Skyguide
Im Visier von Sparplänen: Wie gehts weiter am Flughafen Grenchen?

Ein Schreiben von Skyguide Mitarbeitern zeigt ihre Verunsicherung über die Zukunft des Flughafens. Die Angestellten fürchten um ihre Jobs.

Andreas Toggenweiler
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Skyguide Mitarbeiter am Flughafen Grenchen bangen um ihre Jobs.

Skyguide Mitarbeiter am Flughafen Grenchen bangen um ihre Jobs.

Felix Gerber

Nach dem Nein des Kantons zur Weiterentwicklung des Flughafens Grenchen greift die Verunsicherung bei den Flughafen-Angestellten um sich. Denn der Flughafen ist gleichzeitig auch ins Visier von Sparplänen des Bundes und der Flugsicherungs-Monopolistin Skyguide geraten. Weil der Flughafen aufgrund des Ausbaustopps ohnehin angezählt ist, scheinen die Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen.

Hintergrund ist eine internationale rechtliche Regelung, die es verbietet, dass aus den Erträgen der Flugsicherung bei den Landesflughäfen die Regionalflugplätze unterstützt werden. Da das neu abgezweigte Geld aus dem Treibstoffzoll-Zuschlag nicht reicht für die Finanzierung der Flugsicherung auf den Schweizer Regionalflugplätzen, müssen diese sparen.

Die Grösse des Lochs beträgt 7 Mio. Fr., wovon mehr als die Hälfte von den Regionalflugplätzen eingespart werden muss. Besonders hart könnte es den Flughafen Grenchen treffen, der eine grosse Zahl von Flugbewegungen aufweist und der seit 1971 über einen von Fluglotsen besetzten Tower verfügt.

Tower seit 2006 bei Skyguide

In diesem arbeiten seit 2006 Angestellte der nationalen Flugsicherung Skyguide. Sie haben einen Brief ans für die Luftfahrt zuständige Bundesdepartement geschrieben, indem sie sich vehement gegen Abbaupläne bei der Flugsicherung in Grenchen wenden.

«Seit uns der bevorstehende Entscheid mitgeteilt wurde, haben wir täglich unzählige Situationen erlebt, in denen ein Flugbetrieb ohne besetzten Kontrollturm nicht nur chaotische, sondern schlicht und einfach gefährlich Konsequenzen gehabt hätte. Wir denken vor allem an gleichzeitig auf engstem Raum stattfinden Platzrunden, Segelflüge, Fallschirmabsprünge und Akrobatikflüge auf nicht weniger als vier parallelen Pisten», heisst es im von allen sieben Grenchner Skyguide-Mitarbeitern unterzeichneten Schreiben. Die Helikopter und Modellflieger sind in diesem Satz noch nicht mal erwähnt.

Lebhafter Flugbetrieb

In der Tat ist in Grenchen ein grosses Spektrum an Luftfahrzeugen zu beobachten, wie nur schon ein Augenschein am vergangenen Samstag zeigte: Mehrere Flugzeuge starteten und landeten teilweise gleichzeitig oder im Minutentakt. Flugschüler übten Touch and Go, Jets starteten und flogen ein.

Dazwischen fielen die Fallschirmspringer aus dem Himmel oder ein Hubschrauber von Heli West kehrte von einem Rundflug zurück. Und gleichzeitig hatten im Süden die Segelflieger Full House mit zwei Schleppflugzeugen im Einsatz.

Die Fluglotsen übertreiben jedenfalls nicht. Im Tower musste an diesem Tag mit idealem Flugwetter jedenfalls Hochbetrieb herrschen. Insbesondere wenn Flugzeuge mit stark unterschiedlicher Geschwindigkeit (z. B. Segelflug-Schlepptrosse und Jets) gleichzeitig herumkurven, wird die Überwachung des Luftraums anspruchsvoll.

Laut Darstellung der Skyguide-Mitarbeiter wird nun aber ein Modell geprüft, das gerade an Wochenenden den Betrieb des Towers einstellen würde und dieser nur noch werktags von 8 bis 18 Uhr besetzt wäre.

