Grenchen
«Ich war am Boden zerstört» - «Rodania»-Wanderer muss wegen Verletzung aufgeben

Den Grenchner Steven Gulyas, der für die Rodania nach Santiago laufen wollte, plagt Verletzungspech. So musste er sein Vorhaben bereits nach 10 Tagen wegen einer Entzündung des Knorpels und Kreuzbandes im Knie aufgeben.

Patric Schild
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Steven Gulyas bevor er zu seinem ehrgeizigen Vorhabena uâufgebrochen ist.

Steven Gulyas bevor er zu seinem ehrgeizigen Vorhabena uâufgebrochen ist.

«Ich hätte nie gedacht, dass so eine kleine Sache alles kaputtmachen kann», erklärt Steven Gulyas sichtlich betrübt. Der Grenchner startete am 30. März von Rorschach SG, um den berühmten Jakobsweg entlang nach Santiago de Compostela zu gehen. Ziel des Unterfangens war es, Spenden für die Stiftung Rodania zu sammeln. Doch bereits nach 10 Tagen musste Gulyas wegen einer Entzündung des Knorpels und Kreuzbandes im Knie sein ehrgeiziges Projekt aufgeben.

Dabei hatte alles wunderbar begonnen. Zusammen mit 10 Begleitpersonen absolvierte Gulyas die erste Etappe von Rorschach nach St. Gallen. Von dort ging die Reise zu zweit weiter. Gemeinsam mit dem aus Bayern stammenden Seba Schwarzbart machte sich Gulyas auf in Richtung Innerschweiz. Bis nach Rapperswil gelangten die beiden Pilgergefährten, dann trennten sich ihre Wege. «Seba musste aufgrund eines Sonnenstichs eine Ruhepause einlegen, dies konnte ich mir wegen des Zeitdrucks nicht leisten», sagt der Barkeeper. Denn am 10. April wurde der 29-Jährige in Grenchen am Event-Tag der Rodania erwartet, um sein Projekt vorzustellen.

Im Nachhinein betrachtet seien die Termine zu nahe beieinander gewesen, meint der Grenchner. Denn dadurch sei ihm keine Zeit geblieben, um sich mal auszuruhen und zu schonen. Bereits kurz nach dem Start von Rapperswil in Richtung Kloster Einsiedeln haben die Knieschmerzen angefangen. «Da habe ich mir noch nichts dabei gedacht, denn irgendetwas tut dir immer weh, wenn du seit Tagen am Wandern bist», sagt Gulyas lachend. Doch zunehmend wurden die Schmerzen schlimmer. Besonders der Abstieg vom Grossen Mythen, dem Bergmassiv über dem Kantonshauptort Schwyz, wurde zur Tortur. «Die Schmerzen waren unerträglich, aber du weisst, du musst da runter, denn hier oben kannst du nicht einfach ein Taxi rufen, das dich abholen kommt», so der Grenchner.

Bereits in Biel war Schluss

In Schwyz wurde der 29-Jährige dann auch sogleich in die Notfallstation gebracht, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er sein Projekt vorerst aufgeben müsse. Von Schwyz aus reiste er zurück nach Grenchen, um sein Projekt doch noch vorzustellen und, nach einigen Ruhetagen, einen zweiten Versuch zu starten. Doch trotz Kniestütze, Salbe und Tabletten musste das Unterfangen ganz abgeblasen werden.

Bereits nach der Strecke von Grenchen nach Biel waren die Schmerzen wieder zu stark und die Gefahr auf eine Verschlimmerung zu gross, um weiterzumachen. «Ich war am Boden zerstört, denn für mich war ein Traum geplatzt», erklärt Gulyas. Zunächst fand er keine Erklärung für die Verletzung, denn der routinierte Bergwanderer hatte bis anhin nie mit Knieproblemen zu kämpfen.

Erst ein Besuch beim Physiotherapeuten brachte Aufschluss. Eine Fehlstellung des Beines war schuld, welche, aufgrund der tagelangen Wanderung, eine Reibung im Gelenk verursachte, die wiederum zur Entzündung im Knie geführt hatte.

«Habe aus Fehlern gelernt»

Sein Pilgergefährte Seba Schwarzbart ist inzwischen in Santiago de Compostela angekommen. Wenn er die Fotos sehe mit Schwarzbart an der Atlantikküste, dann werde er schon ein wenig wehmütig. «Aber Seba hat auch ein bisschen geschummelt, denn einen Teil des Weges legte er mit Zug und Bus zurück», sagt Gulyas mit einem Schmunzeln. Trotzdem lässt er sich nicht entmutigen. Zusammen mit seinem Physiotherapeuten päppelt sich der 29-Jährige wieder auf. Bereits nächsten Monat will er als Training das Matterhorn besteigen, damit kommenden Frühling die Pilgerreise von Schwyz aus wieder aufgenommen werden kann.

Und auch am Abbruch des Projekts selbst kann der Barkeeper etwas Positives abgewinnen. «Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und beim nächsten Mal wird alles nochmals einen Tick professioneller werden.»