Sie mussten dieses Interview verschieben, wegen eines Termins im Ausland. Sind Sie dafür ab Grenchen geflogen?

Hugo Mathys: Ja, wir mussten spontan einen dringenden Termin in Erfurt, (Deutschland), wahrnehmen. Mit dem Geschäftsreiseflugzeug konnten wir das Treffen effizient in einem Arbeitstag erledigen. Wären wir ab Zürich geflogen, hätte diese Auslandreise eineinhalb Tage in Anspruch genommen. Bei vier teilnehmenden Personen haben wir für diesen einen Termin zwei Arbeitstage einsparen können.

Die geplante Pistenverlängerung ist zu einem Politikum erster Güte geworden, der Widerstand ist, wenn nicht in Grenchen selber, so doch in der Umgebung enorm. Stehen Sie da mit Forderungen für eine Minderheit nicht auf verlorenem Posten?

Natürlich ist die Entscheidfindung ein demokratischer Prozess mit Argumenten dafür und dagegen. Ich vertrete dabei die Sicht der Wirtschaft. Als Unternehmer habe ich eine Vision für die Entwicklung der eigenen Firma, aber auch für die regionale Wirtschaft. Ich bin es auch gewohnt, diese Vision gegen Widerstände zu vertreten. Ich bin viel in Kontakt mit der Bevölkerung und es gibt viele Leute, die Verständnis für die Bedürfnisse der Wirtschaft und die des Flugplatzes Grenchen haben. Dieser ist überdies auch eine Attraktion an sich. Gehen Sie mal auf den Flugplatz schauen, wie viele Leute Freude an der Fliegerei haben und dort ihre Freizeit verbringen. Warum soll man dieses Angebot nicht zukunftsträchtig für einen attraktiveren Standort optimieren?

Warum legen sich die Wirtschaftsführer der Region nicht mehr ins Zeug? Ist es ihnen peinlich, dass sie mit dem Businessflugzeug fliegen, der halt auch einen Touch von Snobismus verbreitet?

Die Wirtschaft engagiert sich durchaus für die Belange des Flugplatzes. Sie finden etliche persönliche Statements von Wirtschaftsführern, die sich für die Pistenverlängerung aussprechen auf der Homepage vom IG Wirtschaftsraum Solothurn. Wünschenswert wäre noch eine einheitliche Unterstützung seitens Politik für die Wirtschaft. 

Zum Snobismus-Vorwurf: Sie dürfen mich gerne als Snob bezeichnen, aber ich stehe seit 30 Jahren mit vollem Einsatz weltweit für mein Unternehmen ein. Sie können mir glauben, dass Geschäftsreiseflugzeuge oder Business-Jets nach wirtschaftlichen Aspekten eingesetzt werden. Unser Unternehmen steht weltweit in Konkurrenz und da spielt eben auch die Geschwindigkeit und Flexibilität eine Rolle.

Ihr schöner privater DC 3 Oldtimer kann von Grenchen aus starten und landen. Könnten Sie damit nicht zufrieden sein?

Die Fliegerei ist in unserer Familie seit je Tradition. Ich bin froh, dass ich meiner Leidenschaft von Grenchen aus frönen kann. Wegen meines Hobbys braucht es diese Pistenverlängerung aber definitiv nicht.

Welche Bedeutung hat der Flughafen für die regionale Wirtschaft wirklich? Es gibt ja Zahlen, aber sie werden immer wieder angezweifelt.

In diesem Fall sind Zahlen für mich sekundär. Was zählt, ist das Offensichtliche: Bei regionalen Strassen wird auch nicht auf Franken und Rappen ausgerechnet, was dies der regionalen Wirtschaft bringt, bei Eisenbahnlinien ebenfalls nicht. Und trotzdem ist es allen klar, dass eine gut ausgebaute Infrastruktur einen entscheidenden Faktor für wirtschaftlichen Erfolg ist. Das hat man ja jüngst bei der Ansiedelung der Biotech-Firma Biogen gesehen: Da waren nicht die Steuern ausschlaggebend, sondern vielmehr die Infrastruktur. Für international tätige Unternehmen ist es ja nicht die Norm, fernab von Ballungszentren angesiedelt zu sein – auch aus infrastrukturtechnischen Gründen. Der Flugplatz Grenchen ist daher ein grosser Pluspunkt.

