Im Herbst trage ich eindeutig den falschen Namen. Läubli müsste ich heissen oder Schneider wenigstens, vielleicht auch Rechsteiner! Wer selber einen Garten hat, der weiss, wovon ich spreche. Laubrechen und Büsche schneiden sind angesagt und man fühlt sich wie der König namens Sisyphus in der griechischen Sage, der einen Stein den Hang hinaufrollen musste und als er oben war, da rollte der Stein erneut hinunter. Immer und immer wieder. Sisyphus ereilte die Strafe seiner unerbittlichen Götter, die wahrscheinlich nicht wussten, dass es keinen Stein gebraucht hätte, um Sisyphus zu strafen. Nur ein paar Bäume, ein wenig Hausreben, etliche Büsche, das wäre perfekt gewesen und hätte vollkommen genügt. Wer in diesen Tagen die vielen, unendlich vielen Blätter zusammenrecht und nach Stunden endlich das Gefühl hat, es sei geschafft, nun, der hat sich geirrt. Auf die Minute genau nach Ende der schweisstreibenden Arbeit mischt sich der Wind ein, bläst seine Backen auf und lässt weitere gefühlte Millionen von Blättern fallen, dass es keine Freude ist.

Das Blatt hat sich noch nicht gewendet, solange es nicht auf dem Boden liegt und in die Grüntonne gewandert ist. In dieser Angelegenheit nehme ich kein Blatt vor den Mund. Im Gegenteil. Ich suche nach blättrigen Alternativen und werde erstaunlicherweise nach kurzer Zeit fündig. Mein Weg führt geradewegs in die Stadtbibliothek Grenchen. Was, Sie kennen die Bibliothek noch nicht? Dann wird es höchste Zeit für einen Besuch. Auch wenn Sie keinen Garten ihr Eigen nennen, auch wenn Sie im Laufe der Zeit etliche Laubresistenzen gebildet haben, es ist nie zu spät, in Büchern zu blättern. Nach Herzenslust zu schmökern, in Krimis, Romanen, Kochbüchern, Bilderbüchern, Comics und nicht zuletzt auch in Bastelbüchern, in denen Tipps für eine herbstliche Gestaltung Ihrer vier Wände zu finden sind, beispielsweise: «Wie gestalte ich ein wunderschönes Bild aus farbigen Laubblättern und was benötige ich, um ein solches Kunstwerk herzustellen?» In erster Linie also Laub – ist im Übermass vorhanden –, einen grossen Karton und eine Tube Fast-Alles-Kleber. Und dann bitte lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, gestalten Sie nach Herzenslust, zeigen Sie den Blättern den Meister, nageln Sie sie fest! Oder füllen Sie hübsch gemusterte Stoffsäckchen mit viel Laub und verschenken Sie diese an Ihre hoffentlich zahlreichen Freunde, die Sie dann darüber in Kenntnis setzen müssen, dass diese einmaligen Geschenke nicht nach Lavendel duften, dafür aber wundersam rascheln.

Bereits nach wenigen Minuten also hat sich ein Besuch in der Stadtbibliothek Grenchen mehr als gelohnt und Sie dürfen weiterblättern, solange Ihnen danach ist und die Bibliothek geöffnet hat. Natürlich dürfen Sie einige Bücher mit nach Hause nehmen, leihweise, und darin weiterblättern, wann immer Sie möchten. Stunden später haben Sie ein Buch fertig gelesen, auf dem letzten Blatt steht «Ende». Für heute hat es sich ausgeblättert. Spannend war sie, die Geschichte, die Laubhaufen, die sich während Ihrer Lesereise angehäuft haben, haben Sie sich lesenderweise kurzerhand weggeblättert und Sie fühlen sich wie frisch entlaubt.