Grenchen
Im Laufe des Jahrhunderts hat sich auf diesem Estrich viel Gerümpel angesammelt

Die Klasse IIIB der Bezirksschule hat eine Woche lang den Estrich des Schulhauses III entrümpelt. Die Schüler stiessen dabei auf alte Stühle und Pulte, Tintenfässchen und sogar eine Toilettenschüssel.

Oliver Menge
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Schülerinnen und Schüler der Klasse IIIb der Sek E räumen den Estrich des Schulhauses III
18 Bilder
Lehrer Bruno Schaad ist mit 15 Teenager auf dem Estrich am Werk
Die Aktion findet im Rahmen einer Projektwoche statt
Im Estrich hat sich seit der Eröffnung des Schulhauses im Jahr 1911 einiges angesammelt
Das Gerümpel gilt es herunterzutragen
Er hat Spass an der Sache
Für viele Sachen galt wohl: «Aus den Augen - aus dem Sinn.»
Einige der Gegenstände, wie zum Beispiel alte Stühle und Pulte, sollen bei einem nächsten Projekt wieder instand gestellt werden.
Pulte und kaputte Stühle werden zerlegt
Schon im Estrich fängt das Trennen des Mülls an
Estrich-Entrümpelung im Schulhaus III in Grenchen

Schülerinnen und Schüler der Klasse IIIb der Sek E räumen den Estrich des Schulhauses III

Oliver Menge

Durch Dachlukarnen fallen Sonnenstrahlen in den grossen Raum. Staubschwaden wabern im Licht. Man könnte fast meinen, die Staubwolken seien formlose Gestalten, die gespenstergleich zwischen den Balken schweben. Wären da nicht die 15 Teenager, die zusammen mit ihrem Lehrer Bruno Schaad für den Staub in der Luft verantwortlich sind. Denn hier wird nicht gestaunt und geschaut oder rumgespenstert, hier wird richtig angepackt. Entrümpelung steht eine Woche lang auf dem Programm.

Im Estrich des Schulhauses III hat sich seit dessen Eröffnung im Jahre 1911 so einiges angesammelt. Was an Mobiliar und sonstigem Zeugs nicht mehr gebraucht wurde, wanderte schlicht und einfach auf den Estrich, ganz nach dem Motto: «Aus den Augen - aus dem Sinn.» Alte Stühle, alte Pulte, einzelne sogar noch mit echten Tintenfässchen, ein Schnaps-Matrizenumdrucker, eine komplette Toilettenschüssel samt Spülkasten, mehrere alte Computer, Bildschirme, zwei Wandtafeln - die eine so gross und schwer, dass man sich fragen muss, wie man die jemals da hochschleppen konnte - Kisten voller Müll, leere und volle Kartons, alte Kästchen und Schränke, Tablare, alte Türen und vieles mehr - alles hat auf dem Estrich einen vorläufig definitiven Platz gefunden.

Mancher Lehrer mochte sich vielleicht gedacht haben, er finde irgendwann mal noch Verwendung für das Eine oder Andere, das er unter dem Dachgebälk verstaute, aber unter dem Strich landete das Meiste dort oben und ging vergessen.

Bereits Idee für nächstes Projekt

Bruno Schaad hatte die Idee, die für das neunte Schuljahr obligatorische Projektwoche für die Entrümpelung des Estrichs einzusetzen. Nicht ganz ohne «Eigennutz», denn einige der Gegenstände, wie zum Beispiel alte Stühle und Pulte, will er bei einem nächsten Projekt zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern wieder instand stellen.

Aber das ist nur ein Nebenprodukt der Aktion. Denn grundsätzlich geht es darum, den Estrich zu leeren, damit man danach den Boden mit einer Wärmedämmung isolieren kann. Damit kann man die Energieeffizienz des Schulhauses merklich verbessern, denn das Dach ist nicht isoliert und ein Grossteil der Heizwärme entweicht nach oben. «Der Dachstock wird auch weiterhin als Lagerraum dienen, aber der Schulleiter will künftig genauestens wissen, was hier eingelagert wird», sagt Schaad.

Im hinteren Teil des Dachstocks haben die Jugendlichen bereits eine stattliche Anzahl an noch intakten Stühlen deponiert, abgesaugt und gereinigt. Vorne werden die noch brauchbaren Tischplatten deponiert. «Wir werden die Pulte wieder instand stellen, die sind nämlich stabiler, als die neuen, die man anschaffen müsste», so Schaad.

Alles von Hand und zu Fuss

Die 15 Jugendlichen der Klasse IIIb sind mit Eifer bei der Sache. Immerhin gibt es keinen Lift, alles muss runtergetragen werden. Schon im Estrich selber fängt das Trennen des Mülls an: Brennbares, in erster Linie Holz, Metall und Kehricht werden dort ausgesondert. Vor und hinter dem Schulhaus stehen Mulden, die mit dem entsprechenden Material gefüllt werden.

Aber zuerst müssen die Pulte und die kaputten Stühle zerlegt werden. Ein besonderer Spass für die Jungs, die das mit grossen Fäusteln erledigen. Tischbeine fliegen schon nach dem zweiten Schlag weg, wenn gut getroffen. Lehrer Schaad achtet dabei darauf, dass aus lauter Übereifer niemand zu Schaden kommt und gibt die entsprechenden Anweisungen.

Die Mädchen trennen derweil die Holzstücke von kaputten Stühlen. Die Sitzflächen kann man gestapelt die vier Treppen runtertragen, kleinere Stücke werden in Körben oder grossen Schachteln runtergebracht. «Das fägt», meint die 14-jährige Jasmina. Es mache viel Spass, zusammen mit den Klassenkolleginnen und -kollegen etwas Sinnvolles machen zu können.

Estelle kommt gerade wieder die Treppen hochgestiegen. Sie habe etwas Rückenschmerzen vom Tragen, aber das sei weiter nicht schlimm. Auch sie findet es cool, den Estrich zu räumen. Und Yannick hat in einer Ecke einen kleinen Schrank entdeckt, den er mit Wonne zerlegt.
Rund drei Mulden werden im Laufe der Woche mit Holz gefüllt. Eine Mulde mit Metall und etwa zwei Mulden mit brennbarem Kehricht.

Kunstsachverständige gefordert

Ein Raum im hinteren Teil des Estrichs birgt besonderes Material: Hier liegt Deko- und Verpackungsmaterial der Triennale Grenchen. Kataloge fast sämtlicher Triennalen von Anbeginn an sind hier zu finden, zum Teil sogar noch verschweisst. Auch einzelne Plakate aus vergangenen Jahrzehnten liegen rum, sowie Hinweistafeln und alte Wegweiser durch die damaligen Ausstellungen. Fachleute und Kunstsachverständige haben das Material bereits gesichtet und für «vernichtungswürdig» befunden. Also werden die Schülerinnen und Schüler die Kartonschachteln, auf denen rund ein Zentimeter Staub liegt, im Lauf der Woche auf den Müll schmeissen.

«Die Projektwochen sind in der neunten Klasse obligatorisch. Sie müssen Elemente aus der Arbeitswelt enthalten, dürfen aber keine Schnupperlehren sein», erklärt der Lehrer, der den Arm im Gips trägt und deshalb selber nicht mit anpacken kann. Er sei absolut begeistert darüber, mit welchem Eifer seine Klasse die Sache anpacke. «Möglicherweise werden wir sogar fertig in dieser Woche, das wäre toll.» Wenn nicht, spielt das keine grosse Rolle , denn den weitaus grössten Teil haben die Jungs und Mädchen von der IIIb auf jeden Fall geschafft.

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