Gastronomie

«Ich kann das Risiko nicht tragen»: Pächter des Restaurants Bettlachberg hat gekündigt

Bei der Übernahme der Pacht im vergangenen November war Markus Lerch noch zuversichtlich. (Archiv)

Bei der Übernahme der Pacht im vergangenen November war Markus Lerch noch zuversichtlich. (Archiv)

Der Pächter des Restaurants Bettlachberg sieht keine Perspektive und hat gekündigt – dabei möchte er eigentlich bleiben.

Markus Lerch ist entmutigt. Erst letzten November hat er die Gastronomie auf dem Bettlachberg mit Unterstützung seiner Partnerin Sandra Stettler übernommen. Sie waren voller Vorfreude und hatten viele Pläne. Jetzt sieht er keine Möglichkeiten mehr, den Berggasthof zu betreiben.

Die wenigen treuen Berggänger und Stammgäste ermöglichen ihm kein Auskommen. Im Herbst war das Wetter ungünstig, der Winter auf dem Berg ist buchstäblich ausgefallen und im Frühling ging bekanntlich gar nichts mehr.

Wie ein Hüttenwart an einem abgelegenen Ort

«Ich kann das Risiko nicht tragen», sagt Lerch. Deshalb hat er «die Notbremse gezogen» und per Ende September 2021 gekündigt; die Kündigungsfrist der Pacht beträgt ein Jahr. «Das Warten den ganzen Tag, ob vielleicht ein Gast kommt, schlägt auch aufs Gemüt.» Statt als Wirt fühlt sich der Berghofpächter derzeit wie ein Hüttenwart, isoliert irgendwo weitab vom Schuss.

Dennoch will Lerch an den grosszügigen Öffnungszeiten des Restaurants von 61 Stunden pro Woche festhalten. «Die Beschränkung der Öffnungszeiten auf dem Berg ist das Todesurteil», ist er überzeugt. Dafür gebe es genügend Beispiele. Wenn es sich im Tal herumspricht, dass ein Gast vor verschlossener Tür gestanden hat, könne man eine Bergbeiz gleich schliessen.

Die grosszügigen Öffnungszeiten des Restaurants Bettlachberg werden bis im September 2021 beibehalten.

Die grosszügigen Öffnungszeiten des Restaurants Bettlachberg werden bis im September 2021 beibehalten.

Zusatzerwerb nicht zu Stande gekommen

Im Tal wünscht er sich deutlichere Hinweise auf den Berggasthof und allgemein eine bessere Werbung. Derzeit sei der «Bettlachberg» praktisch nur den Einheimischen bekannt, argumentiert der Pächter. Eigentlich sah es anfänglich nicht schlecht aus.

Er habe für den Winter mehrere Anmeldungen von Gruppen und Vereinen gehabt, erzählt der Pächter. Doch dann blieb der Schnee aus und die Anmeldungen wurden storniert. Die Schlitten blieben ungenutzt in der Scheune.

Schon letztes Jahr habe er sowohl bei der Bürgergemeinde, der Besitzerin des «Bettlachberg», als auch bei der Einwohnergemeinde angefragt für einen möglichen Zusatzerwerb, im Forst oder im Strassenunterhalt, sagt Lerch. Doch leider habe sich da nichts ergeben. Dabei ist Lerch überzeugt: «Die Bürgergemeinde unterstützt mich. Sie verstehen dort meine Situation.»

Ganz will der Pächter die Hoffnung noch nicht aufgeben: «Wenn es jetzt eine Wende gibt und ich einen guten Herbst und Winter habe, möchte ich bleiben. Wenn bis dahin noch kein neuer Pächter unterschrieben hat, lässt sich da bestimmt etwas machen.» Nun hofft er einerseits auf Wetterglück und andererseits darauf, dass die Leute Freizeit und Ferien, wie vom Bundesrat gewünscht, daheim verbringen.

Die Bürgergemeinde zeigt Verständnis

Bei der Bürgergemeinde Bettlach ist man sich bewusst, dass die Verhältnisse auf dem Berg derzeit schwierig sind. «Herr Lerch hatte seit dem Beginn ganz widerwärtige Umstände. Wir bedauern die Kündigung, verstehen diesen Schritt aber», sagt Bürgerpräsident Thomas Leimer.

Die Bürgergemeinde unterstützt den Pächter praktisch, indem sie seit dem 1. März auf die Pacht verzichtet. «Wir wären auch bereit gewesen, über eine Reduktion der Wohnungsmiete zu reden, doch durch die Kündigung wird das jetzt hinfällig», sagt Leimer. Die Bürgergemeinde sucht nun einen neuen Pächter und inseriert die Berghofpacht in den einschlägigen Internetportalen und Publikationen.

Die Bürgergemeinde ist nach wie vor der Meinung, dass der «Bettlachberg» rentabel geführt werden kann. Voraussetzung dafür sei ein Familienbetrieb, um die Lohnkosten tief zu halten, sagt Leimer. Aus diesem Grund soll vorerst am Konzept des Berggasthofes festgehalten werden.

Leimer ist sich bewusst, dass die guten Schlittelwinter keine Selbstverständlichkeit mehr darstellen und in Zukunft selten werden könnten. Er gibt aber zu bedenken, dass der Umsatz ja nicht nur im Winter erwirtschaftet wird. Hungrige und durstige Wanderer gibt es das ganze Jahr über auf dem Berg.

Hoffnung auf das Unesco Weltnaturerbe

Hoffnungen setzt der Bürgerpräsident auf die Einrichtung des Unesco Weltnaturerbes Bettlachstock. Denn eine Informationsstelle zum Naturerbe sollen im Restaurant Bettlachberg untergebracht werden.

Noch kann er nicht sagen, wann es so weit ist. Bestenfalls nächstes Jahr. Er erklärt: «In der Schweiz sind die Vorbereitungen für das Naturerbe schon weit gediehen. Doch wir passen uns den anderen beteiligten Staaten an, die Nachholbedarf haben und langsamer unterwegs sind.»

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