Er trägt zwar einen geschmackvollen, gut sitzenden Anzug, kommt jedoch eher unspektakulär daher. Aber was er sagt, das hat es in sich, ist komisch, ohne zum einfachen Kalauer zu verkommen. Dazu hat er das Publikum voll im Griff, ohne sich wirklich anzubiedern.

Singen kann er auch noch, obwohl er sagt, dass nach seinen ersten Versuchen in diesem Genre «Amnesty International» gegründet worden sei. Seine Zaubereien sind verblüffend, obwohl er sie ohne die manchmal so übliche Hektik rüberbringt und sie tatsächlich äusserst transparent wirken. Einfach herrlich, wenn er einen Seiltrick mit dem Lied «mein kleines weisses Seil» (frei nach den Comedian Harmonists) unterlegt.

Verspielter Textkünstler

Vor allem hat er aber immer die Sprachhoheit. Seine Texte strotzen nur so von überschäumender Verspieltheit. Seine sitzenden End-, Stab- und Schüttelreime kommen innovativ bis gewagt daher und sind doch jederzeit ein poetischer Hochgenuss.

Schlichtweg genial agiert er beim Entstauben von ollen Klassikern. So vereint er zum Beispiel Schillers ellenlange Balladen von der Glocke und vom Taucher kurzerhand zu einem ebenso süffigen wie gehaltvollen Achtzeiler, die «Taucherglocke» eben. Auch der «Erlkönig» wird zurechtgestutzt. Ihn bietet er ganz zum Gaudi des Publikums dazu noch in einer schwäbischen und einer friesischen Fassung an. Die grossen dramatischen Stücke wie «Wilhelm Tell» oder «Romeo und Julia» streicht er auf jeweils drei Minuten. Wobei streichen nicht wirklich die richtige Wortwahl ist, denn bei diesem Künstler werden diese zu eigenständigen Werken, voll augenzwinkernder Heiterkeit. Oder versuchen sie mal, ein Gedicht zu schreiben, in welchem Dschihad, Beirut, Libanon, Tel Aviv, Jerusalem, Hisbollah, Hamas, Fatah und Gazastreifen vorkommen. Für Helge Thun scheint dies nur eine weitere Fingerübung zu sein. Zum Genuss werden solche sprachlichen Höhenflüge vollends dadurch, dass ihr Verfasser auch ein äusserst beschlagener Vortragender ist. Schliesslich offenbart der Norddeutsche auch schauspielerisches Talent, etwa mit einer mehr als nur anregenden Rap-Parodie oder dem gesungenen «Cha-Cha-Cha» zu einem weiteren verblüffenden Zaubertrick.

Helge Thun im Kleintheater: Das war kurzweilige Unterhaltung, dargeboten von einem Künstler, der gleich mit verschiedenen, ganz unterschiedlichen Talenten gesegnet ist.