Und was ist die Bedeutung des Flughafens für Ihre eigene Firma Mathys Medical?

Wir vertreiben unsere Produkte in über 36 Ländern und diese Geschäftsbeziehungen gilt es zu pflegen. Der Flugplatz spielt dabei eine wichtige Rolle als effizientes Verkehrsmittel. Von unseren Tochtergesellschaften erreichen wir die Europäischen innert kürzester Zeit. Ein Faktor, der essenziell für unsere Organisation ist.

Können Sie das auch in Zahlen fassen?

Pro Jahr unternehmen wir zwischen 30 und 50 Reisen in Geschäftsflugzeugen ab Grenchen.

Ihre eigene Flugfirma Mathys Aviation hat den Betrieb letztes Jahr eingestellt, warum?

Unternehmerische Entscheide sind manchmal hart und tun weh. Das Marktsegment Kurzstreckenflüge ist hart umkämpft und der Preisdruck enorm. Mittelstreckenflüge konnten wir aufgrund der Pistenlänge nicht anbieten: Für solche Distanzen muss mit vollem Tank geflogen werden – und in Grenchen darf aufgrund der kurzen Piste so nicht gestartet werden. Zwischenstopps zum Auftanken sind alles andere als attraktiv und schon gar nicht nachhaltig. Ohne diese Mittelstreckenflüge im Angebot konnten wir in diesem Markt leider nicht bestehen.

Man hört etwa das Argument, moderne Business-Flieger brauchen gar keine längere Piste …

Für Mittelstreckenflüge müssen auch moderne Businessjets vollgetankt starten können, um Zwischenlandungen zu vermeiden. Daher: Doch, es braucht die Verlängerung, um den Flugplatz auch in Zukunft entsprechend nutzen zu können.

Grenchen steht in Konkurrenz mit anderen Standorten. Wenn der stillgelegte Militärflugplatz Dübendorf zum Business-Jet-Hub umgebaut wird – Pläne dafür bestehen ja –, steht da nicht Grenchen ohnehin auf verlorenem Posten?

Wenn wir bei jeder Zürcher Ankündigung die Flinte ins Korn werfen, würden wir schon längst nicht mehr in Bettlach unseren Sitz haben. Der nahegelegene Standort des Flugplatzes ist ein zentraler Punkt. Dübendorf fällt für uns in Bezug auf Distanz und Reisezeit in dieselbe Sparte wie Zürich Kloten. Einen direkten Wettbewerb mit Grenchen sehe ich daher nicht. Wir haben die topografischen Voraussetzungen für einen Flugplatz und die sollten wir nutzen.

Warum wird die Piste nicht nach Westen verlängert?

Da stehen meines Erachtens Kosten/Nutzen-Überlegungen dahinter. Der Bau nach Westen würde unter anderem die Arch-Strasse tangieren, welche als Autobahnzubringer unerlässlich ist und eine Verlegung der Strasse in den Boden würde den Kanton, der ja sparen will und muss, zu viel Geld kosten.

Aber aus praktischer Pilotensicht wäre eine Verlängerung Richtung Westen nach wie vor vorzuziehen?

Das ist so. Es gäbe weniger Probleme mit dem Umfliegen von Ortschaften. Die Regierung hat sich aber nun mal für die Ostvariante entschieden, was wir akzeptieren. Wir können mit jeder Piste leben, Hauptsache, sie ist lang genug. Für uns ist der Entscheid für die weitere Planung einer Pistenverlängerung entscheidend und der steht jetzt an.