Motor-Kunstflug

«Ich steige nicht in das Flugzeug, ich ziehe mir das Flugzeug an»

Kunstflugpilot Isidor von Arx (links) und der Eigentümer des Flugzeugs, Christoph Meyer vor der «Extra 330 SC».

Kunstflugpilot Isidor von Arx (links) und der Eigentümer des Flugzeugs, Christoph Meyer vor der «Extra 330 SC».

Ende August erreichte der Egerkinger Isidor von Arx an den Schweizer Meisterschaften im Kunstflug in der Kategorie «Unlimited» den zweiten Rang, ein Resultat, das ihn mit grossem Stolz erfülle, stecke doch sehr viel Arbeit dahinter, wie er sagt.

1999 hat von Arx seine Flugausbildung abgeschlossen. Schon zwei Jahre später begann er mit Kunstflug. «Ich habe das als so etwas wie einen Schleuderkurs verstanden. Durch den Kunstflug gewinnt man unheimlich viel an Sicherheit, weil man an die Grenzen geht, eben so, wie beim Schleuderkurs mit dem Auto.»

Bald schon nahm von Arx regelmässig an Wettbewerben teil, sowohl im Inland an Schweizer Meisterschaften als auch im Ausland an den Deutschen und Englischen Meisterschaften. Seit fünf Jahren fliegt der 47-Jährige eine der Akromaschinen von Christoph Meyer, eine «Extra 330 SC» (siehe Infobox rechts).

Meyer, selber ebenfalls Akroflieger und Ballonfahrer, ist Inhaber von «Meyer Sintermetall» aus Studen und der Firma Take-Off Balloon AG. Seit drei Jahren ist er Präsident des Flugplatzes Kappelen und hat selber in der untersten Kategorie einen Vize-Schweizer-Meister-Titel im Kunstflug erreicht. Inzwischen fliege er auf einem Level zwischen «Intermediate» und «Advanced» , sagt Meyer (siehe Kasten «Die Regeln»).

Dass ein Pilot auf einer seiner Maschinen so erfolgreich sei, erfüllt Meyer mit Stolz. «Der Sprung von der zweithöchsten in die höchste Kategorie ist enorm. Und was Isidor macht, das ist wirklich Spitzensport und nur mit einem enormen Aufwand zu erreichen.»

Das Zwanzigfache am Boden

Von Arx trainierte unter anderem auch in Grenchen, wo das Flugzeug stationiert ist. Zwischen 15 und 20 Stunden sei er insgesamt in der Luft gewesen und habe seine Programme absolviert, sagt von Arx. Mindestens das Zwanzigfache geschehe aber am Boden, wo er geistig die Programme immer wieder durchgehe und jede Bewegung mit dem Steuerknüppel und den Fussrudern verinnerliche. «Das Training am Boden macht den weitaus grössten Teil des ganzen Aufwands aus, denn in der Luft habe ich keine Zeit zu überlegen, ‹was kommt jetzt als Nächstes?›.»

Beim Kunstflug verschmelze der Pilot mit seiner Maschine. «Ich steige nicht in das Flugzeug, ich ziehe mir das Flugzeug an.» Je weniger Platz im Cockpit man habe, desto genauer könne man die Figuren fliegen. «Ein erfolgreiches Training zeigt sich auch an den blauen Flecken, die man an den Oberarmen und den Hüften hat, wenn man wieder am Boden ist», meint er schmunzelnd. Dabei wirken grosse Kräfte auf den Piloten: Bis zu 10 G, also das Zehnfache der Erdanziehungskraft, müssen verkraftet werden. «Plus 10 G sind kurzfristig kein Problem, da rauscht das Blut nach unten. Minus 10 G sind schon eher problematisch, weil da das Blut in Richtung Kopf gedrückt wird.» Eine gute körperliche Verfassung und sportliche Fitness sei deshalb von grossem Vorteil.

Fünf Stunden in sechs Monaten

Von Arx hat nur einen kleinen Teil seines Trainings über Grenchen absolviert: «Von März bis August war ich insgesamt nur etwa 5 Stunden über dem Flugplatz Grenchen. Diese Flüge sind aber sehr wichtig für mich, denn nur hier habe ich die Möglichkeit, meine Positionierung innerhalb der Box genau zu bestimmen. Bei Wettkämpfen ist diese Box am Boden markiert, im Training bin ich auf Orientierungspunkte im Gelände angewiesen.»

Ausserdem sei die Zeit in der Luft auf das Notwendigste beschränkt, wenn er direkt von der Piste in die Box darüber fliegen könne. «Ein Trainingsflug dauert so nur rund 9 Minuten, inklusive Start und Landung.» Wichtig sei auch die Höhe, auf welcher er trainiere. Beim Wettkampf reicht die Box bis auf 100– 150 Meter über Grund. So nah am Boden darf aber nur über Flughäfen geflogen werden. Zu Beginn der Saison habe er seine Flüge auf grosser Höhe ausgeführt, auch dies aus Rücksichtnahme. «Erst in den zwei Wochen vor den Schweizer Meisterschaften habe ich auf Wettkampfhöhe trainiert.»

Das harte Training und der grosse Aufwand haben sich gelohnt. Der zweite Platz in der höchsten Kategorie seien ein tolles Ergebnis, sagt von Arx. Unter anderem auch, weil er seinen Fluglehrer, den sechsfachen Schweizer Meister Bruno Müller, auf den dritten Platz verwiesen hat. In der Kür erreichte von Arx sogar die höchste Punktzahl aller Teilnehmer und wurde insgesamt nur knapp von Pierre Marmy, einem der besten Schweizer Kunstflugpiloten, der seit Jahren vorne mitmischt, geschlagen.«Mein nächstes Ziel ist, als erster Pilot aus dem Kanton Solothurn den Schweizer Meistertitel zu gewinnen.» Aber das sei sehr ambitiös, sagt von Arx. Denn Müller werde nächstes Jahr bestimmt zurückschlagen wollen.

(Quelle: youtube/airgasm66)

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