Grossdiebstahl

Immer mehr ausgeräumte Shops - gestohlene Bikes tauchen kaum wieder auf

2012 wurde der Laden von Roland Friedli in Solothurn über Nacht ausgeräumt.

2012 wurde der Laden von Roland Friedli in Solothurn über Nacht ausgeräumt.

Der Grossdiebstahl beim Grenchner Velohersteller BMC ist kein Einzelfall. Laut dem Branchenverband nimmt die Zahl ausgeräumter Läden zu. Trotz Rahmennummern tauchen kaum je Bikes auf.

Von seinen gestohlenen Velos hat Daniel Molliet nie mehr etwas gehört. Am Auffahrtswochenende wurde beim Velohändler am Grenchner Süd-Bahnhof eingebrochen. Im Transporter haben die Täter hochpreisige Velos für mehrere 10 000 Franken abtransportiert.

Die Beute war gezielt ausgewählt worden: «Mountainbikes über 2000 Franken», sagt Molliet. «Die teuren Elektrovelos liessen sie hier.» Trotz registrierter Rahmennummern ist bis heute kein Bike aufgetaucht.

Jetzt hat schon wieder eine Täterbande Grenchen heimgesucht. In der Nacht auf Mittwoch wurde beim Grenchner Hersteller BMC Zweiräder und Teile für über 100 000 Franken abgezügelt. Beim Branchenverband 2rad Schweiz hört man immer öfter von solchen Grossdiebstählen. Vier bis fünf Fälle seien ihm in den Vorjahren jeweils zu Ohren gekommen, sagt Daniel Schärer von 2rad Mittelland. «Dieses Jahr waren es aber bereits ein Dutzend.»

Nur ausgewählte Ware

Die Diebe hätten ein Auge für gute Bikes, bestätigt auch Schärer. «Es geht immer um relativ hohe Summen. Oft sind es Bikes und Rennvelos ab 3000 Franken.» Die Ironie: Die angeschriebenen Preise der Händler erleichtern den Dieben das Handwerk.

Zwar sind die Rahmen teurer Bikes und Rennvelos mit einer Nummer gekennzeichnet. Diese ist aber schnell weggeschliffen. Der Verband hat deshalb auch schon über einen Chip im Rahmen nachgedacht, der die Sicherheit und Wiederauffindbarkeit der Zweiräder erhöhen sollte. «Wenn im Rahmen ein Chip wäre, wäre dies eine höhere Hürde. Das ist aber eine Kostenfrage», sagt Schärer. Bei den Herstellern sei der Vorschlag nur auf mässiges Interesse gestossen. Schliesslich müssten dann auch die Händler mit entsprechenden Lesegeräten ausgerüstet werden.

Wohin die geklauten Velos gehen, weiss Schärer nicht. Er kann nur vermuten, dass sie im Ausland landen. Auftauchen könnte ein Bike vielleicht wieder, wenn es bei einem Händler als Occasion eingetauscht werde.

Ironie der Geschichte: Die grossen Schaufensterflächen der Händler machen den Dieben das Leben einfacher. «Aber vergittern kann man ein Schaufenster nicht», sagt Schärer. Und offenbar gibt es in zahlreichen Betrieben auch keine Alarmanlagen. Für Händler seien Sicherheitsanlagen auch eine Investition, begründet Schärer dies. Manchmal mache eine Versicherung nach einem Vorfall Druck. Schärer fügt aber auch an: «Der Leidensdruck ist nicht so hoch, solange die Versicherungen bezahlen», sagt Schärer.

Weniger teure Bikes ausgestellt

Nie mehr etwas von seinen Fahrrädern hat auch Roland Friedli gehört. Dem Solothurner Velohändler wurde 2012 in einer Nacht der ganze Laden ausgeräumt. «Es war voll im Saisonanfang, wir hatten alles auf Platz», sagt Friedli. Dank der Versicherung habe sich der Schaden in Grenzen gehalten. Aus dem Einbruch hat Friedli Lehren gezogen. Im Schaufenster werden nicht mehr so viele teure Fahrzeuge gezeigt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1