Gut doppelt so viele Kinder, wie teilnehmen konnten, mussten sich jedes Mal mit einem Platz auf der Warteliste begnügen.

«Wir haben immer Gerichte geplant, bei denen die Kinder selber Einfluss nehmen konnten», sagt Monika Crausaz. So standen letzte Woche Fajitas auf der Speisekarte. Die zwölf Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren konnten bestimmen, womit sie gefüllt wurden und welche Saucen dazu serviert wurden. Beim nächsten Kurs gab es «Ofenguck», einen Gratin aus Kartoffelstock, dem verschiedene Zutaten beigemischt werden, bevor er im Ofen gratiniert wird. Dazu einen grossen, gemischten Salat. Und bei der letzten Ausgabe diese Woche betätigten sich die Kinder als Pizzaioli: Ganze sechs grosse Pizzen wurden mit den verschiedensten Zutaten belegt.

Doch bis es so weit war, musste noch einiges geschehen: Als Erstes spaziert die Kinderschar zum Grossverteiler, um einzukaufen. Die Kinder mussten sich schon vorher überlegen, was sie am liebsten auf ihrer Pizza hätten. Das Leiterteam teilte die Kinder dementsprechend in Gruppen auf, denn bekanntlich sind Geschmäcker verschieden: Die einen mögen Pilze, die anderen nicht, die einen lieben Peperoni und Kapern, die anderen ganz und gar nicht. Entsprechend wurde dann eingekauft.

Teigkneten wie die Meister

Zurück im Lindenhaus geht es darum, die Zutaten vorzubereiten: den Schinken und Mozzarella in kleine Würfel schneiden, die Champignons in Scheiben schneiden – Vorsicht mit den scharfen Messern, für manche Kinder ist das Neuland – Büchsen mit Maiskörnern, Ananas, Oliven und Kapern öffnen und abschütten. «Wer hilft mit beim Teig?» 12 Hände schnellen in die Höhe. Aber halt, da fehlt etwas: Man hat das falsche Mehl erwischt, und erst noch viel zu wenig. Statt 2 Kilo sind nur zwei 500g Päcklein Fertig-Pizzamehl im Einkaufswagen gelandet. Also müssen drei Kinder schnell zum Laden spurten und das richtige Mehl besorgen.

Währenddessen beweist der sechsjährige Justin, dass aus ihm ein richtiger Pizzaiolo werden könnte: Gekonnt löst er die Hefe im Wasser auf, und kaum ist das Mehl da, ist er in seinem Element. Mehl, Wasser, Salz und die Hefe kommen in eine Schüssel und dann wird nach Herzenslust geknetet. «Das habe ich zu Hause auch schon oft gemacht», erzählt er. Auch die zehnjährige Daniela hat Erfahrung im Teigkneten und kniet sich förmlich in die Arbeit. «Das fühlt sich an, als ob man Handschuhe trägt», sagt Justin, seine Hände fast bis zu den Ellenbogen im Teig. Die beiden Schüsseln mit dem Pizzateig kommen später in den Ofen, wo sie bei 50 Grad langsam aufgehen können.

Derweil gehen einige Kinder nach draussen, um Tischdekoration aufzutreiben: Schön gefärbte Blätter, Blumen und Sträuchlein mit Beeren dran, lange Gräser und kleine Äste werden von einem Mädchen auf dem Tisch schön drapiert.

Eine andere Gruppe ist damit beschäftigt, Nutella-Ravioli herzustellen, das Mitbringsel für zu Hause. Mit wenig Nutella gefüllte Blätterteigtaschen werden geformt und verschlossen. Sie sollen nach dem Backen noch mit farbiger Zuckerglasur, Smarties und Zuckerperlen verziert werden.

Nach etwa 20 Minuten ist der Pizzateig bereit, wird ausgewallt und auf die Bleche verteilt. Sheena Ettlin fällt die Aufgabe zu, das Belegen der Pizzen zu «überwachen», denn jetzt dürfen die Kinder ihre Pizzen mit den Zutaten belegen, die sie für sich ausgesucht haben. «Nein, keine Pilze, die mag ich nicht, und auch keine Kapern. Dafür umso mehr Mais». Wie gesagt, die Geschmäcker sind verschieden. Bis zum Schluss kommen sechs Pizzen in den Ofen, der Tisch wird gedeckt und wenige Minuten später duftet es im Lindenhaus, als wäre man in einer Pizzeria gelandet.

Sie munden, die Pizzen

Kaum sind die Pizzen aus dem Ofen, kann jedes Kind sein ganz spezielles und selber belegtes Pizzastück abholen. Und plötzlich wird es ganz still im Saal, einen Moment lang sind nur noch Essgeräusche zu hören. Spätestens beim Dessert – Vanilleglace mit heissen Beeren oder Schokoladencreme; je nach Wunsch – erwachen die Geister wieder und es wird wieder etwas lauter im Lindenhaus.

Nach dem Essen wird gemeinsam aufgeräumt und geputzt, eine Gruppe macht sich daran, die Nutella-Ravioli zu verzieren.

Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde der Kurs «Essen mit Boys und Girls» in diesem Jahr nur drei Mal durchgeführt, da das Lindenhaus nächste Woche wegen Betriebsferien geschlossen ist. Aber mit Sicherheit werde man die Kurse beim nächsten Ferienpass wieder ausschreiben. «Eine Umfrage hat ergeben, dass dieser Kurs zu den Beliebtesten gehört», sagt Monika Crausaz stolz.