Grenchen
Hindus wollen eigenen Tempel bauen und kaufen Land — die Stadt möchte dort jedoch lieber Gewerbe ansiedeln

An der Lengnaustrasse hat die Glaubensgemeinschaft Land gekauft. Doch die Stadt möchte dort lieber Gewerbe ansiedeln. Jetzt sucht man eine neue Lösung am alten Ort.

Oliver Menge
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Das Gelände an der Lengnaustrasse 2 wurde bereits gerodet und Profile sind gestellt

Das Gelände an der Lengnaustrasse 2 wurde bereits gerodet und Profile sind gestellt

Andreas Toggweiler

Die hinduistische Glaubensgemeinschaft ist schon lange in Grenchen, seit fast 30 Jahren, wie Iyngaran Kunapathy sagt, der den Vorstand des Tempels in juristischen Belangen unterstützt und als Übersetzer fungiert. Die Gemeinschaft betreibt den Tempel in einem alten Gebäude der Rodania, Stiftung für Schwerbehinderte, an der Brühlstrasse, nahe beim Südbahnhof, seit 1997.

Dort werden Gottesdienste abgehalten und im Sommer ein 14-tägiges, religiöses Fest zu Ehren der Tempelgöttin Durga abgehalten. Das Gebäude haben die Tamilen (Emigranten aus Sri Lanka) von der Rodania gemietet. Ende letzten Jahres lief dieser Vertrag aus resp. wurde gekündigt, weil die Rodania selber Ausbaupläne hatte, wie Gesamtleiter Patrik Marti auf Anfrage mitteilte.

«Unsere Gemeinschaft hatte schon immer den Wunsch, einen eigenen Tempel zu bauen», sagt Kunapathy, der hier aufgewachsen ist, BWL und Finanzmathematik studiert hat und als leitender Investmentbanker tätig ist. Also habe man Geld gesammelt, um ein eigenes Projekt zu realisieren. An der Lengnaustrasse 2 wurden sie fündig und konnten dort eine Parzelle von 2293 Quadratmeter erwerben, für 525'000 Franken.

Der Architekt Americo Bertolotti von Arcade Architektur GmbH in Lengnau entwarf ein Gebäude, das den Bedürfnissen der Glaubensgemeinschaft entspricht. Laut Kunapathy soll dort nicht nur ein Tempel für 2,6 Millionen Franken entstehen, sondern auch eine grosse Bibliothek. «Wir möchten mit dem neuen Gebäude einen Treffpunkt schaffen und eine Brücke bilden zur Schweizer Kultur. Wir werden in unserem Vorhaben auch von Schweizer Behörden unterstützt.» Bis jetzt haben die Hindus etliche Schulklassen in ihrem Tempel empfangen und pflegen eine Partnerschaft mit der Kantonsschule Solothurn.

Das Geld für das Projekt wurde laut Kunapathy innert kürzester Zeit gesammelt: «Von der jüngeren Generation, die hier aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, haben viele eine höhere Bildung absolviert und verdienen auch entsprechend gut. Das Geld aufzutreiben war kein Problem», so der Banker.

Der Haken an der Sache: Das Landstück, das die Tamilen gekauft haben, würde auch die Stadt Grenchen interessieren, die offenbar beim Kauf überboten worden war. Laut Stadtpräsident François Scheidegger möchte man dort lieber Gewerbebetriebe ansiedeln, statt dass dort ein Tempel gebaut wird. Das ganze Gelände entlang der Lengnaustrasse gehört jetzt zur Industriezone und ist von grossem Interesse für die Stadt.

Bau des neuen Delfin-Gebäudes entschärft die Lage

Mit dem Neubau für die Wohngruppe Delfin und neuen Räumlichkeiten für Ateliers und Büros an der Güterstrasse hat sich das Platzproblem der Rodania und der Eigenbedarf am alten Gebäude, in dem die Tamilen ihren Tempel haben, vorerst erledigt. Der Mietvertrag wurde nach Verhandlungen zwischen der hinduistischen Glaubensgemeinschaft und der Rodania denn auch bis 2023 verlängert.

Das löst aber das Problem nur vorübergehend, denn die Hindus möchten eine dauerhafte Lösung mit einem eigenen Gebäude. Insofern will man am Projekt festhalten und wenn möglich nächstes Jahr mit dem Bau beginnen. So wäre der Tempel bereit, wenn die Mietverlängerung bei der Rodania ausläuft.

Ein Baugesuch für den Neubau an der Lengnaustrasse wurde eingereicht, aber noch nicht publiziert. Laut Stadtbaumeister Aquil Briggen erfüllt das Baugesuch in diversen Punkten die Anforderungen nicht und muss nachgebessert werden.

Stadtpräsident will helfen und verhandelt mit Rodania

«Wir stehen zurzeit in Verhandlungen mit der Rodania, Stiftung für Schwerbehinderte», sagt Stadtpräsident François Scheidegger. Denn wenn es nach ihm geht, möchte er der Hindu-Gemeinschaft ermöglichen, dort zu bleiben, wo sie bis jetzt ist: an der Brühlstrasse. Und wer weiss, vielleicht sei die Vermieterin ja bereit, über eine langfristige Verlängerung des Mietvertrags hinaus über den Verkauf des fraglichen Gebäudes mit dazugehörendem Grundstück zu verhandeln.

Die Stadt wäre jedenfalls bereit, das Gelände an der Lengnaustrasse zurückzukaufen, zum selben Preis, den die Hindus bezahlt haben. Denn das mache im Sinne einer langfristigen Planung durchaus Sinn.

Für Kunapathy eine erfreuliche Nachricht. «Wenn es tatsächlich dazu käme, dass wir dort bauen könnten, wo wir jetzt sind und der Preis angemessen ist, entspräche das unseren Wünschen.» Allerdings, so gibt er zu verstehen: «Wir wollen uns auf die Dauer nicht nur auf eine lange Mietdauer einlassen, sondern tatsächlich etwas Eigenes bauen. Denn wenn wir jetzt einen Mietvertrag bis 2033 abschliessen, haben wir in 10 Jahren dieselben Probleme wie heute.»

Aber die hinduistische Gemeinschaft sei zuversichtlich freue sich auf die Kooperation mit den Behörden.

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