Wenn man sich von Süden der Stadt nähert, ist sie unübersehbar: die Tennishalle mit ihrer gewagten Dachkonstruktion, deren gewellte Silhouette mit der Jurakette im Hintergrund korrespondiert.

Vier der heutigen sechs Beton-Dachschalen entstanden 1978, zwei weitere wurden 1993 hinzugefügt. Jede der dünnwandigen Schalen überspannt ein Tennisfeld (rund 17 mal 48 Meter).

Ideengeber für das Bauwerk war der Grenchner Architekt Hans Peter Gutknecht. Dieser war bereits in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts als begeisterter Tennisspieler Mitglied des Tennisklubs an der Staadstrasse.

Hans Peter Gutknecht ist auch heute noch als Architekt aktiv.

Hans Peter Gutknecht ist auch heute noch als Architekt aktiv.

Als die Idee einer Tennishalle aufkam, zögerte Gutknecht nicht lange und entwarf ein Modell, dessen Dachform die Flugbahn der Tennisbälle aufnimmt.

«Ich kannte den Bauingenieur Heinz Isler und dessen Arbeit mit Freiform-Schalen», führt er dazu aus.

Man einigte sich darauf, das Werk in Beton zu erstellen: «Dies war zwar bei der Erstellung einiges teurer als andere Materialien (Stahl-Holzkonstruktionen), wir gingen aber davon aus, dass sich diese Mehrinvestitionen in Beton (detaillierte Konstruktions- und Betriebskostenanalysen wurden gemacht) wegen der geringeren Betriebskosten längerfristig auszahlen sollten.»

In der Praxis lag man damit goldrichtig. Während in den Neunzigerjahren diverse Tennishallen Konkurs anmelden mussten, gedieh das Grenchner Projekt prächtig, so- dass 1993 gar zwei neue Plätze und ein Restaurant erstellt werden konnten.

Diese Erweiterung wurde allerdings vom Solothurner Büro Bader ausgeführt. «Ich hatte damals auch ein Projekt. Man entschied sich aber dafür, dem anderen, das einen grösseren Restaurationstrakt vorsah, den Vorzug zu geben», erklärt Hans Peter Gutknecht dazu ohne jegliche Verbitterung.

Er hat sich auch weiterhin in der «Tennishalle Grenchen AG» engagiert und kann zur damals gefällten Entscheidung stehen.

Patentierung verpasst

Eines würde er aber anders machen. Seine Idee mit den gewellten Dächern würde er sich heute patentieren lassen. Da er dies damals unterliess, kam der Burgdorfer Bauingenieur Heinz Isler zum Handkuss.

Diverse Tennisanlagen (Sion, St. Moritz, CIS Solothurn, Chaux-de-Fonds etc.) erstellte dieser nämlich in der Folge und in gleicher Bauweise. «Daran habe ich damals schlicht nicht gedacht», meint Hans Peter Gutknecht lakonisch.

Aber kehren wir zurück zu den Anfängen. An einen Bau neben der bestehenden Anlage des Tennisclubs war in den Siebzigerjahren nicht zu denken, da sich diese bereits in der Naturschutz-Zone befand.

Also nahm man Verbindung zur Stadt auf, welche das Ganze gleich mit dem Projekt einer Mehrzweckhalle koppeln wollte. Diese Idee setzte sich aber nicht durch, und so konnte die in der Zwischenzeit gegründete Aktiengesellschaft die neue Halle in der Sportzone realisieren.

Und dies geschah in rekordverdächtiger Zeit. Die AG wurde nämlich im April 1978 ins Leben gerufen, am selben Abend noch die Arbeiten vergeben und bereits im Herbst gleichen Jahres stand das Gebäude.

Der Betrieb im architektonischen Schmuckstück läuft übrigens noch immer bestens. Die Plätze sind zu 80–90 Prozent ausgelastet, wohl auch nicht zuletzt deswegen, weil man nur moderate Preise verlangt.

Dazu ist der Bau noch immer erstaunlich gut im Schuss. «Wir entschieden uns bereits zu Beginn, den Bau nicht mit einem Anstrich zu versehen. Er sollte auf natürliche Weise verwittern. Bis auf ein paar kleinere Flickwerke, mussten wir dann auch nicht allzu viel daran machen», erklärt der 73-Jährige.

Etwas Sorgen bereitet hingegen der «Saure Regen». Allerdings kontrolliere man dessen Auswirkungen genau und sei bereit, entsprechende Massnahmen zu ergreifen.

«Mehrzweck»-Halle

Weitsicht zeigte man übrigens auch, indem man auf der Ost- und der Westseite grosse Öffnungen einbaute. Die Halle wird so von Licht durchflutet und garantiert eine vor allem im Sommer willkommene natürliche Querlüftung.

Und nicht zuletzt kann das Gebäude deswegen nun doch auch diversen anderen Zwecken dienen. Erinnert sei an grössere Generalversammlungen, Autoausstellungen oder die Triennale für Originalgrafik, welche demnächst wieder zu Gast sein wird.

Der Architekt Hans Peter Gutknecht hat in Grenchen noch weitere Spuren hinterlassen. Das neue Spital stammt von ihm, dazu das Betriebsgebäude der Busbetriebe. Allgemein hat er sich einen Namen gemacht als Erbauer diverser Bauten im Gesundheitswesen und qualitativ hochstehender Privathäuser.

Er ist auch weiterhin aktiv. «Solange es die Gesundheit zulässt und Aufträge da sind, werde ich weiter als Architekt tätig sein», erklärt er dazu.

Fussball-Reminiszenz

Schliesslich dürfte es beim Namen Hans Peter Gutknecht insbesondere beim einen oder anderen Fussballfan noch klingeln. Als sich der FC Grenchen 1959 anschickte, in Bern den Cupfinal zu bestreiten (und zu gewinnen) verletzte sich der Stammgoalie Carlo Campoleoni (übrigens auch ein Architekt, von ihm stammt die Stadiontribüne).

Den erst 17-jährigen Vertreter, eben Hans Peter Gutknecht, wollte man nicht ins kalte Wasser werfen und holte Legende Erwin Ballabio zurück.

Eine Laune der (Sport-)Geschichte und die Prognose seien gewagt: Die Tennishalle wird noch stehen und an ihren geistigen Erbauer erinnern, wenn schon niemand mehr weiss, dass der FCG einmal Cupsieger war.