«Weihnachten ist das Fest der Gemeinschaft. Da sollte man nicht allein sein.» Mit diesen Worten eröffnete der reformierte Pfarrer Marcel Horni die oekumenische Feier in Grenchen. 25 Personen wussten schon vor Heiligabend, dass sie diesen Standpunkt teilten und hatten sich angemeldet. Eine Handvoll Gäste kam zufällig am Lindenhaus vorbei und gesellte sich spontan dazu.

Es lohnte sich - auch, aber nicht nur wegen des Essens, das die Metzgerei Guex geliefert hatte: geräuchertes Forellenfilet, Kalbsgeschnetzeltes mit Stock und zum Dessert ein grosses Vermicelles. Beim Apéro war es unter der Saaldekoration aus Engelsbildern und Schaumstoffsternen noch ziemlich still. Diejenigen, die schon seit Jahren am Gemeinschaftsangebot der Kirchen teilnehmen, brachten sich gegenseitig auf den neusten Stand. Diejenigen, die zum ersten Mal dabei waren, stellten sich gemächlich ihren Sitznachbarn an den vier grossen Tischen vor.

Bis zum ersten Weihnachtslied, zügig begleitet von Albert Knechtle, dem Organisten der katholischen Kirche, war das Eis überall gebrochen. Von da an mussten die Pfarrer Gläser und Messer zu Hilfe nehmen, wenn sie die angeregten Gespräche für Programmpunkte unterbrechen wollten. Mario Tosin nahm die Gelegenheit wahr, Matthias Willauer vorzustellen, der an seiner Seite in der katholischen Kirche die Berufseinführung absolviert.

Fürs Leben, auch bei Problemen

Abgesehen von der biblischen Weihnachtsgeschichte hörten die Gäste eine Geschichte des Tübinger Altphilologen Walter Jens. Unter dem Titel «Nicht vor dem Leben kapitulieren» befasst sich die Kurzgeschichte mit einer jungen Mutter, die von ihren Eltern - fleissigen Kirchgängern - aus dem Haus geworfen wurde, weil sie unehelich ein Kind zur Welt brachte. Die eine oder andere Lebensgeschichte, die an Heiligabend beim Essen erzählt wurde, stand durchaus in dieser Tradition: schwierige Umstände, die mit hartnäckigem Lebenswillen verbessert oder gar überwunden werden konnten.

Das achtköpfige Helferteam sorgte dafür, dass der Abend zu einem gelungenen Erlebnis wurde. «Wir sind inzwischen ein gut eingespieltes Team an der Weihnachtsfeier. Alles klappt reibungslos», freute sich OK-Mitglied Mari Perez in der kurzen Pause vor dem Dessert.

Der einzige Misston war die Tatsache, dass heuer ausnahmsweise kein offizieller Vertreter der Stadt am Fest teilnahm. In einer kurzen, aber hitzigen Diskussion wünschten sich die einen den abtretenden und die anderen den antretenden Stadtpräsidenten herbei. Hingegen konnten sich die Gäste rühmen, vom neuen Kantonsratspräsidenten, Peter Brotschi, bedient worden zu sein.