Neues Konzept
Grenchen professionalisiert die Spielplatzbetreuung – «mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis»

Professionelle Betreuung ist gewünscht: Der Gemeinderat Grenchen spricht einen neuen jährlichen Kredit von 48'000 Fr. für betreute Quartierspielplätze.

Andreas Toggweiler
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Der neue städtische Spielplatz an der Lindenstrasse.

Der neue städtische Spielplatz an der Lindenstrasse.

Oliver Menge

«Mit dieser Vereinbarung erhält die Stadt Grenchen das gewünschte Spielplatzkonzept, welches im Vergleich zu Solothurn und Olten das beste Preis/Leistungsverhältnis bietet und das als einzige Stadt mit dem Unicef-Label im Kanton Solothurn», heisst es in der Vorlage, die am Dienstag vom Gemeinderat behandelt wurde. Mit dem einstimmigen Ja des Gemeinderates am Abend wurde jetzt auch ein Dossier abgeschlossen, das einige Zeit pendent war und eng verknüpft ist mit dem neuen Spielplatz an der Lindenstrasse.

Dieser wurde nach langer Standortsuche letzten Sommer als Ersatz für den aufgehobenen Robinson-Spielplatz errichtet, mit verschiedenen Spielgeräten, Picknickplatz, Feuerstelle und Container für Indoor-Aktivitäten.

Das Wort Zangengeburt war zu hören

Die Stadt benützte die Gelegenheit auch dafür, ihr Verhältnis zum Verein Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen (ISG) neu zu regeln. Diese betreut mit Freiwilligen an gewissen Tagen saisonal die Spielplatzanlagen der Stadt.

Bis diese Vereinbarung zustande kam, dauerte es ebenfalls seine Zeit. So war denn im Gemeinderat auch das Wort «Zangengeburt» zu hören, dem nicht widersprochen wurde. Vanessa Meury, Präsidentin der Jugendkommission, stellte die Eckpunkte der Leistungsvereinbarung vor:

  • Betreute Abenteuer- und Erlebnisspielplatz am mindestens 111 Nachmittagen des Jahres durch Fachpersonal
  • Organisation von Ferienaktivitäten sowie ferienpassangebote an mindestens 25 Nachmittagen,
  • drei interkulturelle Spielnachmittage, an denen Sprachbarrieren abgebaut werden sollen
  • Mindestens sechs Spielnachmittage an  Anlässen in der Stadt wie MIA, Coop Andiamo etc.
  • Spielnachmittage auf den Spielplätzen Röti, Lingeriz, Schmelzi und Lerchenweg, sofern Spielplatzbetreuung vorhanden.

Für die Entschädigung dieser Aktivitäten wird die Stadt künftig jährliche Beiträge in der Höhe von 48'000 Fr. ins Budget aufnehmen. Die ISG soll ein jährliches Controlling der Aktivitäten abliefern.

Kritik an einer »Akademisierung»

Dass die Stadt diese Aktivitäten anbietet, bzw. unterstützt, war im Rat unbestritten. Kinder würden durch die Digitalisierung einseitig gefördert, meinte etwa Nicole Hirt (GLP) - «dafür können sie nicht mehr mit einer Schere umgehen und bewegen sich nicht mehr in der Natur.»

Widerstand erwuchs der Vorlage lediglich in einem Punkt: Sowohl Nicole Hirt als auch SVP-Sprecherin Nicole Arnold kritisierten eine «Akademisierung» der Spielplatzbetreuung, indem für die Leitung des Teams eine Person mit abgeschlossener Fachausbildung (Diplom Jugendarbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik oder gleichwertige Ausbildung) nötig ist. Lebenserfahrung sei gleich hoch einzustufen, meinten sie. Arnold: «Die Stadt stellt schon die ganze Infrastruktur zur Verfügung, da sollten sich doch genug Freiwillige finden, welche diese Plätze betreuen.» Die SVP stellte den Antrag, diese Anforderungen zu streichen.

«Wenn man einen Ferrari anschafft - und das sind unsere Spielplätze - stellt man auch nicht einen Trottinettfahrer als Chauffeur an»

So hielt Daniel Hafner (SP) entgegen. «Bei der Betreuung der Kinder in der Kita, setzen wir auch auf Profis», ergänzte Angela Kummer (SP). Als weitere Helferinnen seien zudem Freiwillige vorgesehen, die man auch zuerst finden müsse.

Würde Unicef so weiter zahlen?

Stadtpräsident François Scheidegger gab zu bedenken, dass künftige Unicef-Beiträge vom Grad der Professionalisierung abhängen könnten. Auch Matthias Meier-Moreno (Fraktionschef die Mitte) fand ein 30-Prozent Pensum für die Spielplätze nicht übertrieben. Der SVP-Antrag wurde in der Folge mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt.

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