Grenchen
Im Ratskeller wurde schon manches Fest gefeiert

Im ehemaligen Pfarrhaus der römisch-katholischen Kirche an der Absyte führt eine lange Treppe zu einem Gewölbekeller. Manches gemütliche Fest wurde hier gefeiert.

Daniel Trummer
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Ratskeller

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Oliver Menge

An grossen Tischen stehen massive Holzstühle. Die Wände schmücken Fresken von Ferdinand Kaus und die Lampen hat auch ein Grenchner Künstler gestaltet: Marcel Niederhäuser. An diesem Abend essen und diskutieren über 20 Geladene. Gewerbler sind da, Leute aus der Verwaltung und Politiker. Der 78-jährige Silvio Ferrari erinnert sich an die Anfänge. «Erich Wolf gebar die Idee», sagt Ferrari. Wolf war damals Chefbeamter, Jurist bei der Stadt und amtete später als Oberrichter. Mit seinen Kollegen in den Verwaltungsabteilungen begann er, in der Freizeit den Keller zu räumen und herzurichten.
«Das war ein Saukrampf»
Das Haus an der Absyte beherbergte in früheren Jahren das Arbeitsamt und Schulzimmer. Die Haushaltungsschule für Mädchen war darin untergebracht, der Keller mit Gerätschaften und Werkzeugen überstellt. Angrenzend an die Bielstrasse übten sich die angehenden Frauen auf einem «Pflanzplätz» im Gartenbau. Der heute 82-jährige Alcide Meier bearbeitete als Finanzverwalter mit Hammer und Meissel stundenlang die Kellerwände. «Das war ein Saukrampf für unsere Bürolisten», fasst Steffi Born, die ehemalige Chefsekretärin zweier Stadtpräsidenten, das Engagement der Chefbeamten zusammen.

"Die wollten nie mehr nach Hause"
Der Baudirektor, Otto Singer, koordinierte das Vorhaben und knüpfte die nötigen Fäden zum lokalen Gewerbe. Schreiner, Baumeister, Maler und Elektriker arbeiteten begeistert mit und ermöglichten mit ihrem Sponsoring die Verwirklichung des Projekts. Die Stimmung war euphorisch und Parteigrenzen spielten keine Rolle. Singer holte auch Kunstschaffende mit ins Boot, die sich rege betätigten. Als dann der Keller fertig umgebaut war, ging es um das Mobiliar. Donatoren konnten sich finanziell beteiligen und Stühle kaufen. An den Rücklehnen der Sitzgelegenheiten sind zahlreiche Messingplättchen angebracht, die die Namen der Stuhlkäufer tragen. Ferrari und Born gehören dazu, diese Spende gibt ihnen das Recht, am Ratskellerfest dabei zu sein. «Die wollten nie mehr nach Hause», erinnert sich Steffi Born lachend an die ersten Feten.
Viel Gratisarbeit wurde geleistet
Heute feiern noch der harte Kern und aktuelle Gemeinderäte. Zu dieser treuen Kundschaft zählt Kurt Kaufmann. Er besass ein eigenes Architektur- und Ingenieurbüro und gehörte in seiner aktiven Zeit der Baukommission an. Der 80-Jährige hat sich auch einen Stuhl erstanden, blättert im Erinnerungsbuch und zeigt seine Unterschriften, die er seit vielen Jahren hinterlassen hat.
Schon seit dem Beginn dabei ist Hans Gurtner. Der Baumeister war damals 32 Jahre alt. Mit seinem Vater hat er den Kellerausbau begleitet. Der Dreck wurde mit Kübeln die lange Treppe emporgeschleppt. Otto Singer war ein guter Motivator. Die Firma Gurtner hatte die Natursteinpflästerung vor dem Gebäude gebaut. «Das ging ins Geld», resümiert Gurtner die damalige Situation, wo auch andere Baugeschäfte, sowie Handwerker der verschiedensten Branchen Gratisarbeit ablieferten.

Eine besondere Beziehung zum Anlass hat Marcel Bavaud. Er gestaltet seit 1981 das Erinnerungsbuch. Die Gründungszeit, mit Mitwirkenden und Sponsoren, ist in wunderschöner, handgeschriebener Frakturschrift festgehalten. Für jedes Fest hat er eine Seite gestaltet, mit einer Zeichnung verschönert und genügend Platz für die Unterschriften frei gehalten.