Die Idee geht zurück auf Claire-Lise Leisi. Sie leitete dazumal ein kleines Heim im Kloster Visitation in Solothurn, in dem sowohl demenzkranke, wie auch nicht demente Bewohner gleichermassen untergebracht waren. Ein Zustand, der nicht harmonisierte. Denn es kam öfters zu Reibereien zwischen den unterschiedlichen Klienten. 

Beispielsweise wenn eine demenzkranke Person das falsche Zimmer betrat im guten Glauben, dass es das ihre sei. «Diese Situation war nicht befriedigend für mich und ich war überzeugt, dass es eine andere Lösung geben muss», sagt Leisi. Aus diesem Grund wurde die Heimleiterin mit ihrer Idee eines Wohnheims nur für Demenzkranke beim Kanton vorstellig. Dort stand man voll und ganz hinter dem Anliegen und startete mit dem Wohnheim ein Pilotprojekt. Am 1. Juli 2005 erhielt das «Y-Psilon» die Betriebsbewilligung.

Es sei nicht immer leicht gewesen in den letzten 10 Jahren, sagt Stadtpräsident François Scheidegger am Jubiläumsfest. Denn Kleinheime wie das «Y-Psilon» können nicht alle Strukturbedingungen der Altersheimgesetzgebung erfüllen. «Fehlende Einerzimmer mit Nasszellen werden durch familiäre und persönliche Atmosphäre für die sehr spezielle Bewohnergruppe kompensiert», lobt der Stapi die Institution.

So habe das Heim durch überzeugende Leistung die Bewilligung des Kantons immer wieder erhalten. Auch die Institutionsleiterin betont, dass der familiäre Aspekt ein zentrales Thema sei. So darf zum Beispiel jeder dann aufstehen, wann es ihm beliebt. «Wir handeln nach dem Normalitätsprinzip», erklärt Leisi. Das bedeutet, dass gewohnte Handlungen, welche die Patienten ihr Leben lang getätigt haben, bewusst in den Tagesablauf miteingebaut werden. So können die Bewohner unter anderem mithelfen beim Wäsche zusammenlegen oder beim Rüsten fürs Mittagessen. Auch der Kontakt zu den Verwandten ist ein wichtiger Punkt. «Viele Angehörige verstehen die Krankheit nicht, deshalb ist es wichtig, sie aufzuklären», erklärt Leisi.

Inzwischen beschäftigt das «Y-Psilon» 35 Mitarbeiter im Alter von 16 bis 70 Jahren und bietet an zwei Standorten 19 stationäre Betten an. Dazu kommt noch eine Tagesstätte. «Bei all unseren Mitarbeitern steht der Mensch im Zentrum», sagt Leisi. Von Anfang an mit dabei war auch Anouk Leisi, die Tochter der Heimleiterin. «Ich habe den klassischen Weg bestritten. Beginnend mit einem Praktikum und anschliessender Lehre zur Fachangestellten Betreuung», erklärt die Tochter.

Mittlerweile hat sie auch die Weiterbildung zur eidgenössischen Heimleiterin abgeschlossen und ist seit 2015 Co-Leiterin der Institution, zusammen mit ihrer Mutter. Eine Erweiterung des «Y-Psilons» sei zwar kein Thema, trotzdem ist ein grösseres Projekt geplant. So ist der Erwerb einer grösseren Liegenschaft am Laufen, damit alle Bereiche der Institution unter ein Dach gebracht werden können.