über den Lärm oder gesundheitliche Probleme beklagen würde. Der Geschäftsleiter der SWG bemängelte auch, dass der Verein Pro Grenchen mit seinen Bedenken erst sehr spät gekommen sei. «Warum habt ihr beispielsweise nicht schon beim Mitwirkungsverfahren eure Anliegen vertreten?» «Ja, wir sind spät an die Öffentlichkeit gelangt. Aber es ist nie zu spät», entgegnete Jürg Allemann. Dazu verfüge man nicht über das gleich grosse Budget wie die SWG: «Wir vermögen keine Hochglanzbroschüren.»

«Ökologie wird mit Füssen getreten»

Von den Gegnern wurde weiter ins Feld geführt, dass man zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 zu Massnahmen greife, welche die Ökologie mit Füssen treten würden und deren ökonomischer Erfolg nicht sicher sei. Die Windkraft könne nun mal in der Schweiz allgemein und im Kanton Solothurn im Speziellen nicht optimal genutzt werden. Per Just hielt dagegen, dass man in Bezug auf die Ökologie alle gesetzlichen Bestimmungen einschliesslich Umweltverträglichkeitsprüfungen befolgt habe. Was die Wirtschaftlichkeit anbetrifft, verwies er auf die Tatsache, dass die Turbinenproduzenten dem geplanten Standort auf dem Grenchenberg durchaus überdurchschnittliches Potenzial bescheinigten: «Wir investieren doch nicht einen Jahresumsatz (40 Millionen Franken), ohne abgeklärt zu haben, dass das Ganze dann auch ökonomisch Sinn macht.» Würde er nämlich so «geschäften», könnte er sich auch gleich nach einem neuen Job umsehen, so Just.

Gegner und Befürworter des Windparkes versuchten in Bettlach, noch einmal zu punkten. Die angeregte Publikumsdiskussion zeigte, dass das Thema weiterhin bewegt. Offenbar befürchten immer noch diverse Mitbürger eine irreversible Verschandelung der Natur. Die Meinungen scheinen überdies gemacht. Allen ist klar, dass die Energiewende nur mit mehr Effizienz und neuen Energieträgern gelingt. Wie und wo das jedoch geschehen soll, darüber gehen die Ansichten weit auseinander.

Dass das Volk in einer Abstimmung noch seine Meinung dazu geben kann, scheint nicht sehr wahrscheinlich, da offensichtlich das kantonale Planungs- und Baugesetz dies nicht vorsieht. Jürg Allemann hat die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben. Man sei mit Juristen im Kontakt und sehe durchaus noch Chancen für einen Volksentscheid, bemerkte er am Rande der Veranstaltung.