Sonderpädagogisches Zentrum
Im «Bachtelen» wurde ein Märchen wahr

Das Programm «Vision 2011» wurde umgesetzt – früher und besser als erwartet. Für das Sonderpädagogische Zentrum für Verhalten und Sprache ist im Rahmen des 10-Punkte-Programms sogar ein Märchen wahr geworden, wie Karl Diethelm voller Dank sagt.

Daniela Deck
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Gesamtleiter Karl Diethelm vor dem jüngsten Gebäude des Sonderpädagogischen Zentrums.

Gesamtleiter Karl Diethelm vor dem jüngsten Gebäude des Sonderpädagogischen Zentrums.

Solothurner Zeitung

Das Jahr ist erst knapp zwei Monate alt, und das «Bachtelen» hat seine «Vision 2011» umgesetzt.

Viele Visionen finden nach ihrer grandiosen Verkündigung ein unrühmliches Ende in einer Schublade. Oder, wie Karl Diethelm es umschreibt: «Die Gefahr besteht, dass man immer 87 Visionen auf einmal offen hat.» Nicht so im «Bachtelen». Formuliert wurden die zehn Ziele im Jahr 2006. Letzten November fand die Evaluation statt. «Es war eine tolle Erfahrung», kommentiert der Gesamtleiter die fünf Jahre Zusatzarbeit neben dem anspruchsvollen Alltag. «Per 1.1.2011 waren wir in vielen Bereichen weiter als gedacht, und alle zehn Punkte (siehe Text unten) wurden verwirklicht.» Möglich gemacht habe diese Leistung die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Teams und allgemein die «positive Aufbruchstimmung».

Ein massgeschneidertes Time-out

Dass im Rahmen der Vision sogar «ein Märchen Wirklichkeit wird», hat aber auch Karl Diethelm überrascht. Die Rede ist vom Time-out-Angebot. «Auch wir erleben es gelegentlich, dass Kinder nicht mehr tragbar sind», spricht er eine schmerzliche Realität an. Die einzige Rettung vor dem Ausschluss eines solchen Kindes ist eine zeitlich begrenzte Versetzung in eine fremde, ländliche Umgebung. Seit dem letzten Frühling verfügt das «Bachtelen» über einen massgeschneiderten Time-out-Platz in einem Haus für Lager und Seminare im Jura. «Wir konnten sogar jemanden einstellen, der dort für uns tätig ist. Neben dem Time-out nutzen wir das Haus auch für die Berufsintegration», so Diethelm. Mehrere Kinder und Jugendliche hätten dort letztes Jahr schon ihre Hörner abgestossen.

Möglich gemacht hat das Wunder der Burgdorfer Unternehmer Bernhard Schoch. Nach dem Verkauf seiner Farbstoffe-Firma lernte er durch eine Lesung des «Bachtelen»-Abgängers Roland Begert die Grenchner Institution kennen. Er gründete zu ihren Gunsten eine Stiftung und arbeitet nach Aussage von Karl Diethelm eng mit dem «Bachtelen» zusammen.

Wissenschaftliche Studie

Vor wenigen Tagen ist die Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zu den Zukunftsperspektiven der «Bachtelen»-Abgänger beim Gesamtleiter eingetroffen. Viel kann er dazu noch nicht sagen. Doch a prima vista fällt die Bilanz positiv aus: «Unsere Abgänger meistern das Leben offenbar nicht schlechter als die übrige Bevölkerung», freut er sich.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter, Matthias Meje, der seine Diplomarbeit zum «Bachtelen» verfasst hat, widmet nun auch seine Doktorarbeit diesem Thema. In rund drei Jahren dürfte das Werk vorliegen.

Traditionell ist das «Bachtelen» im Schulalter stark. Die Fusion mit dem Heilpädagogischen Dienst Solothurn, der Aufbau der dortigen Tagessonderschule und die Einrichtung der Eingangsstufe für 5- bis 8-Jährige in Grenchen und Solothurn haben die Lücken im Vorschulalter geschlossen. Das Foyer Jeunes Femmes, das 2009 gegründet wurde, ergänzt das etablierte Angebot für männliche Lehrlinge (Hermitage). Zusammen decken sie das Nachschulalter ab.

Entwicklungspotenzial sieht Karl Diethelm bei der Fortbildung der Regelschullehrkräfte durch Mitarbeitende des «Bachtelen». Letztes Jahr habe der hauseigene psychologische Dienst erstmals den Nachdiplomstudienlehrgang angeboten. Während zweier Jahre vertiefen nun hauptsächlich Schulpsychologen berufsbegleitend ihre Kenntnisse zum Asperger-Syndrom.

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