Einkaufen in Grenchen
Ihr Laden ist der einzige mit Dessous, Wäsche und Miederwaren in Grenchen

Gisella Toffanin verkauft in ihrem Geschäft Silhouette am Marktplatz seit 10 Jahren Dessous, Wäsche und Mieder.

Oliver Menge
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Gisella Toffanin hat die männliche Schaufensterpuppe auch schon zur Abschreckung von möglichen Ladendieben in den Eingang der Boutique Silhouette gestellt.

Gisella Toffanin hat die männliche Schaufensterpuppe auch schon zur Abschreckung von möglichen Ladendieben in den Eingang der Boutique Silhouette gestellt.

Oliver Menge

Dass ausgerechnet ein männlicher Journalist einen Artikel über den Laden schreiben soll, der als einziges Geschäft in Grenchen – abgesehen von den Grossverteilern – Dessous für Damen, Höschen und BHs in allen Formen, Farben und Grössen anbietet, brachte in erster Linie die Berufskolleginnen auf der Redaktion zum Schmunzeln. Aber der Journalist staunte nicht schlecht, als er bei seinem Besuch im «Silhouette» auch edle Pyjamas und Unterwäsche für Männer vorfand. «Ich führe auch Kinder-Pyjamas im Sortiment, Frottee-Hausdresses, Bademäntel und Morgenmäntel aus Nicki-Plüsch, wie man Samt einst zu nennen pflegte», sagt die 46-jährige Inhaberin Gisella Toffanin. «Aber das Hauptaugenmerk liegt schon bei der Frau».

Im Januar dieses Jahr feierte sie ihr 10-Jahr-Jubiläum, Gisella Toffanin hatte das Geschäft am Marktplatz zwischen Denner und «Station» 2007 von ihrer Vorgängerin Irma Löffel übernommen, die «Silhouette» 1994 eröffnet hatte. Eine Mitarbeiterin ist teilzeitangestellt, eine weitere Aushilfe ist in Aussicht.

Ein umfangreiches Angebot

Wie gesagt, «Silhouette» ist das einzige Geschäft in Grenchen mit Dessous, Wäsche und Miederwaren, wie es im Fachjargon heisst. Auf nur gerade 80 Quadratmetern Fläche findet man auch Badekleider, Unterhemden, Strumpfhosen, Schlüpfer, Strapse, Shaper – für den Laien: das sind beispielsweise Unterhosen aus elastischem, aber festem Stoff, die die Figur um die Hüfte um ein bis zwei Grössen schrumpfen lassen – BHs mit oder ohne Bügel, Körbchen und so weiter. Gisella Toffanin führt die Marken Calida, Chantelle, Mey, Marie Jo – von ihr seien die bekannten Blümchen-BHs, wie sie erklärt – und weitere, exklusive Marken. Aber auch Spezielles findet sich: So bietet «Silhouette» Brustprothesen an für Frauen, denen wegen Krebs eine Brust entfernt werden musste. Hier brauche es eine ganz spezielle Beratung, sie habe dafür auch eine entsprechende Weiterbildung absolviert, erklärt Gisella Toffanin.

Gelernt ist gelernt

Ihre Ausbildung hat sie in Solothurn in der Boutique Golden-Trend absolviert. Danach arbeitete sie bei Anny Schneider, die in Grenchen und Solothurn Läden für Kleider und Mercerie führte. Dort habe sie das gelernt, worauf es noch heute ankomme. Beispielsweise, dass man die ältere Generation nicht vergessen dürfe. Dass man hilfsbereit sein müsse, auch mal den Kundinnen Ware nach Hause oder ins Altersheim bringen. Das tue sie noch heute. «Was man einmal gelernt hat, verlernt man nie», so ihr Wahlspruch. Auch beim Angebot nehme sie Rücksicht auf die Tatsache, dass auch ältere Damen zu ihrer Stammkundschaft gehörten. Allerdings: «Im Gegensatz zu früher, wo ab einem gewissen Alter die Frauen nur weisse oder ‹fleischfarbene›, also hautfarbene Unterwäsche trugen, stehen viele jetzt wie die jüngeren Kundinnen auf moderne Farben und Formen. Das bedeutet, ich muss als Fachgeschäft jeden Trend mitmachen, mit der Mode gehen und mein Angebot laufend auch den Kundenbedürfnissen anpassen.» Und selbstverständlich ist das Althergebrachte immer noch im Angebot, oder Gisella Toffanin bestellt die gewünschten Stücke.

