Neue Ausstellung
Im Grenchner Kunsthaus herrscht keine Sommerflaute

Ferienzeit im Kunsthaus Grenchen? Mitnichten: Eva Inversini, die künstlerische Leiterin des Kunsthauses, steckt unter anderem mitten in den Vorbereitungen für die nächste grosse Ausstellung.

Oliver Menge
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Anna Leibbrandt (links) und Eva Inversini stellen die nächste Ausstellung anhand von selbst gemachten Schnappschüssen zusammen.

Anna Leibbrandt (links) und Eva Inversini stellen die nächste Ausstellung anhand von selbst gemachten Schnappschüssen zusammen.

Oliver Menge

«Am 18. Oktober eröffnen wir die Ausstellung über den bekannten Schweizer Künstler Rolf Winnewisser, der in Grenchen einen grossen Teil seines druckgrafischen Werkes ausstellen wird. Das erfordert einiges an Vorarbeit», erklärt Eva Inversini. Zusammen mit ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Leibbrandt ist sie mitten in der Planung der Ausstellung und der Realisierung der begleitenden Publikation.

Noch läuft aber die aktuelle Ausstellung «Weltenwürfe» der drei Künstlerinnen Sandra Boeschenstein, Julia Steiner und Monica Ursina Jäger mit grossflächigen Bildern und Installationen im Innen- und Aussenraum, am 21. September ist Finissage. «Das Kunsthaus ist jetzt im zweiten Jahr in Folge den Sommer hindurch geöffnet», erklärt Eva Inversini. Zwar verzeichne man etwas weniger Besucherinnen und Besucher als gewöhnlich, aber das Kunsthaus werde auch zur Ferienzeit regelmässig genutzt. «Die Sommerzeit ist angenehm für uns: Wir haben wesentlich weniger Mailverkehr und Telefone und können uns so vertiefter der konzeptuellen Arbeit widmen.»

Das heisse insbesondere: die Ausstellungsprogramme für 2015/16 konzipieren, die Sammlung pflegen, recherchieren und Texte schreiben, aber auch: Aufräumen. Anna Leibbrandt beispielsweise ist während mehrerer Tage damit beschäftigt, Fotomaterial, das auf den verschiedensten Trägermedien – CDs, DVDs und uralten Disketten – gespeichert wurde, ins neue EDV-System zu übertragen. «Wir sind daran, unser Büro-Archiv inklusive der Dokumente unserer Vorgänger systematisch abzulegen und zu archivieren», so Inversini. «Wir wollen schauen, was wir haben und Platz schaffen für Neues.»

Dazu kommen die Aufgaben, die das ganze Jahr anfallen: «Montags beispielsweise mache ich immer einen Rundgang durch die Ausstellung und kontrolliere, ob es den Werken gut geht. Teile der Installation müssen eventuell wieder gerichtet werden, die Ausseninstallation muss kontrolliert werden.» Daneben muss die übliche Korrespondenz erledigt und die Kommunikation nach aussen und innerhalb des Hauses gewährleistet werden. «Wir haben zur Ausstellung ein Rahmenprogramm, das wir anbieten. Ende August organisieren wir zum Beispiel ein «Kunst-Früh-Stück» mit einer Führung durch die Ausstellung.» Und schon jetzt muss auch der Abbau der aktuellen Ausstellung geplant werden, Techniker werden gebucht, Transporte werden organisiert.

Vorbereitungen laufen

Und doch sind die Vorbereitungen für die nächste Ausstellung bereits weit fortgeschritten: «Als Erstes haben wir beim Künstler mehrere Atelierbesuche gemacht. Es ist für mich immer ein Glücksfall, wenn Künstler, die noch leben und über ein umfassendes Werk verfügen, uns den Zugang dazu gewähren, wie das aktuell bei Rolf Winnewisser der Fall ist. Wir konnten wortwörtlich aus dem Vollen schöpfen, denn Winnewisser stellt uns seine druckgrafischen Erzeugnisse von 1966 bis heute zur Verfügung und wir treffen in enger Zusammenarbeit mit ihm die Auswahl für die Ausstellung.» Winnewisser hat zahlreiche Drucke, Bücher, Hefte, Karten, Rollbilder, Editionen, Tücher und Publikationen in den verschiedensten Techniken erschaffen. Die verschiedenen Werkgruppen seines druckgrafischen Schaffens sollen in einer Einzelausstellung im Kunsthaus Grenchen erstmals umfassend vorgestellt werden – eine Herausforderung für die Ausstellungsmacher. Hunderte von Werken in den verschiedensten Dimensionen und Formen wurden im Atelier zusammen mit dem Künstler inventarisiert, das heisst, zu jedem Blatt wurden die Eckdaten und die Masse aufgenommen und Inversini machte Schnappschüsse der Bilder.

