Seit Montag geht es zackig zu und her im Ferienheim der Stadt Grenchen. Im ländlichen Prägelz mit Blick auf den Bielersee und die St. Petersinsel organisieren die Grenchner Schulen dreimal im Jahr ein Ferienlager. 36 Kinder aus der 3. bis 6. Klasse erleben diese Woche fern von Zuhause das Frühlingslager.

Die Mädchen hören Musik, tanzen durch die Zimmer und greifen hie und da zu Lippenstift und Wimperntusche. Die Aufregung ist gross, als sie erfahren, dass ein Fotograf vorbeikommt. Während die übermütigen Buben durch die Gänge rennen, lauthals Pingpong spielen und wenig Interesse am Fotografen zeigen, posieren zwölf Mädchen mit einem netten Lächeln oder einem Schmollmund für ein Foto.

An den Türen der Mädchen machen es die Models vor: Ein Bild von Melanie Winiger hängt an der Türe der «Party-Girls», wie sich die vier Zimmergenossinnen nennen. Auf den Tablaren über den Betten sind unzählige Nagellacke, Lippenstifte, Haarbürsten und Wimperntuschen aufgereiht.

Pinke Reiseköffer liegen unter den Betten. Ein Mädchen hat sein «Hello Kitty-Kissen» und seine Teddysammlung dabei. «Aber eine gute Ordnung halten sie», sagt die Lagerleiterin Maya Karlen, «sowohl die Jungs als auch die Mädchen.»

Ein Stock tiefer des dreistöckigen Lagerhauses befinden sich die Zimmer der Jungen. An deren Türen hängen Plakate mit Namen wie «VIP», «Babas» oder «die schlimmsten Kerle». Doch auch im Zimmer «der schlimmsten Kerle» sieht es blitzblank aus.

Struktur und Tischmanieren

Im Lager wird grossen Wert auf richtige Tischmanieren gelegt: «Es wird aufeinander gewartet bevor mit Essen begonnen wird und ein guter Appetit gewünscht.» erklärt Karlen. Dazu sitzt an jedem der vier Tische eine Aufsichtsperson. Zusätzlich mussten die Kinder am Montag ihre Handys abgeben. 28 Geräte hat die Leiterin bei 36 Kindern entgegengenommen.

«Die Handys kriegen sie nur für eine Stunde pro Tag.» Damit werde den Kindern Struktur und Ordnung geboten. Auch die obligatorischen Ämtli tragen ihren Teil dazu bei: «Vor und nach jeder Mahlzeit ist je ein anderes Zimmer verantwortlich für Tisch decken und abräumen sowie Boden wischen.»

Durch den Tag hindurch beteiligen sich die Jungen und Mädchen am täglichen Programm. Ein bisschen Erzieher spielen die Leiterinnen des Lagers auf jeden Fall: «Es gibt Kinder, die kennen keine Essenssitten und essen mit den Händen wie Säuglinge», erklärt Karlen. Hierfür sei das Lager die ideale Gegebenheit, dem Kind Sitten und Struktur beizubringen.

Die Wichtigkeit des Lagers zeigte sich der Leiterin besonders an einem Beispiel vor vier Jahren, als kein Lager stattgefunden hatte: «Ein berufstätiger Vater fragte mich, ob er sein Kind bei mir zu Hause lassen könne». Viele Eltern hätten während der Schulferien nicht die Möglichkeit, auf ihre Kindern aufzupassen.

Mit einem Wunsch in die Nacht

Smileys und Witze zieren die Wände der Bastelräume und des Speisesaals – ganz nach dem Lagermotto «Lachen». Während der fünf Tage ist es das Ziel, dass viel gelacht und gespasst wird. Obwohl das Wetter etwas trist daher kommt und Vorhaben wie «Fussballspielen» vereitelt, soll das Lager spassig sein.

«Deshalb müssen die Kinder auch nicht wandern gehen», sagt die Leiterin Karlen. Anstatt wandern heisst es: Thai Boxen mit einem professionellen Kampfsportler, Bemalen von T-Shirts und Basteln von originellen Ansteckern für sich selbst und das 100-Jahr-Jubiläum der Ferienkolonie, welches im Oktober gefeiert wird. Ein Kinoabend mit dem Kinderfilm «Sams» und ein Abend am Lagerfeuer runden die erlebnisreichen Tage ab.

Jeden Abend liest Maya Karlen einige kuriose Geschichten aus einem Buch von Franz Hohler vor. Danach darf jedes Kind einen Wunsch für die Nacht äussern: «Ich will, dass meine Hose morgen wieder sauber ist», so der originelle Wunsch eines Jungen. «Ich möchte, dass es morgen schön Wetter ist», wünschen sich die meisten Kinder.

Am Donnerstagabend tragen die Kinder ihre ausgedachten Sketche vor, dann findet die Disco statt. Bereits im Vorfeld konnten die Kinder Lieder auswählen. Künstler wie Rihanna, Bushido und Justin Bieber haben die Ehre – und für die Kids gehts für einmal erst um 23 Uhr ins Bett.