Im Jahr 2015 ist der bekannte Künstler Peter Travaglini im Alter von 88 Jahren verstorben. Heuer wäre er somit 90 geworden. Hanspeter Rentsch, Präsident der Kunsthaus-Stiftung, freut sich, dass das Kunsthaus Grenchen dieses Jahr zu einem Epizentrum des Travaglini-Gedenkens wird. «Peter Travaglini hatte den Wunsch, dass ein Grossteil seines Werkes nach Grenchen kommt, denn er war zeitlebens mit der Stadt eng verbunden», erklärt Rentsch, der zusammen mit Erich Senn eine Gruppe von Persönlichkeiten anführt. Diese kümmern sich in Absprache mit Travaglinis Familie um die Finanzierung von Projekten im Zusammenhang mit dem künstlerischen Nachlass.

Bekannt und doch nicht

«Travaglini war einerseits in der Region sehr bekannt, anderseits schweizweit eher einem kleineren, eingeweihten Kreis », erklärt Rentsch weiter. Es sei beispielsweise nie ein Buch über ihn erschienen. Und doch begegnet man in Grenchen und Umgebung seinem Schaffen auf Schritt und Tritt: Vor der ETA, beim Parktheater, bei der Migros, beim Kunsthaus und im Foyer der Firma Mathys sind markante Skulpturen von Travaglini ausgestellt. Sogar die unscheinbare Kläranlage ist mit einem Travaglini-Brunnen geschmückt.

National beachtet wurde der Künstler insbesondere durch seine monumentalen Vergrösserungen von Alltagsgegenständen wie Reissverschluss, Kette oder auch durch «Tells Apfelschuss», einer Polyester-Skulptur. Seinen Wohnsitz und eines seiner beiden Ateliers (das andere war im Tessin) hatte er in Büren a. A. Travaglini war auch während Jahrzehnten aktiv in der Stiftung Kunsthaus Grenchen, viele Jahre als Vizepräsident. «Ich habe ihn als sehr engagierten, geradlinig-kritischen und innovativen Macher in Erinnerung. Er hat der Region und dem Kunsthaus sehr viel gegeben», sagt Rentsch. «Er hat eine umfassende Würdigung seines Schaffens verdient.»

Sponsoren gesucht

Zur Gruppe der «Freunde von Peter Travaglini» um Rentsch und Senn gehören alt Bundesrat Samuel Schmid, François Scheidegger, Käthi Scartazzini, Rolf Käsermann und Claude Desgrandchamps. Sie sind seit Mitte 2016 daran, Sponsoren für die verschiedenen Travaglini-Aktivitäten zu finden, insbesondere für das Buch, Werkkäufe und die Inventarisierung des Nachlasses.

Alle Aktivitäten kosten zusammen über 300 000 Franken. Doch die Sponsoren zeigen sich bisher erkenntlich. Man werde den grössten Teil der geplanten Aktivitäten so durchführen können, wenn die Sammlung weiterhin gut verlaufe, lässt Rentsch durchblicken. Der Kanton Solothurn hat 10 000 Fr. an das Buchprojekt gesprochen und 8000 Fr. für die Inventarisierung.

Ein Beitrag des Kanton Bern und der Stadt Büren werde ebenfalls noch erwartet, immerhin war Travaglini Berner und wurde 1927 in der Hauptstadt geboren. Er war auch langjähriges Mitglied der Kunstkommissionen des Kantons Bern und der Stadt Biel und war Mitbegründer des Künstlerhauses s11 in Solothurn. Sponsoren können je nach Beitrag unter Grafiken, Werkzeichnungen und einer Kleinplastik aussuchen. Laut Rentsch kommen an der Ausstellung auch diverse Werke Travaglinis zum Verkauf.

Bedeutende Schenkung

Speziell freut Hanspeter Rentsch, dass das Kunsthaus einen wichtigen Teil des Nachlasses als Schenkung entgegennehmen kann. Grafiken, Projektskizzen und eine Auswahl von Gemälden werden dem Kunsthaus vermacht. «Sie sind für das Kunsthaus, ja für die ganze Region Grenchen von unschätzbarem Wert und werden so langfristig für die Nachwelt erhalten», so Rentsch.

Viele seiner skulpturalen Werke hat Travaglini in oft auch farbigen Projektskizzen entwickelt. Diese Werkzeichnungen können selber als Kunstwerke gelten. Zudem möchte das Kunsthaus auch noch einige plastische Hauptwerke erwerben. Da deren Preise relativ hoch sind, ginge dies auch nicht ohne Sponsoren.

Im Kunsthaus wird das Werk von Peter Travaglini in der zweiten Jahreshälfte im Zentrum stehen. Die Ausstellung ist zweiteilig: Im Neubau stehen vom 11. Juni bis 16. Juli eine Auswahl grossformatiger Skulpturen im Zentrum. In der Villa Girard wird das Gesamtwerk vom 11. Juni bis 16. Juli 2017 und vom 27. August bis 5. November chronologisch in seiner ganzen Vielfalt gewürdigt.

Buch über Travaglini

In die Zeit der Ausstellung wird auch die Vernissage einer Werkmonografie fallen, die das reiche Schaffen Travaglinis in Buchform würdigt: Gemälde, Druckgrafiken, Teppiche, Keramiken, Medaillen und auch Gebrauchsgrafik sind in seinen Atelier entstanden. Peter Killer, ehemaliger Kunsthausleiter in Olten, Kunsthausleiterin Claudine Metzger und der Bürener Maler, Bildhauer und Fotograf Markus Raetz haben Beiträge verfasst. Auch das Atelier von Peter Travaglini in Büren a. A. wird in die Ausstellung einbezogen. Während der Ausstellung werden Führungen durchs Atelier angeboten.