Das (vorwiegend weibliche) Publikum feierte das Ensemble nach einem zweistündigen furiosen Auftritt begeistert. Autor Tilmann von Blomberg hat ein Stück geschrieben, dass nur so strotz vor geistvollen Dialogen, scharfen Spitzen und Emotionen. Und dann diese Musik: Bekannte Pop- und Rocksongs, aber auch Schnulzen und Klassiker der Discowelle sowie Jazzstandards, zu denen Bärbel Arenz äusserst gelungene deutsche Liedtexte geschrieben hat.

Am Flughafen treffen vier Frauen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch zwei Dinge verbindet: Ihr Flug nach New York verspätet sich und sie befinden sich in den Wechseljahren (oder kurz davor). Charlotte Heinke gibt die selbstbewusste Karrierefrau, die sich ihre Männer nimmt, wie es ihr passt, die aber blöderweise ihre Unterlagen für ein äusserst wichtiges Meeting vergessen hat, mit einer ungeheuren Intensität. Martina Mann versieht die Dame aus vornehmem Haus, die Ärger mit ihrer Tochter hat und deren greiser Vater aus dem Altenheim ausgebüchst ist, mit einer grandiosen, unterkühlten Abgeklärtheit. Die Hausfrau mit drei Kindern und einem Ehemann, für den sie vorgekocht hat, fliegt zum ersten Mal.

Alle finden ihre Bestimmung

Angelika Mann spielt sie ebenso gestresst wie voller Lebensweisheit und brilliert vor allem mit ihren Blues-und Rockeinlagen. Susanne Eisenkolb schliesslich verleiht der von unerfülltem Kinderwunsch getriebenen ewigjungen Dauerverlobten eine Emotionalität, die einfach berühren muss. Alle vier werden übrigens  ihre Bestimmung finden.

Vor allem aber spielen, singen, tanzen und steppen sie sich durch das Programm, dass es einen kaum mehr auf den Sitzen hält. Dabei kreist alles um dasselbe Thema, die Wechseljahre. Nichts wird ausgelassen: Hitzewallungen, Panikattacken, Schlaflosigkeit, unkontrollierbare emotionale Ausbrüche etc. etc. Dass die Männer dabei nicht immer gut wegkommen, versteht sich von selbst. Die Bandbreite ihrer Ausdrucksweise ist dabei beeindruckend: Zornig, unverblümt, spitzfindig, berechnend, frivol, emotionsgeladen oder auch einschmeichelnd. Immer aber mit diesem Augenzwinkern versehen, das besagtem Thema seinen vermeintlichen Schrecken nimmt. Nicht umsonst wird in einem Lied frisch-fröhlich gesungen: „Ich freu mich auf die Wechseljahre, auf die Zeit, die mich befreit“.

„Heisse Zeiten-Wechseljahre“ ist ein Bühnenspass erster Güte, nicht nur für Frauen. Und sollte Mann nicht alles verstanden haben, gibt es trotzdem Hoffnung. Der Autor hat ein Nachfolgewerk geschrieben: „Mann o Mann. Die Midlife-Crisis-Revue“, in dem Männer ihre Lebenskrise besingen. Hoffentlich demnächst auch in diesem Theater.