Zur Diskussionsrunde zum Thema «Häusliche Gewalt an Frauen» im Sonderpädagogischen Zentrum Bachtelenstatt waren vier Expertinnen geladen: Sabine Matti-Rytz, Sozialarbeiterin im Frauenhaus der Region Biel, Stephanie Selig, Rechtsanwältin beim Anwaltsunternehmen Aarejura Rechtsanwälte, Doris Wili, Pfarrerin, anwesend als Vertreterin der Landeskirche Solothurn und Louise Hill, ein Opfer der häuslichen Gewalt, die ein Buch über ihre Erlebnisse verfasste. Durch die Diskussion führte Jessica Gygax.

Ein komplexes System

Verschiedene Aspekte der häuslichen Gewalt wurden angesprochen, darunter das komplexe System, aus der sich die häusliche Gewalt zusammensetzt: Durch ein ungleiches Machtverhältnis, das der Mann gezielt ausnutze, komme es zur häuslichen Gewalt an Frauen.

Oft ein schleichender Prozess, durch den der Täter die vollkommene Kontrolle über das Leben seiner Frau gewinne. Darunter falle beispielsweise die Macht über das Bankkonto und über alle Aktivitäten der Frau.

Mentale, oft auch körperliche Angriffe würden zur Tagesordnung. Aus diesem System auszubrechen, sei schwierig: «Den Mann zu verlassen, heisst, alles von vorne zu beginnen, man verliert seine ganze Existenzgrundlage», betonten die Expertinnen.

Doch auch die berechtigte Angst vor dem Gewalttäter wird aufgezeigt: Nicht selten drohe dieser der Frau, sie, die Kinder und Angehörige zu töten.

Viele Hilfeleistungen

Das Thema häusliche Gewalt ist allgegenwärtig: Mit Präventionsmassnahmen werden unter anderem bereits Schulkinder informiert, sodass vermehrt Betroffene sich trauen, die Initiative zu ergreifen.

Auch die Hilfeleistungen haben sich enorm verbessert: Die schweizerische Opferhilfe gibt es seit 1993. 2009 wurde sie neu ausgerichtet. Seither hilft der Staat dem Opfer und den Angehörigen unter anderem mit Beratung und Soforthilfe von Opferhilfe-Beratungsstellen.

Insofern längerfristige Hilfe durch Drittpersonen, wie durch Psychotherapeuten, benötigt wird, zahlt die Opferhilfe Kostenbeiträge. Sie bietet den Opfern Schutz und Rechte im Strafverfahren.

Die Frauenhäuser bieten Schutz, Beratung und eine vorübergehende Unterkunft für Frauen mit ihren Kindern. «Nichts geschieht gegen den Willen des Opfers», erklärte Sozialarbeiterin Sabine Matti-Rytz.

Das Opfer solle sich geborgen fühlen und Vertrauen fassen können. «Mir ist wichtig zu betonen, dass häusliche Gewalt keine Privatsache ist und dass man nicht die Kinder vergessen soll.» Jene würden unter den Umständen häuslicher Gewalt leiden und könnten für das ganze Leben geprägt werden.

Hilfe ist ein Zusammenspiel

Die Hilfeleistungen sind ein Zusammenspiel. Gerade für die Region Biel erläutert Matti, wurden bereits Vorkehrungen getroffen, sodass die verschiedenen betroffenen Parteien, darunter Frauenhaus, Anwälte und Polizei zusammenarbeiten.

Doch neben diesen Institutionen bietet auch die Kirche Hilfe: «Wir sind Seelsorgende und sind ausgebildet, um über familiäre Themen zu beraten. Wir stehen ausserdem unter Schweigepflicht», erläutert Pfarrerin Wili.

Die Expertinnen machten mit ihren Aussagen deutlich, dass es Zeit braucht, bis ein Opfer Vertrauen aufbaut. Der Grund ist die Angst vor der Ungewissheit und davor, die eigene Situation noch zu verschlimmern. Die Diskussionsteilnehmerinnen gingen auch auf das nähere Umfeld ein, welches oft mit der Situation überfordert sei und diese nicht als häusliche Gewalt einschätze.

Organisiert wurde das Podiumsgespräch von Sussel Villarreal Faga, Leiterin von Bailame Fit. Die rund vierzig Anwesenden, fast nur Frauen, hörten interessiert zu.