Grenchen
Ihr Zuhause ist die Kultur – die Kulturpreisträgerin im Portrait

Anna Messerli ist die Kulturpreisträgerin 2017 der Stadt Grenchen. Wir stellen Ihnen die engagierte Grenchnerin vor.

Andreas Toggweiler
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Die 71-jährige Anna Messerli wird mit dem Kulturpreis 2017 der Stadt Grenchen ausgezeichnet. Von 2001-2008 leitete sie das Amt für Kultur.

Die 71-jährige Anna Messerli wird mit dem Kulturpreis 2017 der Stadt Grenchen ausgezeichnet. Von 2001-2008 leitete sie das Amt für Kultur.

Oliver Menge

Anna Messerli kann am 12. Januar 2017 den Kulturpreis der Stadt Grenchen entgegennehmen. Die Auszeichnung erfolgt für ein jahrzehntelanges Engagement für kulturelle Belange in der Stadt, einerseits in einem Angestelltenverhältnis als Geschäftsführerin der Triennale und als Leiterin des Amtes für Kultur von 2001-2008, anderseits für ihr unermüdliches freiwilliges Engagement in verschiedenen Institutionen. Dieses dauert bis heute an.

In Europa umhergezogen

Dabei hätte die heute 71-Jährige allen Grund, etwas kürzer zu treten. Doch sie und ihr Mann Peter sind vor einem Jahr wieder nach Grenchen zurückgekehrt, nach mehreren Monaten Aufenthalt in verschiedenen europäischen Städten: Sechs Wochen Genua zum italienisch lernen, ein Monat Berlin, ein Monat Barcelona, vier Monate Bern und ein Monat Zürich, lautete das Programm.

Nach dem Verkauf des Wohnhauses in Bettlach wurden die Möbel eingestellt und auf Reisemodus umgeschaltet. Das Logis waren jeweils möblierte Wohnungen, wie Messerli berichtet.

Jahrzehntelange Beschäftigung mit Kultur zu Hause in Grenchen weckte die Lust auf mehr. Doch am Ende beschloss man doch, in Grenchen Wohnsitz zu nehmen, dort wo beide verwurzelt sind. Anna Messerli ist in Grenchen aufgewachsen, in einem zweisprachigen Haushalt.

Der Vater arbeitete in der Uhrenindustrie. «Zuhause bei uns wurde französisch gesprochen», erklärt sie. Schon das sorgte mal für einen erweiterten Horizont.
Nach der Handelsschule in Solothurn, wo Anna Messerli ihren Mann kennenlernte und jung heiratete, kam zuerst einmal eine frühe Familienpause mit zwei Söhnen.

1989, so erinnert sich Messerli, habe sie Rainer W. Walter dann angefragt, ob sie nicht das Sekretariat der Kulturkommission und der Grenchner Grafik-Triennale übernehmen wolle. Sie sagte ja und hat das nicht bereut. «Mein Arbeitspensum richtete sich damals nach dem Triennale-Kalender: in Triennale Jahren 100 Prozent, in den Zwischenjahren 30 bzw. 50 Prozent».

Künstler beherbergt

Damals habe die Grafikausstellung nicht nur bezüglich zeitlicher Ausdehnung eine grössere Bedeutung gehabt. «Wir haben nicht mit Verlegern zusammengearbeitet wie heute, sondern direkt mit den Künstlern.»

Dies habe zahlreiche gute Kontakte zu einer internationalen Künstlerschar ermöglicht, besonders auch zu Kunstschaffenden, die in Grenchen während der Triennale in Privathaushalten Kost und Logis bekamen, so auch bei Messerlis.

Ab 1998 war Messerli dann auch für die Stadt Grenchen selber für kulturelle Belange tätig und wurde 2000 zur Leiterin des Amtes für Kultur ernannt. An diese Zeit als Dreierteam (mit Margrit Jaggi und Salome Moser) hat sie gute Erinnerungen. «Wir waren ein tolles Team und unsere Arbeit wurde geschätzt.»

