Kleintheater Grenchen

Humorvoll, aber auch ganz schön anstrengend: Ein Abend mit Waghubinger

Der Kabarettist anlässlich seines Auftritts im Kleintheater Grenchen am 1. März

Stefan Waghubinger

Der Kabarettist anlässlich seines Auftritts im Kleintheater Grenchen am 1. März

Der Abend mit dem Kabarettisten Stefan Waghubinger letzten Sonntag war ganz schön humorvoll, aber auch ganz schön anstrengend. Der studierte Theologe hat sich ganz oben, im Estrich seiner Eltern, eingenistet. Er liebt es zu philosophieren, über Gott und die Welt. Dabei darf man sich von seiner ruhigen, lakonischen Erzählweise nicht täuschen lassen.

Seiner Fabulierkunst geschuldet, dauert es manchmal, bis er zur Sache beziehungsweise zur Pointe kommt. Die will man ja nicht verpassen.

Stefan Waghubinger ist jetzt nicht einer, der Gag an Gag reiht, vielmehr steht oft am Ende seiner Betrachtungen der humorige Aha-Effekt. Ob Alltägliches oder die grossen Fragen.

Immer geistreich, oft zum Brüllen komisch

Der Künstler nimmt sich der Materie unvoreingenommen an. Mal hintergründig, mal warmherzig, mal beinahe zärtlich, dann wieder zynisch oder banal-subversiv. Immer aber geistreich, oft zum Brüllen komisch, meist zudem zum Nachdenken anregend. Obwohl er, der in Deutschland wohnende Österreicher, scheinbar nur so daherreden tut, sind seine Texte geschliffen, seine Folgerungen schlüssig, derart schlüssig, dass er sich auch hie und da eine Aussparung erlauben kann.

So räsoniert er während knapp zweier Stunden über beinahe alles, das ihm in den Weg beziehungsweise in den Sinn kommt: Fahrrad-Ferien, Kunstmaler, elektrische Zahnbürsten, Sollbruchstellen, Evolution, Universum, rote und graue Eichhörnchen etc.

Einige Perlen seien an dieser Stelle aus dem prallen Waghubingerschen Fundus aufgereiht. Bei einem Besuch in der «Unfehl-Bar» beobachtet er die Vertreterinnen und Vertreter der grossen Religionen beim Scrabble-Spiel. Sie können sich aber nur auf ein einziges vorhandenes Wort einigen: «Wahrheit». Lapidar meint er zum gleichen Thema: «Von Gott könnten die grossen Religionen noch etwas lernen.»

Es umtreibt ihn auch die Frage, wieso wir Menschen einst vor zig Jahren von den Bäumen heruntergekommen seien. Den Boden hätten wir eigentlich nur gemietet, die Nebenkosten hingegen bezahle die Natur. Auch die Wissenschafter geraten in sein Visier. Immer wenn sie etwas nicht zu deuten wissen (zum Beispiel Höhlenbilder in der Steinzeit), würden sie es auf die Religion schieben. Stefan Waghubinger macht sich einen Spass daraus, sich vorzustellen, was dereinst Ausgräber von unserem Atommüll oder unseren Plastikabfällen halten werden. Und erst die Warenhäuser: Das können nur religiöse Tempel gewesen sein. Stefan Waghubinger im Kleintheater: Hintergründig, bissig und humorvoll. Es bleibt die Frage: Woher nimmt der dies alles?

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