Grenchen
Höhepunkt im Programm: Das Kunsthaus zeigt 100 Picasso-Grafiken eines Solothurner Sammlers

Das Kunsthaus Grenchen hat sein Jahresprogramm für 2020 veröffentlicht. Den Höhepunkt bildet im Herbst eine Schau von Picasso-Grafiken. Ein Zyklus mit 100 Grafiken eines anonymen Solothurner Sammlers wird ausgestellt.

Andreas Toggweiler
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Kunsthaus-Jubiläum 2018 - 2020 werden Werke von Pablo Picasso zu sehen sein

Kunsthaus-Jubiläum 2018 - 2020 werden Werke von Pablo Picasso zu sehen sein

Thomas Ulrich

«Das Ausstellungsjahr werden wir mit einem Highlight beenden», schreibt das Kunsthaus in einer Mitteilung. «Dank der grosszügigen Leihgabe eines Solothurner Sammlers haben wir die Möglichkeit, mit Picassos Suite Vollard eine der bekanntesten Druckgraphik-Serien des 20. Jahrhunderts zu zeigen», so das Kunsthaus. Der Sammler will laut Angaben von Kunsthaus-Kuratorin Claudine Metzger anonym bleiben. Man werde ein den Werken angemessenes Sicherheitsdispositiv aufziehen.

In den hundert Blättern befasst sich Picasso unter anderem mit dem Minotaurus-Mythos und mit dem Verhältnis von Künstler und Modell (vgl. Kasten).

Für 1,9 Mio. Euro versteigert

Picassos «Suite Vollard» gehört zu den berühmtesten Graphik-Zyklen des 20. Jahrhunderts. Sie umfasst 100 Blätter, die Pablo Picasso auf Anregung des Kunsthändlers und Verlegers Ambroise Vollard zwischen 1930 und 1937 schuf. Im Gegenzug sollte Picasso jeweils ein Gemälde von Paul Cézanne und Auguste Renoir erhalten. Der Künstler variiert in der Serie unterschiedliche Themen. Mehrere Blätter befassen sich mit dem Verhältnis von Künstler und Modell und dem Minotaurus-Mythos.

Auf Grundlage der 100 Original-Platten entstanden damals mehr als 300 Drucke. Neben dem British Museum in London, dem Museum of Modern Art in New York und dem Picasso- Museum in Paris sind nur noch sehr wenige Institutionen und Private im Besitz eines kompletten Satzes der «Suite Vollard». Die grosszügige Leihgabe eines privaten Sammlers aus Solothurn ermöglicht dem Kunsthaus Grenchen, in der Villa Girard die komplette Serie zu präsentieren. Ein kompletter Satz Grafiken aus Picassos «Suite Vollard» ist 2017 in Paris für 1,9 Millionen Euro versteigert worden. (rrg)

Parallel dazu werden im Neubau aktuelle Arbeiten des in New York lebenden Solothurner Künstlers Yves Scherer (*1987) zu sehen sein. Rund 85 Jahre nach der Entstehung von Picassos Suite Vollard bieten seine hyperrealistischen Skulpturen einen zeitgenössischen Zugang zu den klassischen bildhauerischen Fragen nach der menschlichen Figur und deren Darstellung im Medium der Skulptur. 1. November 2020 bis 21. Februar 2021; Vernissage: 31. Oktober.

Zürcher Druckwerkstatt zu Gast

Nach der bereits zur Tradition gewordenen Ausstellung «Impression», welche noch bis Ende Februar einen Überblick bietet über das aktuelle druckgraphische Schaffen der Schweizer Künstlerinnen und Künstler, führt das Jubiläumsprojekt der Druckwerkstatt Gentinetta in der Villa Girard den Schwerpunkt des Kunsthauses gleich weiter. Die Werke der beteiligten Kunstschaffenden vermitteln einen Eindruck der Vielfalt an drucktechnischen Verfahren, insbesondere im Bereich des Tiefdrucks, welcher eine Spezialität der Druckwerkstatt darstellt. Die Kupferdruckwerkstatt Gentinetta an der Eglistrasse 8 in Zürich engagiert sich für klassische und zeitgenössische Druckgraphik. Neben analogen Drucktechniken werden auch digitale Verfahren angeboten.Als Kontrast dazu wird im Neubau die Malerei im Zentrum stehen. Dort zeigt das Kunstmuseum neueste Werke von Rebekka Steiger (*1993).

Geheimnisvolle Landschaften und Abstraktes

Die zwischen Luzern und Peking pendelnde Künstlerin gehört laut Kunsthaus «zu den aufregendsten jungen Malerinnen der Schweizer Gegenwartskunst. Man kann gespannt sein, inwiefern sich der Aufenthalt in China auf ihre Malerei auswirkt», schreibt das Kunsthaus. Vernissage ist am 21. März, die Ausstellung dauert bis zum 24. Mai.

Das Medium des Films, dessen Basis allerdings Kohlezeichnungen sind, steht im gleichen Zeitraum im Zentrum der Ausstellung von Marion Nyffenegger. Die 1995 geborene Künstlerin ist vom Kanton Solothurn mit dem Förderpreis Film ausgezeichnet worden. In der Reihe 20m2 – Fenster ins Atelier, welche jungen Kunstschaffenden aus dem Kanton eine Plattform zur Präsentation eines oder mehrerer Werke bietet, wird sie ihren Animationsfilm «Das Leben ist eines der Leichtesten» zeigen, sowie Einblick geben in die Produktionsweise eines Animationsfilms.

Der Wald in allen seinen Facetten

Vom 28. Juni bis zum 27. September wird das Kunsthaus unter dem Titel «Im Wald» eine Gruppenausstellung zu einem Thema präsentieren, das seit einiger Zeit nicht mehr aus den Schlagzeilen wegzudenken ist. Beteiligt sind elf Kunstschaffende aus der ganzen Schweiz.
Neben Gemälden, Zeichnungen und druckgraphischen Werken werden auch Objekte, Videos und Hörstücke vertreten sein. Der Wald als Ort des Unheimlichen, der ungestörten Natur und Idylle wird genauso thematisiert, wie auch der Wald als Lebensraum und Wirtschaftsfaktor. (Vernissage am 27. Juni).