Grenchen

«Holzers Peepshow» – ein heiteres bis anspruchsvolles Theaterstück

Alex Truffers Inszenierung von «Holzers Peepshow» feierte in der Schopfbühne Premiere. Das «heitere bis bewölkte» Stück und die ausgezeichneten Akteure vermochten zu überzeugen.

«Holzers Peepshow» heisst die neue Produktion der Schopfbühne. Das Ensemble zeigte bei der Premiere des «heiter bis bewölkten Volksstückes» aus der Feder von Markus Köbeli eine souveräne Darbietung mit starken Akteuren.

Die Bauernfamilie Holzer hat es nicht leicht. Die Landwirtschaft wirft kaum mehr etwas ab, die Touristen «missbrauchen» den Hof lediglich für eine kurze Pinkelpause. Zu allem Überdruss wird der Skilift automatisiert und Vater Hans verliert so seinen Nebenverdienst. Nun scheint guter Rat teuer. Die zündende Idee hat Sohn Hans junior. Die bisher unnützen Gäste sollen «blechen». Trotz einiger Skepsis der anderen Familienmitglieder wird eine Art «Peepshow» eingerichtet. Bei Münzeinwurf öffnet sich der Fenster-Vorhang und gibt den Blick frei auf eine heile, bäuerliche Schweizer Welt.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Selbst der kaum mehr einer Regung fähige 90-jährige Grossvater wird in das Schauspiel integriert. Und siehe da: Es klappt. Die Familie verfeinert stets ihre Darbietung, bringt mehr «Action» rein, Heidi mit Goldzöpfen und ein genesender Kurgast werden in die Handlung mit einbezogen, herrlich rustikale Versionen in Hochdeutsch und Englisch für das jeweilige Zielpublikum angeboten.

Der Preis für den Geldsegen ist allerdings hoch. Zwischen Mutter Martha und ihrem Ehemann, die sich innerlich schon längst voneinander verabschiedet haben, bricht der Konflikt immer öfter offen aus, der Sohnemann ist nurmehr am schnöden Mammon interessiert, Tochter Anna zieht sich bisweilen in ihre philosophische Traumwelt zurück. Sie ist es allerdings auch, die schliesslich genug hat und die Familie verlässt, um im Tal ihr Auskommen zu suchen. Bei ihrem Besuch zum Geburtstag des Grossvaters beobachtet sie fassungslos, was aus der einst verlockenden Idee geworden ist; das Publikum staunt mit ihr.

«Holzers Peepshow» ist eine Farce, die sowohl komische als auch tragische Züge aufweist. Regisseur Alex Truffer betont bewusst eher Letztere, exemplarisch tut er dies mit der überraschenden Schlussszene. Äusserst gelungen auch der Einsatz der Musik bei den kurzen Umbauphasen. «S’Vreneli ab em Guggisberg» lässt er in aktuellen Versionen erklingen: sinnbildlich für das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne. Auch mit Hubert von Goiserns melancholischem «Heast as nit» unterstützt er trefflich das Geschehen auf der Bühne.

Authentische Akteure

Die Vorstellung kam schnell in Fluss. Von Premiere-Nervosität war bei den Akteuren kaum etwas zu spüren. Pia Schild brilliert als zusehends desillusionierte Mutter und Gattin. Beinahe greifbar ihre innere Abkehr, grandios in ihren Gefühlsausbrüchen. Beat Jeannerat verleiht dem Vater viel Authentizität. Seinen Frust ob des gescheiterten Bauerndaseins, seine Flucht in Alkohol und hilflose Gewalt mimt er glaubwürdig. Eine starke Leistung zeigt auch Marc-André Flück als Sohn, der mit viel Energie die «Geldmaschine» anwirft und ob der Annehmlichkeiten der kapitalistischen Welt auch den (inneren) Zerfall der Familie in Kauf nimmt.

Mehr als nur Lacher

Stefanie Taboada agiert als Tochter überzeugend. Man spürt, dass es an ihr liegen wird, die Tragweite des familiären Theaters richtig einzuschätzen und die Konsequenzen zu ziehen. Beeindruckend schliesslich auch Köbi Schnurrenberger als Grossvater. Es bedarf schon einer gehörigen Portion Konzentration und Beherrschung, während anderthalb Stunden dem teilweise bunten Treiben regungslos beizuwohnen.

Holzers Peepshow: Eine Produktion, die zwar für Lacher sorgt, die aber auch Fragen zu Identität und Zusammenhalt aufwirft, dargebracht von einem spielfreudigen, gut harmonierenden Ensemble.

Vorstellungen:

März: 16. / 22. / 23. / 24. / 30. / 31.; April: 3. / 12. / 13. / 14. / 18. / 23. / 26. / 27. / 28.;

Mai: 3. / 4. / 5. / 9. / 10. Jeweils 20.00 Uhr (sonntags 17.00 Uhr). www.schopfbuehne.ch

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