Grenchen
Historiker Martin illi bringt Fakten, Mythen und Namen mit

Zum Abschluss der «Trilogie» zur neueren Grenchner Stadtgeschichte referierte Martin Illi im Kultur-Historischen Museum über «Landschaft im Wandel».

André Weyermann
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Martin Illi referierte im Museum locker und unterhaltsam.

Martin Illi referierte im Museum locker und unterhaltsam.

André Weyermann

Der Historiker Martin Illi hat für die neue Stadtgeschichte nicht nur Wortbeiträge geschrieben; er war auch für die Bildredaktion verantwortlich. Für den Vortrag hat er Bilder und Illustrationen «ausgegraben», die selbst eingefleischte Grenchnerinnen und Grenchner verblüffen mussten.

Grenchen sei praktisch gezwungen gewesen, sich von der Landwirtschaft wegzubewegen. Günstige Bedingungen für den Ackerbau habe man nur im Westen der Gemeinde vorgefunden. Zwar hat man mit diversen Massnahmen (Rodungen, Entwässerungen) versucht, genügend Land für eine sichere Zukunft unter den Pflug zu nehmen. Allein, trotz aller Versuche und Investitionen kam man nicht wirklich auf einen grünen Zweig. «Als Ventil hat sich schliesslich eine nichtagrarische Tätigkeit angeboten», resümierte Martin Illi. Der Weg zur Industrialisierung wurde beschritten.

Aufschlussreich gestalteten sich auch des Referenten Ausführungen zur Siedlungsgeschichte. Die Gemeinde erfuhr zuerst eine Nord-Süd-Ausrichtung entlang des Dorfbaches. Dies änderte sich mit dem Bau der Biel-/Solothurnstrasse 1837 und wurde in der Folge durch das sogenannte Grenchner Forum akzentuiert, indem öffentliche Bauten (Kirchen, Schulhäuser) in einer Ost-West-Achse angelegt wurden.

Kritisch beleuchtete Martin Illi zwei Grenchner «Mythen». Man habe zwar das Privileg zweier Bahnhöfe, dies aber zum Preis der Zerteilung der Gemeinde und der Behinderung der Stadtentwicklung. Die Verantwortung dafür hätten aber vor allem die Berner zu tragen, denen man die Verantwortung des Baues einer zweiten Bahnlinie übertragen habe (BLS).

Die Grenchner Holzrevolution, als man mit Gewalt Solothurner Beamte am Durchführen einer Holzsteigerung im «Löwen» hinderte, bezeichnete der Historiker als falsch. Man habe den Streit zu früh vom Damm gebrochen. Denn (für einmal) hätten es die Patrizier richtig im Sinn gehabt und den in ihrem Besitze stehenden Wald nach eingehender Schätzung zumindest teilweise an die (Bürger)-Gemeinden abtreten wollen.

Im Weiteren ging Martin Illi auf verschiedene Persönlichkeiten ein, die durch ihre Arbeit einiges zur Entwicklung der Stadt beigetragen haben. Er nannte etwa den bündnerischen Forstingenieur Anton Cadotsch, der bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert eine nachhaltige Waldbewirtschaftung anordnete. Auf den Architekten und Stadtplaner Hans Bernoulli geht der Stadtpark (Lindenpark) und der Marktplatz zurück. Bauverwalter Ernst Brunner war unter anderem die treibende Kraft bei den Notstandsarbeiten in den 1930-er Jahren.

Besonders beeindruckend sei die grosse Anzahl renommierter Architekten, die in Grenchen gewirkt haben. Namen wie Ernst Gisel (Parktheater), Heinz Isler (Tennishalle), Suter&Suter (ASSA Werk 17), Otto Brechbühl (altes Spital), Beda Hefti (Schwimmbad), Oskar Becherer (Hallgarten) haben in Grenchen ihre Spuren hinterlassen, nachdem oder bevor sie national beziehungsweise gar international reüssiert haben. Martin Illi würdigte schliesslich auch lokale Architekten: Hans Dietziker (Haldenschulhaus), Alfred Christen (Titoni AG), Albert Straumann (diverse) und natürlich FCG-Keeper Carlo Campoleoni, der für die Stadion-Tribüne verantwortlich zeichnete.