Stadtbummel Grenchen

Hopphopp, es winkt ein Super-Jackpot!

59 Millionen sind im Jackpot.

59 Millionen sind im Jackpot.

Haben Sie Lotto gespielt?

Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit! Noch nie in der Geschichte des Schweizer Zahlenlottos gab es ein solches Rekordsümmchen zu gewinnen. 59 Millionen harte Schweizer Franken, von denen Sie rund zwei Drittel behalten dürfen, sollten Sie der oder die einzige Glückliche sein, der oder die auf sechs Richtige und die passende Zusatzzahl getippt hat. Ein Drittel des Super-Gewinns etwa geht als Steuer an den Staat und die Gemeinde.

Insbesondere Letztere würde sich natürlich sehr darüber freuen, wenn das Geld auch erst in ein paar Monaten fällig wird. Stadtpräsident François Scheidegger könnte dann nächsten Donnerstag im Parktheater ganz staatsmännisch verkünden: «Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir haben uns heute hier so zahlreich versammelt, um gemeinsam zu sparen. Denn Grenchen hat ein strukturelles Defizit. Und da müssten wir eigentlich um gemeinsame Lösungen ringen, um die Stadt aus dieser ungemütlichen Lage zu befreien. Aber gemeinsam, das scheint es nicht zu geben, weil die Interessen zu verschieden sind: Bürgerliche und Linke liegen sich in den Haaren, weil man im Grundsatz verschiedene Ziele hat. Auch wenn man im Gemeinderat vorgibt, am selben Strick zu ziehen ...

In Tat und Wahrheit zieht man in verschiedene Richtungen. Das führt zu Interessenskonflikten, die hier an der Gemeindeversammlung ausgetragen werden müssten. Entscheidend dabei ist nicht die Sache an sich, sondern lediglich, wer mehr Fussvolk mobilisieren konnte, um die Abstimmung auf die eine oder andere Seite zu reissen. Darum seid Ihr ja auch so zahlreich erschienen. Nun gibt es aber jemanden in unserer Stadt, der uns diese lästigen Diskussionen abnimmt, weil er im Lotto den Super-Jackpot geknackt hat und Grenchen so aus der finanziellen Misere rausreisst.»

Natürlich würde unser Stapi nicht preisgeben, um wen es sich handelt. Er würde auch nicht verraten, wie man den glücklichen Gewinner davon abhalten will, seinen Wohnsitz bis zum 31.12. nicht an einen steuergünstigeren Ort, beispielsweise Meggen, Wollerau oder sonst wo in der Innerschweiz zu verlegen. Vielleicht verspricht ihm die Stadt, ihm zu Ehren mitten auf dem Marktplatz ein Denkmal zu setzen? Oder er darf bis ans Lebensende am Suppentag gratis essen gehen? Wie wärs mit einem Ski- und Busabo für den Grenchenberg auf Lebenszeit, um immer dem Nebel entfliehen zu können? Oder eine Dauerkarte für die Museen, die neu sogar jeden Tag geöffnet haben?

Das mit dem Lottogewinn ist übrigens nicht aus der Luft gegriffen: Keine
10 Kilometer von hier gibt es eine Gemeinde im Kanton Bern, die ihre Finanzlage dank zweier Gewinner vor ein paar Jahren massiv verbessern konnte. Drum: Wer noch nicht beim
Kiosk war, kann dies heute noch tun oder seine Tipps online abgeben. Annahmeschluss ist 17 Uhr.

Übrigens: Die Gewinnchancen sind da, wenn auch verschwindend gering. «Die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Jahr wegen eines Verkehrsunfalls ums Leben zu kommen, ist 8000-mal höher, als mit einem Lottoschein den Jackpot zu knacken», rechnete Martin Mächler, Statistiker der ETH Zürich, schon 2014 aus. 1 zu 31 Millionen beträgt die Wahrscheinlichkeit, die sieben Richtigen anzukreuzen. Und das könnten ja doch Sie sein, lieber Leser. Die Dankbarkeit des Stapi und der ganzen Stadt wäre Ihnen gewiss!

Meistgesehen

Artboard 1