Grenchen
«Ich strebe nach Neuem, sodass ich Neues entdecken und lernen kann»

Caspar Riedi wird am Donnerstag bei Kurt Aeschbacher auftreten. Der 84-Jährige blickt auf ein bewegtes Leben zurück, in dem ihm die Musik stets Halt gegeben hat. Er gilt als der älteste Alphornspieler der Schweiz.

Nadine Schmid
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Der 84-jährige Caspar Riedi hat trotz vieler Schicksalsschläge seine Lebensfreude nicht verloren.

Der 84-jährige Caspar Riedi hat trotz vieler Schicksalsschläge seine Lebensfreude nicht verloren.

Nadine Schmid

Caspar Riedi war sehr überrascht, als er plötzlich ein Telefon von «Aeschbi» erhielt. Riedi selbst ist nicht auf die Idee gekommen, sich bei der Sendung anzumelden, jedoch ein Freund von ihm: «Ich bin gespannt, warum Herr Aeschbacher mit mir sprechen will, ich weiss den Grund nämlich nicht», erklärt der pensionierte Kaufmann.

Ein ereignisreiches Leben

Riedi sagt, er sei ein «heruntergekommener» Bündner, seit 1965 wohnt er in Grenchen. Sein Leben war sehr ereignisreich und es verschlug ihn an vielerlei Orte. Dabei hatte er überhaupt Glück, dass er das Kleinkindalter überlebt hat: «Als Viereinhalbjähriger bin ich vom Heuwagen meines Grossvaters gefallen und zog mir eine schwere Kopfverletzung zu. Ich war 24 Tage lang bewusstlos», äussert sich Riedi.

Dieser Vorfall sollte 2006 wieder präsent werden, als er starkes Fieber bekam und es am Hinterkopf eiterte. Dabei gab es eine Überraschung: «Man hat mich auf der Notfallstation untersucht und festgestellt, dass ich einen fremden Knochen, wahrscheinlich den eines Hirsches oder Esels, im Kopf habe. Diesen hat mir Doktor Turdach eingepflanzt. Er war ein deutscher Arzt, der im 1. Weltkrieg an der Front im Einsatz stand und die Erfahrungen, die er dort sammelte, haben mir wohl das Leben gerettet», erklärt Riedi.

Quer durch die Schweiz

Trotz seiner Muttersprache Romanisch erlernte der Bündner in St. Gallen den Beruf als kaufmännischer Angestellter und zog 1945 zusammen mit der Familie nach Biel. Seine Laufbahn führte ihn an viele Orte: Er arbeitete für die Eisengiesserei von Moos Luzern, absolvierte die militärischen Schulen im Tessin und war unter anderem bei der Swissair angestellt. Auch war er Initiant in Grenchen und in vielen anderen Ortschaften von Wäscheselbstbedienungsanlagen: Damals hatte kaum ein Haushalt eine Waschmaschine. Ungefähr für zwei Franken konnte man dort eine Wäsche waschen. In Grenchen befand sich die Anlage an der Kirchstrasse.

Später arbeitete Riedi elf Jahre für die Certina und machte sich selbstständig mit der Gebietsübernahme der amerikanischen Firma Culligan, die sich mit Wasserenthärtung beschäftigte: «Ich war in meinem Leben an vielen Orten angestellt, da ich finde, dass es immer vorwärtsgehen soll: Ich strebe nach Neuem, sodass ich Neues entdecken und lernen kann. So wird mir nie langweilig» ̧ meint Riedi.

Er war zweimal verheiratet und hat 5 Kinder. Seine beiden Ehefrauen sind an Krebs gestorben. Auch verunfallte ein Sohn kurz vor der Rekrutenschule tödlich. Der Vierundachtzigjährige fühlt sich sehr verbunden zur Musik. Das sicher auch, weil die Musik in der Familie eine grosse Rolle spielte: Der Vater von Riedi leitete zusätzlich zum Lehrerberuf noch sieben Chöre. Auch wurde viel zu Hause gesungen. Zu seinem 75. Geburtstag hat Riedi seine Gäste überrascht, indem er plötzlich mit einem Alphorn vor ihnen stand und zwei Lieder spielte.

Seither spielt er Alphorn, ein Instrument, das ihn schon immer fasziniert habe. Ebenso singt er beim Jodlerklub Bergbrünnli, was ihm auch dabei geholfen habe, mit den Schicksalsschlägen umzugehen.

Riedi hat nicht nur am kommenden 12. Dezember einen Auftritt bei «Aeschbi», sondern wird zwei Tage später, am 14. Dezember, auf SRF 1 «live» zu sehen sein, wo um 20.05 Uhr die Sendung «Viva Volksmusik» ausgestrahlt wird. In dieser Sendung wird unter anderem eine 30-köpfige Alphorngruppe, von den jüngsten bis zu den ältesten Spielern, live auftreten.

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