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«Ich erhielt viel Wohlwollen in fremden Kulturen»

Die Grenchnerin Elisabeth Egli schlägt «Summer without men» von Siri Hustvedt als Ferienlektüre vor. Sie spricht über ihre enge Bindung zur englischen Sprache und ihre Aufenthalte in Nordjemen und Indonesien.

Nadine Schmid
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Elisabeth Egli war für mehrere Jahre in Indonesien und in Jemen.

Elisabeth Egli war für mehrere Jahre in Indonesien und in Jemen.

Nadine Schmid

Mit der englischen Sprache und der angelsächsischen Kultur fühlt sich Elisabeth Egli besonders verbunden. In Grenchen ist sie vor allem wegen ihres unermüdlichen Einsatzes bei «Granges Mélanges» bekannt. In Olten kennt man sie eher als Englischlehrerin: Seit zwanzig Jahren unterrichtet sie dort an der kaufmännischen Berufsfachschule und machte damit ihr Interessensgebiet zum Beruf.

Auf ihren alljährlichen Reisen nach Amerika, um ihre Tochter Simone zu besuchen, genoss sie es, während der Wartezeiten am Flughafen möglichst viele neue englische Bücher zu kaufen. «Summer without men» von Siri Hustvedt war eines von diesen Büchern und ist eines von Eglis Lieblingen. «Die Autorin schreibt selbstironisch, witzig und intelligent. Der Roman liest sich leicht, ohne aber banal zu sein.» Doch das Buch ist nicht nur wegen des Lesevergnügens für sie etwas Besonderes. «Ich verbinde es mit schönen Erinnerungen an die vielen Reisen nach Fort Worth, wo meine Tochter und meine Enkelkinder damals lebten.»

Bereits vor ihrer Tätigkeit als Lehrerin konnte Egli ihre Sprachfähigkeiten vertiefen: Sie begleitete ihren Mann Erwin nach Nordjemen und Indonesien, wo er für mehrere Jahre in verschiedenen Entwicklungsprojekten arbeitete.

Eigene Wertvorstellungen leben

In Jemen war Erwin Egli von 1979 bis 1983 in einem Entwicklungsprojekt tätig, das den Aufbau der jemenitischen Landestopografie zum Ziel hatte, in Indonesien war er von 1988 bis 1992 als Curriculum Adviser dafür zuständig, dass der Aufbau von Polytechnika voranschreiten und Fachhochschulen nach Schweizer Vorbild aufgebaut werden konnten. Indonesische Ingenieure wurden an einer pädagogischen Hochschule zu Dozenten ausgebildet.

Explizit stand jeweils im Vertrag, dass Elisabeth Egli eine Begleitperson sei und keine bezahlte Arbeit angehen solle. «Ich habe Freiwilligenarbeit geleistet. So gab ich im Jemen Flötenunterricht an der französischen Schule und arbeitete in der britischen Mutter-und-Kind-Klinik am Empfang.» Doch sie begleitete auch immer mal wieder ihren Gatten, wenn dieser mit seinen jemenitischen Mitarbeitern zu Feldstudien aufbrach. Gerade in Jemen sei sie deshalb aufgefallen, weil sie teilweise das Gegenteil von dem machte, was für einheimische Frauen üblich war.

So setzte sie sich beispielsweise zu ihrem Mann, wenn dieser sich in einer Männerrunde unterhielt. Auch fuhr sie Auto. «Ich habe viel Wohlwollen erfahren. Meine eigenen Verhaltensmuster wurden erstaunlich grosszügig akzeptiert, aber selbstverständlich passte ich mich auch in vielen Belangen an und wusste mich den Normen entsprechend zu benehmen.»

Während sie die kulturellen Differenzen ausleben durfte, war ihr Mann mehr gebunden. «Es wäre ein No-Go für ihn gewesen, sich zu Frauen zu setzen.» In Indonesien war dies alles viel einfacher, weil sie mittlerweile eine Familie mit Kindern waren und die Bevölkerung zwar auch mehrheitlich muslimisch war, aber wegen der geschichtlichen Entwicklung viel weniger traditionell lebte.

«Proviant» für Granges Mélanges

Beide Aufenthalte haben Egli sehr viel mitgegeben und prägten auch ihr Interesse für verschiedene Kulturen und ihre Aktivitäten für «Granges Mélanges». «Ich habe im Ausland auch meine eigenen Wertvorstellungen viel besser kennen gelernt. Und durch meine Erfahrungen in diesen beiden Ländern ist es für mich nachvollziehbar, wenn ein Mensch aus einem anderen Kulturkreis die hier gebräuchlichen Verhaltensweisen nicht von selbst versteht. Was hier selbstverständlich ist, ist nicht überall die Norm. Natürlich muss diese Person lernen, aber wir sollten Goodwill entgegenbringen und nicht gleich denken, dass Fehler oder für uns unverständliche Verhaltensweisen mit Absicht passieren.»