Arbeitsgruppe am Werk

Urs Ryf, ehemaliger Operationenchef von Skyguide, präsidiert eine breit abgestützte Arbeitsgruppe, welche das Sparpotenzial auf den Regionalflugplätzen untersucht. Über die Inhalte der diskutierten Sparvorschläge will er sich nicht äussern. Er habe aber Kenntnis vom Vorpreschen der Grenchner Skyguide-Mitarbeitenden, welches er als «etwas unglücklich» bezeichnet.

«Sie äussern sich, als seien schon irgendwelche Entscheide gefallen», was aber nicht der Fall sei. Eine Information der Öffentlichkeit sei vorgesehen, sobald Klarheit über das weitere Vorgehen herrsche, versichert Ryf.

Die Skyguide-Mitarbeiter haben das Schreiben an den Bund offenbar auch ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten verfasst. Selber wollen sie nichts weiteres dazu sagen. Markus Binggeli, Chef des Skyguide-Teams in Grenchen, hat es selber unterzeichnet und verweist für weitere Auskünfte an die Skyguide Zentrale in Genf.

Stichtag 25. August

Auch dort zeigt man sich nicht gerade erbaut von der autonomen Aktion des Grenchner Teams. Skyguide Sprecher Raimund Fridrich betont, dass noch kein Entscheid gefallen sei. Dieser steht aber offenbar bevor. Im Brief ist nämlich die Rede von einem Stichtag 25. August. «Dann findet die Sitzung des Steuerungsausschusses statt, der die Vorschläge validieren wird», sagt Fridrich dazu.

Es seien verschiedene Vorschläge auf dem Tisch, die auch mit einem Preisschild versehen seien. Es gehe jetzt darum diese auch unter verschiedenen Aspekten zu gewichten, wobei die Sicherheit das zentrale Kriterium sei. Das letzte Wort habe das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl. Es sehe zurzeit auch nicht danach aus, als dass der ursprünglich vorgesehene Zeitplan eingehalten werden könne.

Dieser sieht für Grenchen eine einjährige Übergangsfrist mit reduziertem Betrieb im Jahr 2017 vor, während für 2018 vorgesehen ist, auf den sogenannten AFIS-Betrieb umzustellen, bei dem die Piloten selber für die Anflug- und Startprozeduren verantwortlich sind. Mit so genannten Blind Calls melden sich die Piloten beispielsweise auf der Flughafenfrequenz an und hoffen, dass andere Flugzeuge in der Nähe sie hören. Dieses Vorgehen wird zurzeit am Flugplatz Samedan angewandt.

Versuch startet am 13. Oktober

Bei den Flughafen-Verantwortlichen bestreitet man nicht, dass ein solches Vorgehen auch in Grenchen grundsätzlich funktionieren kann. Dies Allerdings nur in Randzeiten mit geringem Flugbetrieb.

Der Flughafen wird deshalb nach einer Vorbereitungszeit von drei Jahren voraussichtlich am 13. Oktober einen Versuch starten mit einem tower-losen Betrieb während der Randzeiten.

«Dieser Versuch in Zusammenarbeit mit Skyguide und dem Bazl soll aufzeigen, ob und wie ein solcher Betrieb unter Berücksichtigung aller Sicherheitsaspekte möglich ist», sagt Flughafensprecher Conrad Stampfli.

Lob für den Flughafen

Die deutsche Fachzeitschrift «Pilot und Flugzeug» hat in ihrer Augustnummer viel Lob für den Grenchner Flughafen. «Der Flugplatz Grenchen ist zwar sicher nichts für Gebühren-Sparfüchse (eine Landung aus dem Ausland mit einer Cheyenne kann bis 170 Fr. inkl. Zollabfertigung kosten), in Grenchen wird aber nahezu jede Betriebsart der General Aviation ermöglicht und Luftsports erlaubt.

Während in Deutschland an vielen Flugplätzen IFR (Instrumentenflug), Schulung, Segelflug und Fallschirmspringer oft zum Nachteil aller Luftraumnutzer getrennt werden, zeigt der Flugplatz Grenchen, wie man mit einfachen und klaren Regeln die Koexistenz der Verkehrsarten ermöglichen kann», heisst es in einem achtseitigen Artikel von Autor Jan Brill.

Dies sei ein Verkehrsmix, der in Deutschland «schon lange wegreguliert» worden sei. Für Fachleute werden sodann die «lehrreichen Details»des Approachs bzw. Starts in Grenchen erläutert. (at.)