Mit Herzblut und Engagement hat Yolanda Christen ihren Kiosk an der Centralstrasse geführt. Ein kleines soziales Zentrum ist entstanden. Ende Juli ist Schluss. Neue Ufer warten auf Christen.

Seit mehr als 27 Jahren ist sie Frühaufsteherin. Bereits um drei Uhr in der Früh steht Yolanda Christen auf, um rechtzeitig ihren Kiosk für die Kundschaft vorzubereiten. Um halb fünf ist der Rollladen oben, die ersten Kunden warten schon. «Guten Morgen – schlaf gut», tönt es fröhlich. Die einen starten in den neuen Tag, die andern haben ihre Arbeit beendet und Feierabend. 

Beim Kiosk Cityhof an der Centralstrasse ist all die Jahre eine Begegnungszone der besonderen Art entstanden. Männer und Frauen stehen zusammen, besorgen sich Notwendiges vom Kiosk, geben Lottoscheine ab oder Rubbel-Lose, sprechen über Neuigkeiten und verweilen oft lange unter dem regengeschützten Unterstand vor dem Kiosk.

Es seien vor allem persönliche Gründe und besondere Umstände, die Yolanda Christen veranlassen, ihren Kiosk auf Ende Juli dichtzumachen. «Viel habe ich erlebt», sinniert sie und lacht. Sie spricht von einer schönen Zeit. «Meine Kundschaft setzt sich aus allen sozialen Schichten zusammen», berichtet sie. Oft wurde gelacht, manchmal gar geweint. «Vielleicht werde ich erst später realisieren, was ich gehabt habe und nun mit der Schliessung verliere», sagt Christen nachdenklich.

Nachfolge noch unklar

Die stets aufgestellte Kiosk-Inhaberin ist in Thörigen aufgewachsen, nach einem Welschlandaufenthalt bildete sie sich an einer Handelsschule weiter und arbeitete danach als Service-Fachfrau. Mit 27 Jahren ist Christen nach Grenchen gekommen, hat den Kiosk eröffnet und nach mehr als 27 Jahren zieht sich nun zurück. Sie lässt sich nicht in die Karten blicken, welche Ziele sie in den kommenden 27 Jahren erreichen will. Der Kiosk ist Treffpunkt, Drehscheibe von Informationen und ein gutes Stück Grenchen. Ob er weitergeführt wird, ist zurzeit nicht bekannt. «Meine Kundschaft war stets hilfsbereit, manche machten für mich Botengänge und manche besorgten das Essen für mich», erzählt Christen.

Es ist ihr ein Anliegen, ihrer treuen Kundschaft von Herzen zu danken. Einbrüche und ein bewaffneter Raubüberfall haben zwar bei ihr schon auch Spuren hinterlassen. Die positiven Erlebnisse bleiben aber im Vordergrund. Bis Ende Juli stehen die Dienstleistungen der Kiosk-Betreiberin, reduziert zwar, zur Verfügung. Für die Kundschaft und das Quartier hat Yolanda Christen gelebt, es wird eine riesige Lücke entstehen.

«Marktstand geht weiter»

Auch der «Italienerladen» von Antonio und Lucia Siragusa macht heute Samstag seine Pforten dicht. Damit geht eine über 30-jährige Tradition an der Centralstrasse zu Ende. Das Geschäft der Sizilianer brachte mit seinem Angebot genuine Italianità nach Grenchen, war aber auch bekannt für seine frischen, selbst gemachten Sandwiches, welche in der Mittagspause der Industrie eine beliebte Verpflegung abgaben.

Siragusa (64) gibt an, aus Altersgründen aufzuhören und betont gleichzeitig, dass der Stand am Freitagsmarkt mit dem bisherigen Angebot an italienischen Spezialitäten von seiner Frau weitergeführt wird. Die Regale an der Centralstrasse, wo jetzt nur noch ein Thai Shop Lebensmittel anbietet, haben sich in den letzten Tagen geleert. Dabei konnte man das eine oder andere Schnäppchen an vergünstigten Produkten ergattern.

Nachdem vor zwei Jahren der Cityhof-Gebäudekomplex nach Zürich verkauft wurde, macht die Liegenschaft einen zunehmend verwahrlosten Eindruck (wir berichteten). Eine letztes Jahr eröffnete Bar ist nur sporadisch geöffnet. Während auf dem Dach der Nordseite nach einer Fassadenrenovation noch immer ausgetrocknete Farbkübel und Abfall herumstehen, ist inzwischen die Südseite eingerüstet.