Grenchen

Imposanter klangen die Glocken der Eusebiuskirche nie

Die sieben Glocken der Kirche wiegen 13 Tonnen.

Die sieben Glocken der Kirche wiegen 13 Tonnen.

Der Glockenstuhl der Eusebiuskirche Grenchen hat eine bewegte Vergangenheit. Der Turm für die Eusebiuskirche wurde 1812 gebaut und feiert nun das 200-jährige Jubiläum.

In den alten Protokollen der Kirchgemeinde und der vom ehemaligen Pfarrer Ernst Niggli verfassten Baugeschiche der Jahre 1805-1812 findet man interessante Details über die Glocken in der Eusebiuskirche. Nach dem Bau des Turmes für die neue Eusebiuskirche im Jahre 1812, wurden vom alten Turm der bereits abgebrochenen Vorgängerkirche drei alte Glocken in den neuen Turm hinüber gezogen, ein aufwendiges und für damalige Zeiten schwieriges Prozedere.

Erst im Protokoll der Kirchgemeindeversammlung vom 4. November 1885 stösst man wieder auf einen Vermerk bezüglich der Glocken: Es wird beschlossen, dass die Glocken der Eusebiuskirche das «Sterbeläuten für alle Konfessionen besorgen sollen».

1890 stellt der Kirchgemeinderat je ein Gesuch an die Einwohner- und die Bürgergemeinde, sie möchten sich zu je einem Drittel an den Reparaturkosten des Geläutes und an der Anschaffung einer vierten Kirchenglocke beteiligen, da ein schönes Kirchengeläute dem öffentlichen Zweck diene.

Kurz darauf beschliesst der Kirchgemeinderat – nach Rücksprache mit den beiden Gemeinden –, ein völlig neues Kirchengeläute mit vier Glocken anzuschaffen. Die alten Glocken sollen an die Glockenbaufirma Rüetschi in Aarau zurückgegeben und verrechnet werden. Die Kosten für die neuen Glocken mit einem Gewicht von 4,278 Tonnen und dem eisernen Glockenstuhl – 3,75 Tonnen – betrugen total 15799 Franken.

Die Rückgabe der alten Glocken mit einem Gewicht von 1,683 Tonnen – das Kilo wurde mit 1 Franken 80 verrechnet – ergab 3029 Franken. Die Restanz von 12790 Franken wurde zu je einem Drittel von der Einwohnergemeinde, der Bürgergemeinde und der Kirchgemeinde übernommen. Interessant ist hier die Feststellung, wie eng damals die drei Gemeinden finanziell zusammengearbeitet haben. Eine Kirchensteuer kannte man noch nicht.

Aus heutiger Sicht ist auch auffallend, wie schnell die Anschaffung dieser Glocken über die Bühne ging: Beschlussfassung der drei Gemeinden im März 1890 – Fabrikation, Lieferung, Expertise, Bezahlung der Kosten – alles erledigt im gleichen Jahr 1890.

Kinder- und Schulfest

Die Einwohnergemeinde beschloss, auf den Zeitpunkt des Glockenaufzuges ein Kinder- und Schulfest zu organisieren, das am 15. August 1890 stattfand und zu dem die gesamte Bevölkerung eingeladen wurde, als Dank für den gemeinsamen Opfersinn.

Eine schriftliche Expertise von Musiklehrer Niemann und Domkapellmeister Arniz, beide in Solothurn, bescheinigte später den drei grösseren Glocken eine gute technische Ausführung und einen «ziemlich tonreinen Klang». Die kleinste Glocke hingegen lasse in Bezug auf die Tonreinheit für ein geübtes Ohr «etwas zu wünschen übrig».

Erweiterung auf sieben Glocken

1936 wurden vier neue Glocken bei der Rüetschi AG in Aarau bestellt und eingerichtet. Eine davon ersetzte ebendiese kleine Sanctusglocke aus dem Jahre 1890, welche die Experten schon 46 Jahre zuvor bemängelt hatten. Wiederum fand zum Glockenaufzug ein Schulfest statt, wobei die Erstklässler aus Spargründen nur eine halbe Cervelat mit Brot bekamen.

Seit 1936 hängen sieben Glocken mit einem Gesamtgewicht von 13,04 Tonnen im Turm der Eusebiuskirche, der erst in den Jahren 1962/63 die heutige Form und Höhe von 66 Meter erhielt. Die grösste, 5000 Kilogramm schwere Christkönigsglocke, trägt die Inschrift: «Ich bin der König – wer aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme».

Im Jahr 1986 besuchte ein Team von Radio DRS 1 die Eusebiuskirche und machte eine Tonaufnahme des Glockengeläutes. Die Ausstrahlung fand an einem Samstag zur «Einläutung des Sonntags» statt. Im Ansagetext von DRS 1 wurde unter anderem auch erwähnt, dass der Zeitschlag der Eusebiusglocken eine Imitation von Westminster sei.

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