Grenchen
Heli-West behauptet sich in einem schwierigen Geschäftsfeld

Seit über 10 Jahren ist die Firma Heli-West auf dem Regionalflughafen Grenchen aktiv. Hinter dem mit viel Herzblut betriebenen kleinen Flugunternehmen stehen Hans Wüthrich und Monika Arbenz. Das Paar hilft auch mit, die Helidays zu organisieren.

Peter Brotschi
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Das Heli-West-Team mit Leidenschaft für Drehflügler. Von rechts: Inhaber Hans Wüthrich, Geschäftsführerin Monika Arbenz, Tochter Seline Arbenz (Administration) und Pilot Rolf Frutschi.

Das Heli-West-Team mit Leidenschaft für Drehflügler. Von rechts: Inhaber Hans Wüthrich, Geschäftsführerin Monika Arbenz, Tochter Seline Arbenz (Administration) und Pilot Rolf Frutschi.

Peter Brotschi

In der Helikopter-Fliegerei finden auf den Stufen der Länder und international Wettbewerbe statt. Da geht es vor allem um das präzise Fliegen. Der Seeländer Unternehmer Hans Wüthrich nahm an solchen Meisterschaften teil zusammen mit seiner Partnerin Monika Arbenz. Ihre Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Österreich im Jahr 2002 war der Startschuss zum heutigen Unternehmen: Statt immer einen Drehflügler zu mieten für das Training, war dies die Initialzündung zur Gründung von Heli-West und zum Kauf eines Robinson R44, der mit einem Kolbenmotor angetrieben wird.

Zuerst auf dem Flughafen Bern-Belp tätig, kam 2004 unter dem damaligen Flughafendirektor René Meier der Umzug von Heli-West nach Grenchen.

Nur noch Turbinenhelis

Später wurde die Flotte erweitert mit einem Eurocopter (heute Airbus Helicopter) EC 120B Colibri mit der Registrierung HB-ZGQ, einem Turbinenhelikopter. Dann folgte der zweisitzige Schulungsheli Robinson R22, der bei einem für die Besatzung glimpflich verlaufenen Unfall zerstört wurde. «Das löste bei uns den Entscheid aus, nur noch mit Turbinenhelis zu arbeiten», sagt Geschäftsführerin Monika Arbenz. Zum Europäer Colibri kam ein Amerikaner hinzu, nämlich der Bell 206 Jet Ranger HB-XHO.

Grossanlass auf dem Flughafen

Am kommenden Samstag und Sonntag, 25. und 26. April, findet auf dem Regionalflughafen Grenchen das traditionelle Heli-Weekend statt. Jeweils ab 9 Uhr ist Fly-in von auswärtigen Helikoptern. Neben vielen zivilen Helis ist wiederum der riesige Sikorsky S-65 (ehemalige Bezeichnung: CH-53) der deutschen Luftwaffe zu Gast. Die Schweizer Luftwaffe ist mit den Demonstrationen des Super Pumas sowie den Fallschirmaufklärern präsent. An beiden Tagen gibt es eine Vorstellung des Rega-Teams und Vorträge von Bruno Jelk, dem Rettungschef von Air Zermatt, der rund 3000 Rettungseinsätze und 500 Totenbergungen erlebt hat. Auch Air Zermatt fliegt Vorführungen. Zu finden sind weiter Verkaufsstände und eine Festwirtschaft. Das Organisationskomitee ist zusammengesetzt mit Hans Wüthrich und Monika Arbenz von Heli-West, John Traub (Airport Hotel), Ruedi Boser (Rotortec AG) sowie Ernest Oggier (Flughafendirektor) und Micheline Gaschen (COO Flughafen Grenchen). (pbg)

Hauptaktionär von Heli-West ist Hans Wüthrich, der auch die Segra AG in Ried bei Kerzers, eine Firma für Granit- und Marmorverarbeitung, besitzt und leitet. Monika Arbenz, die kommunikative und stets fröhliche Privatpilotin, leitet das operative Geschäft und gab dafür ihren eigentlichen Beruf als Lehrlingsausbildnerin auf.

Die Leidenschaft für die Sache ist im Büro von Heli-West zu spüren, das in Containern auf der Nordseite des Flughafens Grenchen untergebracht ist. Die muss auch vorhanden sein, denn die Konkurrenzsituation unter den helvetischen Heliunternehmen ist gross. «Das Geschäftsfeld ist sehr schwierig», sagt Monika Arbenz, «grosses Geld lässt sich damit nicht verdienen.» Aber sie könne Beruf und Hobby vereinen und habe täglich grossen Spass an ihrer Arbeit. Nur so sei es möglich, eine Firma dieser Art zu führen.

Keine Lastenflüge

«Meine Freude am Kontakt mit den Kundinnen und Kunden ist grösser, als selber im Cockpit zu sitzen», hält Monika Arbenz fest. Für die kommerziellen Flüge werden nur vier Piloten mit Berufslizenz und langjähriger Erfahrung eingesetzt, drei davon sind auch Fluglehrer und der vierte war beruflich Flugkapitän bei der Swissair. Die Geschäftstätigkeit teilt sich je etwa zur Hälfte auf in Ausbildungsflüge und eben kommerzielle Einsätze. Das sind beispielsweise Geburtstags- und Hochzeitsflüge, aber auch für Film und Fotos. Flüge mit untergehängter Last gibt es keine, dafür aber Schnupperflüge: Da können Interessierte einmal im Leben zusammen mit einem Fluglehrer ausprobieren, wie sich ein Helikopter fliegen lässt.

Monika Arbenz und Hans Wüthrich freuen sich auf das kommende Heli-Weekend. Arbenz: «Seit dem ersten Heli-Weekend kam fast jede Mitbewerberfirma nach Grenchen. Obwohl die Geschäftssituation nicht einfach ist, fühlen wir uns nicht als Konkurrenten, sondern haben ein gutes Verhältnis untereinander.» Es gebe in der heutigen Welt so viele, die gegeneinander arbeiteten. «Das möchte ich nicht», betont die Geschäftsfürerin von Heli-West. «Ich biete nie einen Einsatz von einem anderen Flugplatz aus an, wo selber eine ansässige Helifirma vorhanden ist.»

Wichtige Ausbildung

Für das Heli-Weekend setzt sie sich erneut das Ziel, den Interessierten das Fluggerät Helikopter näherzubringen und dass die Besucherinnen und Besucher ungezwungen mit Fachleuten diskutieren können.

Wichtig sei auch zu zeigen, dass es eine gute Ausbildung braucht, da auch mal ein Schwebeflug oder eine Aussenlandung irgendwo in der Landschaft nötig seien. «Denn es wird niemand», so Monika Arbenz», direkt als Pilotin oder Pilot der Rega geboren.»