Das Amt für Kultur war damals zusammen mit der Bibliothek im Schulhaus I untergebracht. Mit vergleichsweise wenig zu Verfügung stehenden Mitteln habe man das Optimum herausholen können. Sowohl die Politik als auch die Bevölkerung hätten sich stets gegenüber den Anliegen der Kultur offen gezeigt - «auch Leute, die politisch gar nicht auf meiner Linie waren.»

Viel ehrenamtliches Engagement

Dazu kam viel ehrenamtliches Engagement. Messerli präsidierte für mehrere Jahre die Literarische Gesellschaft Grenchen, engagierte sich zusammen mit Samuel Wendel, Monica Aeschbacher und Peter Messerli für die Bespielung des leerstehenden «Löwen», war Mitbegründerin von Granges Mélanges und der Kulturnacht Grenchen. Sie machte Stadtführungen, arbeitete für die Chürbisnacht und unterstützte auch Kulturprojekte ausserhalb Grenchens.

Zurzeit ist sie Mitglied im Patronatskomitee «Neue Stadtgeschichte», in der Mazzini-Stiftung, hilft in der Brocki mit und führt ad interim das Präsidium der «Freunde Sommeroper Selzach», dem wichtigsten Sponsor der Aufführungen im Passionsspielhaus. Und last but not least hat sich auch noch beim erfolgreichen Bachtelen-Jubiläum mitgearbeitet.

Anna Messerlis grosses Engagement ist in Grenchen und auch auf kantonaler Ebene bereits honoriert worden mit dem kantonalen Preis für Kulturvermittlung 2003 und dem Chappeli Tüfel 2007 in Grenchen. Der Kulturpreis der Stadt Grenchen ist jetzt noch das Sahnehäubchen.

Traditionelles hat Mühe

Dass die traditionell organisierte Kultur im Moment in Grenchen (und anderswo) etwas Mühe hat, ist ihr dabei nicht entgangen. Die literarische Gesellschaft ist heute faktisch tot, das Stadtorchester kämpft um den seinen Fortbestand und auch die Bühne im Parktheater hat bisweilen Mühe, ein breites Publikum zu mobilisieren.

Was rät da die Frau, der die Stadt in kulturellen Belangen ein so grosses Vertrauen entgegenbringt? «Die Veranstaltungen müssen so ausgestaltet werden, dass mehr als nur ein Kernpublikum angesprochen wird.

Schon zu Zeiten der Literarischen Gesellschaft haben wir nicht einfach Lesungen organisiert, sondern auch Podiumsdiskussionen z. B. mit grossen Namen wie Niklaus Meienberg.» Es brauche Ideen, welche über den Durchschnitt herausragen, welche ungewohnt, überraschend, vielleicht auch etwas provokativ seien. «Dann kann man auch in Grenchen sowohl Publikum als auch Sponsoren generieren», glaubt sie.

Eine «Leseratte» geblieben

Dass dabei auch der Name Anna Messerli ein Garant war, dass man einer Sache oder einem Projekt Vertrauen und Wohlwollen entgegenbringen konnte, erwähnt sie selber nicht. «Meine Vernetzung und Erfahrung haben sicher auch da und dort als Türöffner gewirkt», anerkennt sie aber bescheiden.

In der Kultur ist sie inzwischen in fast allen Sparten zuhause. Ein Steckenpferd sei aber (nebst dem «obligatorischen» Besuch der Solothurner Filmtage) die Literatur geblieben, erklärt sie auf die entsprechende Frage.

In der neuen Wohnung an der Dammstrasse hat ihr Lesestuhl einen prominenten Platz mit viel Tageslicht bekommen. Auf dem Tischchen daneben das neue Buch von Birgit Vanderbeke. Aus Platzgründen kaufe sie zwar nicht mehr so viele Bücher, sei aber eine gute Bibliothekskundin, verrät sie.