Wecker-Manufaktur
In Bettlach lebt die solide Uhrmacherkunst weiter

Die einzige Wecker-Manufaktur in der Schweiz befindet sich in Bettlach. Dort fertigt der 73-jährige Edgar Sutter seit 1982 seine «Looping» Wecker in Handarbeit. Diese Arbeit hat auch ihren Preis: Gut 400 Franken kostet einer dieser Wecker.

Andreas Toggweiler
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So entsteht ein Wecker: Blick hinter die Kulissen der einzigen Manufaktur der Schweiz in Bettlach
33 Bilder
Blick ins Rohmateriallager
Ausstanzen von Zahnrad-Rohlingen
Ausfräsen des Sockels
Herstellung von Pilliers
Gewindeschnitt für Zifferblattsupport
Für jeden Arbeitsschritt gibts einen eigenen Arbeitsplatz
Blick in die Manufaktur
Ein Weckergehäuse entsteht
Das Gehäuse wird verziert
Federhäuser entstehen
Gewinde bohren
Gewindeschnitt für Zifferblattsupport
Rohling einer Rückwand, dient zugleich als Glocke
Jeder Wecker hat eine Seriennummer
Das Markenzeichen wird geprägt
Stanzen von Brücken
Bestückung von Brücken
Brücke mit Lagern bereit zum Einbau
Druckerei für Zifferblätter
Zahnrad und Zahnrad-Rohling
Unruhbrücke
Friktionsmessung des Minutenrades
Der Zahnrad-Einbau kann beginnen - vgl separates Video
Unruh
und Unruhfeder
werden montiert
die Unruhfeder wird bearbeitet
und auf die richtige Länge gebracht
fehlt noch das Zifferblatt
Zifferblätter
Zeiger werden gesetzt
Wecker für die Auslieferung

So entsteht ein Wecker: Blick hinter die Kulissen der einzigen Manufaktur der Schweiz in Bettlach

AZ

Wenn sich zurzeit die grossen Namen der Uhrenbranche in Basel zur versammeln, ist vor allem Glamour angesagt. Doch nicht hinter jedem Schein steckt solide Uhrmacherkunst. Wie beispielsweise in der einzigen Wecker-Manufaktur der Schweiz in Bettlach.

Das unscheinbare Uhrmacheratelier im Untergeschoss eines Wohnhauses an der Jurastrasse 51 ist sicher weitherum ein Unikum. Es hat dort auf engstem Raum 76 Arbeitsplätze an dutzenden von Maschinen und Gerätschaften.

Aber nur ein einziger Uhrmacher arbeitet daran: Edgar Sutter. Der 73-Jährige fertigt seit 1982 die «Looping» Wecker in Handarbeit. Rund 500 Stück im Jahr, mal mehr mal etwas weniger. Dazu macht er Servicearbeiten an nochmals so vielen Uhren.

Auch nach 90 Jahren reparierbar

«Der mechanische Handaufzugswecker mit zwei Federgehäusen und 46 Stunden Gangreserve ist absolut umweltfreundlich. Er lässt sich auch nach 90 Jahren noch reparieren», erklärt Sutter.

Und reparieren ist heute sowieso im Trend. Auch Grossvaters Taschenuhr bringt Sutter wieder zum Laufen. Während der Uhrenkrise hat er viele Ersatzteile, Werkzeuge, und Rohwerke zusammengekauft. Millionen Uhrenteile warten darauf, dass sie eine defekte Uhr wieder zum Leben erwecken.

«Es wäre sicher schade, sie fortzuwerfen. Und dann kommt bestimmt eine Uhr, der gerade dieses Teil fehlt», lacht Sutter. Auch wenn es im Atelier langsam eng ist ob der vielen Schubladen und Fächli. Wenn das Teil nicht mehr existiert, wird es nachgebaut. So entstehen auch viele Sonderanfertigungen und Modifikationen.

Jedenfalls hat Edgar Sutter viel zu tun. Immer wieder läutet das Telefon. Besuch empfängt er nur auf Anmeldung. «Sonst käme ich gar nicht mehr zum Arbeiten.» Bald erläutert er einem Kunden, was drinliegt und was sich nicht mehr lohnt. Französisch ist oft angesagt beim Kundengespräch.

On parle français

Auch bei der Führung durch seine Werkstatt fallen zahlreiche Fachbegriffe aus der Uhrmacherei: Pignons und Pilliers, Etablis, Coq und Balancier. Man taucht ein in eine eigene Welt, die Grenchen und Umgebung während Jahrzehnten geprägt, ja geformt hat. Hier ist sie in der ursprünglichen Form erhalten geblieben - sozusagen als «Granges miniature.»

Bei Sutter begann «es» mit einer Lehre in einer Uhrenfabrik Liga in Solothurn. Danach arbeitete er bei einem Termineur, wo er auch seine zukünftige Frau Helene kennenlernte und 1961 heiratete.

Zusammen gründeten sie die eigene Firma «E. und H. Sutter Uhrenterminages». Die Uhrenindustrie war damals stark reglementiert. 1963 konnten sie ein altes Terminages-Recht erwerben und damit eine eigene Fabrikation starten.

1965 spezialisierten sie sich auf die Fertigung von Reglages (Unruhen) und beschäftigten bis zu 42 Angestellte, davon 33 in Heimarbeit. «Wir lieferten einfach die bessere Qualität», erinnert Sutter sich.

1978 bauten sie in Bettlach ein Wohnhaus mit Uhrenatelier. Die Namen Looping und Amyral, mit denen die Firma heute bekannt ist, kamen 1982 dazu, als der 1922 im Neuenburgischen gegründete Hersteller seine Produktion von Weckern und Tischuhren einstellte.

Sutter übernahm Produktionsmittel und Marken und führt sie mit grosser Leidenschaft weiter. «Einst gab es 17 Weckerhersteller in der Schweiz. Geblieben ist unsere Manufaktur in Bettlach», so Sutter.

Das Gewerbe darf sich so nennen, denn die Uhren werden von A bis Z selbst gebaut (vgl Kasten). Nur wenige Arbeiten wie Galvanikbehandlung oder Zahnräder schneiden lässt er auswärts machen, notabene mit eigenen Werkzeugen.

Nachfolger gesucht

«Ohne meine Frau wäre das ganze nie möglich gewesen», betont Sutter. Die kaufmännische Allrounderin erledigt bis heute die ganze Administration, vom Telefondienst bis zur Buchhaltung sowie den Versand, «eben alles, was einen produzierenden Betrieb am Laufen hält.»

Auch nach 53 Jahren Selbständigkeit sind Sutters noch immer motiviert. Die Suche nach einem Nachfolger ist inzwischen aber ein Thema. Man möchte das Wissen jetzt weitergeben.

«Er muss nicht Uhrmacher sein, aber mechanisches Verständnis haben und etwas Geschäftssinn.» Auch ein mechanischer Betrieb, der seine Palette erweitern will, komme in Frage. «Da müsste sich doch jemand finden lassen, oder nicht?»

Die «Looping»-Wecker sind im Uhrenfachhandel zu Preisen ab gut 400 Fr. zu kaufen oder direkt in der Manufaktur in Bettlach.