Segelflug
Historische Segelflug-Gummiseilstarts am Eichholzhügel

Zu Beginn des Segelfluges gab es noch keinen Flugzeugschlepp. Der Start erfolgte mit Gummiseil von einer Anhöhe aus. In Grenchen probierten die Segelflieger 1932 ihre ersten Flüge am Eichholzhügel. 80 Jahre später gibt es am Hügel wieder Starts

Peter Brotschi
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Segelflieger
6 Bilder
Willy Farner mit selbst gebautem Gleitsegler.
Die Segelflieger sind heute moderner...
... als früher.
Auch der Transport ist heute ein bisschen moderner.
Früher gabe es noch kein Flugzeugschlepp. Heute werden die Segelflieger von einem Motorflugzeug hochgezogen.

Segelflieger

Zu Beginn des Segelfluges gab es noch keinen Flugzeugschlepp. Der Start erfolgte mit Gummiseil von einer Anhöhe aus. In Grenchen probierten die Segelflieger 1932 ihre ersten Flüge am Eichholzhügel. 80 Jahre später gibt es am exakt gleichen Ort wieder Starts mit historischen Segelflugzeugen.

Ein Jahr nach der Gründung des Flugplatzes Grenchen tauchten die Segelflieger auf. Die Segelfluggruppe Grenchen wurde aus der Taufe gehoben, aus der sich später die Segel- und Motorfluggruppe und wiederum daraus die heute national bekannte Flugschule Grenchen entwickelte.

Die Segelflieger waren zu Beginn der 1930er-Jahre vor allem in Deutschland sehr aktiv. Jedes Jahr trafen sich die Piloten, Tüftler und die akademischen Fliegergruppen auf der Wasserkuppe in der Rhön. Der gegenseitige Wettbewerb förderte die technische Entwicklung der Segelflugzeuge.

Die Fortschritte waren offensichtlich. Im August 1920 traf man sich zum ersten Mal auf der Rhön. Da glichen die Gleiter noch Drahtkommoden. Ein Jahr später tauchte der Urvater der Segelflugzeuge auf, der Vampyr genannt wurde. Erstmals gab er die Form aller künftigen Leistungssegler an mit Flügeln, die freitragend waren und eine grosse Spannweite hatten.

Rund zehn Jahre später war die Entwicklung schon weit fortgeschritten. 1931, also im Jahre der Grenchner Flugplatzgründung, flog Günther Groenhoff mit einer Distanz von 272 km eine neue Weltbestleistung.

Auch Grenchen wollte mitmischen

In diesem Kontext war es also verständlich, dass auch die Grenchner den Segelflug betreiben wollten. Zumal diese Art des Fliegens wesentlich billiger war und ist als der Motorflug. In den Anfängen bauten die Fluggruppen ihre Flugzeuge selber. Flugzeugschlepp gab es noch keinen, sodass meistens mit Gummiseil von Anhöhen aus gestartet wurde.

In Grenchen wurden die ersten Starts vom Eichholzhügel aus durchgeführt, aber auch vom Stierenberg und vom Weissenstein. Für den Flug eines einzigen Piloten mussten viele Hände mithelfen. Mit Ross und Wagen wurden die Flugzeuge auf den Berg transportiert, dort zusammengesetzt und mithilfe eines Gummiseils in die Lüfte katapultiert.

«Genau 80 Jahre später wollen wir wieder mal Segelflugzeuge auf dem Eichholzhügel starten lassen», sagt Willi Dysli. Der langjährige Chef des Flugbetriebs der Flugschule Grenchen hat mit den Landwirten verhandelt. Alfred Bigler, Hans Affolter, Urs Affolter, Hans-Peter Tschui, Konrad Vogt und Markus Vogt unterstützen den Anlass, indem ihre Felder benützt werden dürfen.

Ohne Zusagen - kein Oldtimerfliegen

«Ohne diese Zusagen könnten wir das Oldtimerfliegen nicht durchführen», hält Dysli dankbar fest. Unterstützung fand er weiter bei der Oldtimer Segelflug Vereinigung Schweiz (OSV), die im Besitze des einzigen Gummiseils ist. Präsident Willy Fahrni freut sich über die Aktion am Eichholzhügel.

Der Zürcher Oberländer hat schon einige Erfahrung mit Gummiseilstarts in Grenchen: Am 15. September 2001 wurden solche Starts auf dem alten Flugplatz Obergrenchenberg durchgeführt und vergangenes Jahr auf dem Flughafen selber. Als Koordinator zwischen den Grenchner Segelfliegern und der Oldtimer Vereinigung amtet Thomas Fessler. Der Bettlacher Schreinermeister restauriert alte Segelflugzeuge und fliegt sie gleich selber.

Das Seil muss von Helfern ausgezogen werden, bis die Klinke gelöst wird und das Segelflugzeug in die Luft spickt. Diese «Gummihunde» haben also eine wichtige Aufgabe. Willi Dysli hofft, dass beim «Eichholz-Fliegen» auch aus den Reihen der Zuschauer Helfer zu finden sein werden.

Am Start sind acht bis zehn wunderschöne historische Segelflugzeuge, die aus Holz und Tuch gebaut sind, also wenig Gewicht haben. Um das Ganze möglichst stilecht zu machen, ist auch geplant, die Segelflugzeuge mit einem Zugpferd wieder auf die Höhe zu bringen – wenigstens für ein paar Starts. Die Flüge werden nur ein paar Sekunden dauern, so wie eben war vor acht Jahrzehnten.

Gummiseilstarts von Segelflug-Oldtimern am Eichholzhügel, Samstag und Sonntag, 1./2. September, 10 bis 16 Uhr