Arbeitsplatz Flughafen
«Helfen, wo wir können»: Der Platzdienst am Grenchner Flughafen hat ein weites Aufgabengebiet

Robert Kaiser ist «Mädchen für alles» am Grenchner Flughafen – und trägt grosse Verantwortung. Der vierte Teil unserer Sommerserie «Arbeitsplatz Flughafen».

Nadine Schmid
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Robert Kaiser ist unter anderem zuständig für die Flugplatzfeuerwehr, die innert 3 Minuten am Schadenplatz sein muss.

Robert Kaiser ist unter anderem zuständig für die Flugplatzfeuerwehr, die innert 3 Minuten am Schadenplatz sein muss.

Oliver Menge

Es ist früh morgens. Pflichtbewusst steht der zuständige Angestellte für den heutigen Platzdienst einsatzbereit. Damit der Flugbetrieb aufgenommen werden kann, muss täglich einiges an Vorarbeit geleistet werden: Die Piste und die Flughafenbefeuerung müssen gemäss zertifizierten Flughafenprozessen auf ihren Zustand überprüft und ein möglicher Feuerwehreinsatz sichergestellt werden.

Sommerserie: Jobs am Flughafen

Der Flughafen ist für Grenchen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In unserer Serie «Arbeitsplatz Flughafen» stellen wir verschiedene Menschen, Firmen und Tätigkeiten vor, die man auf dem Flughafenareal antrifft.

Heute sind wir zu Besuch bei Robert Kaiser, langjähriger Mitarbeiter beim Platzdienst. Unter anderem zuständig für den Bereitschaftsdienst der Flughafenfeuerwehr und für die Sicherstellung eines sicheren Betriebs, wozu die Pisten-, Befeuerungs- und Treibstoffkontrolle gehören.

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Im Moment beschäftigt der Flughafen Grenchen fünf Mitarbeiter im Platzdienst. Einer von ihnen ist Robert Kaiser. Vor 15 Jahren sei der Job noch von einem Mann erledigt worden, erinnert er sich. Zusätzliche Aufgaben hätten dann aber weitere Mitarbeiter erfordert und man schrieb die Stellen aus. Und auf dieses Inserat habe er sich beworben, sagt Kaiser, der im Vorfeld eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und anschliessend als Landwirt sowie als Lastwagenchauffeur gearbeitet hatte.

«Das Technische hat mich schon immer interessiert. Um diesen Job zu machen, muss man ziemlich angefressen sein von der Fliegerei», sagt er mit einem Grinsen. Auch gefalle ihm an seiner Arbeit, so zahlreichen, verschiedenen Persönlichkeiten auf dem Flugplatz begegnen zu können, vom Besucher über den Flugschüler bis hin zum Piloten.

Helfen, wann immer möglich

«Unsere Devise ist zu helfen, wo wir können und gebraucht werden», erklärt Kaiser. Ein Grossteil der Arbeiten des Platzdienstes nimmt der Platzunterhalt ein, wozu die Areal- und Parkplatzpflege gehören. Aber: Die Sauberkeit der Piste ist das A und O. «Wir fahren täglich die Piste ab, um zu schauen, ob Fremdkörper auf der Piste liegen. Regelmässig reinigen wir sie mit einer Art Teppich, den man an einem Fahrzeug montieren kann, das ist am gründlichsten.»

Dreck gibt es schnell: Vögel können Objekte auf die Piste transportieren oder Flugzeuge ein Teilchen verlieren. Jede Reinigung werde dokumentiert, aus Sicherheitsgründen. «Wenn ein Pilot beispielsweise an unserem Flughafen vorbeikommt und kurz darauf einen Schaden an seinem Flugzeug feststellt, wird kontrolliert, wann die Piste zuletzt gewischt wurde.»

Fliegerlatein: NOTAM – NOticeTo AirMen

An einem Flughafen hat alles seinen genauen Ablauf, jedoch kann es auch an einem Flughafen vorkommen, dass es zu Abweichungen kommt. Dafür gibt es das NOTAM, das in solchen Fällen immer weltweit publiziert wird. Auch Robert Kaiser hat solche bereits eingegeben, beispielsweise bei kleineren Bauarbeiten.

