Stadtbummel Grenchen
Hochprozentig

Brigitte Stettler
Brigitte Stettler
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Wenn neben dem Altglascontainer eine Wahlurne stehen würde, würden dann mehr wählen?

Wenn neben dem Altglascontainer eine Wahlurne stehen würde, würden dann mehr wählen?

Keystone

Die Grenchner Stimmberechtigten, so scheint es mir, müssen ausserordentlich zufrieden sein mit ihrer Regierung. Nur gerade knapp 27 Prozent haben gewählt, die restlichen 73 Prozent hatten nicht das Bedürfnis, eine (ihre!) Stimme abzugeben. Freude herrscht darüber, dass Grenchen trotz der miesen Stimmbeteiligung zwei Kantonsratssitze hinzugewonnen hat, ein leichtes Unbehagen bleibt dennoch, samt Fragen. Wird am Bürger vorbeipolitisiert? Werden Bedürfnisse, Anliegen und Sorgen der sogenannten gewöhnlichen Bevölkerung von unseren Politikern nicht mehr genügend ernst genommen oder – herrscht allgemein eine Gleichgültigkeit, ein Desinteresse daran, was jede einzelne Stimme bewirken könnte, würde sie denn abgegeben?

Nachdem der Grenchner in Zukunft sein Altglas nicht mehr einfach vor die Türe stellen kann, sondern in dafür vorgesehene Sammelcontainer bringen muss, könnte man einen der Container in die Nähe des Wahllokals stellen oder – noch besser – neben die Container Briefkästen für die nächsten Wahlen aufstellen. Wer Glas entsorgt, könnte dann auch noch seinen Stimmzettel einwerfen. Auf diese Weise wäre Hochprozentiges auf der einen Seite entsorgt, auf der anderen Seite als ebenso Hochprozentiges in Sachen Stimmbeteiligung wieder rezykliert worden. Dieser Vorschlag ist natürlich nicht ganz ernst zu nehmen, es gibt ganz bestimmt noch andere Möglichkeiten, Bürgernähe zu schaffen.

Was so gar nicht zur miesen Wahlbeteiligung passt, ist die Tatsache, dass ich immer wieder erlebe, wie interessiert, offen, kritisch, selbstbewusst und informiert sich die Grenchner zu ihrer Stadt äussern, sich für deren Belange einsetzen und wie viel Eigeninitiative und Kreativität vorhanden ist.

Auch die Grenchner Uhren stellen um auf Sommerzeit. Das Leben findet wieder vermehrt im Freien statt. Es wird grilliert, spaziert und immer wieder diskutiert. Mal lautstark und mal leiser. Vergessen sind Wahlen und Stimmbeteiligungen. Kleine und grosse Sommerfeste werden geplant und auch gefeiert werden. Der Grenchner wird dabei sein – fast hundertprozentig!