Wie andere Boutiquen und Kleidergeschäfte auch kauft sie die ganze Ware ein. Kommissionsware gibt es bei «Silhouette» nicht. «Das bedeutet, dass ich ständig neue Kollektionen im Angebot führe, und was ich nicht verkaufen kann, das wird runtergeschrieben oder im Ausverkauf angeboten.»

Im Trend mit guter Beratung

Das Geschäft laufe gut, sagt die Inhaberin. Beklagen könne sie sich nicht. Aber man müsse auch dranbleiben: «In meinem Laden findet man stets die neuste Mode. Eine gute Beratung ist eminent wichtig. Und auf die Frauen und ihre Wünsche eingehen.» Vor allem die Pflege der Stammkundinnen sei wichtig, und sie schätze sich glücklich, habe sie viele gute Stammkundinnen. «Da lohnt es sich, mal anzurufen, wenn ich gerade etwas Neues, Passendes reinbekomme. Oder einer Kundin, die aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr in den Laden kommen kann, ein paar Wäschestücke nach Hause bringe, damit sie sie in Ruhe anschauen kann.» Nicht nur Grenchnerinnen kauften im «Silhouette» ein, sie registriere auch viele Frauen aus Solothurn und Biel, die den Weg zu ihr fänden. «Oft sind es Frauen, die in anderen Geschäften beispielsweise ihre Grösse nicht gefunden haben.»

Konkurrenz ist das Ausland

Gefragt, ob für sie das Internet ein ernstzunehmender Konkurrent sei, verneint Gisella Toffanin: «Meine Kundinnen wollen eine Auswahl, Wäsche, die sie betrachten und vergleichen können. Und sie wollen eine gute, persönliche Beratung.» Das kriege man im Internet eben nicht.

Sie habe eher damit zu kämpfen, dass im Ausland die Dessous der Marken, die auch sie im Angebot habe, billiger seien. «Zwar sind die Preise bei meinen Lieferanten – mit einer Ausnahme – über die letzten Jahre stetig gesunken, und ich kann das meiner Kundschaft auch weitergeben. Aber ein BH von Marie Jo kostet jenseits der Grenze immer noch etwa fünf Euro weniger als bei mir.» Sie hoffe einfach, dass den Lieferanten der Schweizer Markt auch zukünftig wichtig bleibe.

Was braucht Grenchen?

Die Lage ihres Geschäfts am Marktplatz sei eigentlich ganz gut, so Gisella Toffanin. Nur wünsche sie sich, der Platz wäre etwas belebter. «Schon alleine der Weihnachtsbaum im Dezember bringt enorm viel.» Im Gegensatz zu anderen ist sie allerdings komplett dagegen, wieder Parkplätze auf dem Marktplatz einzurichten. «Parkplätze gibt es weiss Gott genug rings um den Marktplatz. Noch mehr brauchen wir nicht.» Und um das Einkaufserlebnis in Grenchen zu verbessern, hat Gisella Toffanin einfache Rezepte: «Man müsste sich wohlfühlen können, flanieren, sich gemütlich in eines von zahlreichen Cafés setzen und es einfach geniessen können. Das Zentrum dürfte mehr Ambiente haben, schöne Brunnen, Glacestände. Es braucht auch mehr Läden, mehr Auswahl. Andere Kleiderläden würden frischen Wind und ein breiteres Angebot bringen.» Ausserdem fehlten zum Beispiel Schuhläden, nachdem Fricker auf der anderen Seite des Marktplatzes vor mehr als einem Jahr aufgehört habe. Angst davor, eine direkte Konkurrenz zu erhalten, hat Gisella Toffanin nicht. «Die Marken, die ich führe, habe ich exklusiv in Grenchen. Ein anderes Geschäft würde gar nicht erst damit beliefert.»