Ein Notam gilt für einen Flughafen als Absicherung dafür, dass die Piloten über Änderungen informiert sind. Das Lesen eines Notams gehört bei Piloten zur Vorbereitung. Dabei sieht einNotam für einen Laien aus wie ein unentzifferbarer Code aus Zahlen und Buchstaben, doch zurechtfinden kann man sich nach einer kurzen Einführung relativ schnell.

Aktuell ist für den Grenchner Flughafen ein Notam eingetragen, das am 01. Juli startet und bis 30. September dauert. Es informiert darüber, dass jeweils sonntags und montags in Grenchen ein Luftraum ohne Flugsicherung aktiv ist.

Der Platzdienst mäht den Rasen und befreit das Areal von Schnee, bei Bedarf zusammen mit Partnern aus der Region. Auch die Reinigung des eigenen Betriebs sowie kleinere Bauarbeiten auf dem Areal gehören zu den Aufgaben; bei grösseren Bauprojekten begleitet der Platzdienst die externen Firmen jeweils auf das Gelände. Unbeaufsichtigt wird niemand allein hereingelassen.

Der Platzdienst hat in all den Jahren eine grosse Entwicklung durchgemacht. Seit fünf Jahren arbeitet jeder der Platzdienst-Verantwortlichen 60 Prozent und in den meisten Fällen noch in einem anderen Metier. Kaiser wohnt in Leuzigen und führt dort mit seiner Ehefrau einen eigenen Bauernbetrieb mit Mutterkühen und Ackerbau. «Jeder von uns fünf kommt aus einem anderen Berufszweig und ist so auf einem Spezialgebiet etabliert, was für den Platzdienst von Vorteil ist. So beispielsweise ist einer meiner Kollegen aus dem Schreinerhandwerk, ein anderer aus dem Metallgewerbe.» Eine gute Mischung im Team sei vorteilhaft, denn schliesslich sei man irgendwie Mädchen für alles und müsse in vielen verschiedenen Bereichen im Stande sein, solide Arbeit zu leisten.

Feuerwehr garantiert Ersteinsatz

Der Platzdienst garantiert den Ersteinsatz der Flughafenfeuerwehr. «Der Flughafen hat eine eigene Feuerwehr, weil ein Flughafen nach der internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) garantieren muss, dass die Feuerwehr innert drei Minuten mit dem vollständigen Material an der Schadenstelle sein kann. Wir können zusätzlich auf die Unterstützung der Stadtfeuerwehr, der Polizei und der Rettungsdienste zählen, wenn nötig.»

Alle drei Jahre gebe es eine grosse Notfallübung, bei der alle Dienste involviert seien. Kaiser: «Schwere Unfälle hat es in den letzten Jahren glücklicherweise nicht gegeben. Ausrücken müssen wir rund 10 bis 12 Mal im Jahr, meist wegen eines kleineren technischen Defekts an einem Flugzeug.»

Der Platzdienst stellt auch sicher, dass immer genügend Treibstoff vorhanden ist, was maximal 80'000 Litern entspricht. «An einem Sommerwochenende werden gut 7000 bis 8000 Liter Treibstoff verbraucht.» Dabei werde nur zertifizierter Treibstoff verwendet. «Wir haben am Grenchner Flughafen Treibstoff von bester Qualität, also einen Treibstoff, der frei von Wasser, Festkörpern und Keimen und damit tadellos sauber ist.»

Dieser werde auch jeweils vom Platzdienst auf seine Sauberkeit überprüft. «Wenn es Wasser im Treibstoff hat, zieht dies Bakterien an, die sich dort ihren Lebensraum aufbauen. Und Bakterien greifen die Turbinen an. Bei einem Auto ist es oft nicht so tragisch, das bleibt einfach stehen und ist am Boden, aber das Flugzeug ist in der Luft.» Bei grösseren Jets, die in höheren Lagen fliegen, bestünde zudem die Gefahr, dass das Wasser gefriere und damit die Düsen verstopfe.

Die strengen Vorschriften kommen von der Passagierluftfahrt. «Bei einem Unfall wird immer eine Treibstoffprobe genommen und geprüft, wo der Pilot zuletzt getankt hat», so Kaiser.
Die geschilderten Aktivitäten sind nur ein Teil der umfangreichen Tätigkeiten des Platzdienstes. Und schliesslich kommt er noch auf die nahe Zukunft zu sprechen. Seit 20 Jahren sei ein neuer Werkhof in Diskussion. Nun werde dieser realisiert. «Das Baugesuch ist eingereicht», so Kaiser.