Virtuelle Zusammenstellung

Zurück im Kunsthaus wurden die Fotos im Dachgeschoss ausgelegt. «Wir können anhand der Abbildungen quasi einen Ablauf der Ausstellung zusammenstellen und konkret planen», so die künstlerische Leiterin. Der Künstler hatte die Idee, einen Teil seiner Werke in vielen verschiedenen Vitrinen auszustellen. Also galt es in den vergangenen Wochen auch, diese Vitrinen zu organisieren. «Ein Haus von unserer Grösse ist immer auf den Goodwill anderer Häuser angewiesen. Es würde unser Budget sprengen, wenn wir die Vitrinen neu herstellen lassen würden. Also fragten wir bei anderen Museen und Institutionen an, ob sie uns einige ausleihen könnten. Und wir hatten Glück: Alle benötigten Vitrinen wurden uns zugesichert.»

«Auch können wir die Besucherinnen und Besucher ja nicht in den Büchern blättern lassen. Also werden wir jeweils eine Seite in einer Vitrine ausstellen und bieten den Besuchern die Möglichkeit, sich eine Audio- oder Videoaufnahme anzuhören oder anzusehen, auf welcher der Künstler aus seinem Buch vorliest oder darin blättert. Diese müssen wir aber auch erst noch realisieren.»

Fruchtbare Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit dem 1949 in Niedergösgen geborenen Künstler sei sehr fruchtbar. «Es ist sehr erfüllend und bereichernd, das künstlerische Schaffen von Rolf Winnewisser auch durch die vielen Gespräche mit ihm immer besser kennen zu lernen und sich dann gemeinsam Ausstellungsformen auszudenken, wie wir dieses reiche Werk dem Publikum möglichst einfach und umfassend näher bringen können», so Eva Inversini. Der Künstler wirke bei der Realisierung der Ausstellung aktiv mit. «Rolf Winnewisser war schon immer stark mit Grenchen verbunden und hat an diversen Triennalen und später an der ‹Impression›, unserer Ausstellung für Druckgrafik, teilgenommen.»

Für die Begleit-Publikation zur Ausstellung werden rund hundert Werke Winnewissers nach Grenchen gebracht und von einer professionellen Fotografin aufgenommen. Dazu kommen Texte von Autoren, die sich schon lange mit Winnewissers Werk auseinandersetzen sowie Texte von Winnewisser selbst. Einige seiner Werke werden noch gerahmt, die Ausstellung Ende September zusammen mit dem Künstler gestellt, sobald die Laufende abgebaut ist. «Unsere technischen Mitarbeiter, Jürg Ottiger und Marco Eberle, werden dann die Werke aufhängen und montieren. Sie sind auch für den Transport zuständig. Beide sind selber Künstler und seit Jahren in diversen Kunstbetrieben als Museumstechniker tätig. Zwei wahre Multitalente!»

Daneben gibt es für die künstlerische Leiterin und ihre Assistentin noch weitere, laufende Aufgaben: «Wir sind auch damit beschäftigt, unsere Website zu überarbeiten, stellen die Inhalte zusammen, sichten andere Websites und halten fest, was uns gefällt.», sagt Eva Inversini. Die Organisation der Jahresversammlung der Leiterinnen und Leiter der Graphischen Sammlungen der Schweiz, die am 26. August im Kunsthaus stattfindet, stehe auch noch auf der Pendenzenliste.

Von Sommerflaute kann im Kunsthaus also keine Rede sein. Und doch: Auch Eva Inversini will sich noch eine Woche Ferien gönnen – das Kunsthaus allerdings bleibt geöffnet.