08.15 Uhr morgens. Noch ist es ruhig im Schiessstand Bözingen in Biel. Genau heute vor 110 Jahren, am 17. Juni 1905, wählten die Grenchner Stimmbürger den ersten Grenchner Gemeindepolizisten. Gustav Affolter-Stüdi, Uhrmacher aus Grenchen, setzte sich an der Urne gegen fünf Mitbewerber durch. Bis 1945 versahen nur gerade 3 Mann den Polizeidienst, 1964 stockte man von 10 Mann auf 18 auf, heute sind rund 24 Frauen und Männer bei der Stadtpolizei angestellt. Und heute wird scharf geschossen.

Stefan Künzli, stellvertretender Kommissariatsleiter Sicherheitspolizei und Schützenmeister, ist eingetroffen und bereitet zusammen mit Sandro Pestoni den Parcours vor. Auf sechs Positionen kommt die Dienstwaffe, eine SIG Sauer P 228 und die Maschinenpistole TP-9 mit Laser-Zielvorrichtung, seit zwei Jahren im Einsatz bei der Stapo Grenchen.

Die acht Beamtinnen und Beamten, die heute antreten, legen den Parcours einzeln im Laufschritt zurück, müssen Schutzweste und Gehörschutz unterwegs montieren, ihre Waffe holstern, nachladen, vorbestimmte Ziele auf den Scheiben anvisieren, aus verschiedenen Entfernungen treffen, sich im Gelände verschieben. Nicht blosses Rumballern, sondern viel Kopfarbeit und Konzentration sind gefordert. «Der scharfe Schuss wird regelmässig geübt», erklärt Kommandant Robert Gerber.

Im Falle eines Zwischenfalles verlange die Staatsanwaltschaft den Nachweis über die absolvierten Trainings, weshalb man wöchentlich den Umgang mit der Waffe trainiere. «Die Dienstwaffe wird grundsätzlich nur zur Selbstverteidigung benutzt», erläutert Künzli. Es sei wichtig, dass die Angehörigen der Stapo ihre Waffe aus dem FF beherrschen. «Das jährliche Korpsschiessen ist gleichzeitig aber auch ein Wettbewerb mit einem begehrten Wanderpreis», erklärt Gerber.

Schiessen mit Gästen

Szenenwechsel: Beim Schützenhaus Bettlach treffen die ersten Gäste ein: Pensionierte Polizisten und ehemalige Angestellte der Gemeinde werden von ihren Berufskollegen begrüsst. Die SVP-Grenchen-Präsident Richard Aschberger und SVP-Gemeinderat Ivo von Büren treten im 25-Meter-Stand gleich zum ersten Schiessen an: Zwei Probeschüsse, zwei Einzelschüsse innerhalb von 30 Sekunden, eine Fünferserie innert 50 Sekunden, eine zweite innert 40 Sekunden.

Auch CVP-Präsident Marco Crivelli, FDP-Gemeinderat Aldo Bigelin, Stadtschreiberin Luzia Meister – notabene die einzige Frau unter den Gästen – Feuerwehrkommandant Bruno Bider, Stadtbaumeister Daniel Gäumann und nicht zuletzt Stadtpräsident François Scheidegger nehmen eine Pistole zur Hand und absolvieren das Wettschiessen. Letzterer schafft in der ersten Serie gleich 3 Mal einen Zehner, das Maximum, doch es reicht nicht für die Spitze. Geschlagen werden sie nämlich alle von Bruno Schepis. Der inzwischen 80-jährige Meisterschütze war vor seiner Pensionierung Kanzleichef auf der Schuldirektion und rechte Hand von Schuldirektor Teddy Buser.

Vor dem gemeinsamen Mittagessen begrüsst Kommandant Robert Gerber weitere Gäste, unter ihnen Bürgergemeindepräsident Franz Schilt, Bürgergemeindeverwalter Renato Müller, dem der Heuschnupfen das Zielen verunmöglicht, SP-Grenchen Präsident Remo Bill, der trotz Grenadier-Vergangenheit aufs Schiessen verzichtet, SWG-Chef Per Just, der froh ist, nicht schiessen zu müssen, CVP-Gemeinderat Andreas Kummer und FDP-Gemeinderat Hubert Bläsi, die sich beim Zuschauen amüsiert haben und weitere. Man diskutiert, politisiert und unterhält sich mit den Beamtinnen und Beamten der Stadtpolizei. Für sie geht der Wettbewerb am Nachmittag weiter,