Streit

Hausverwaltung schwärzt 78-jährige Abwartin an

Anneliese D’Ippolito hat genug von den Anschuldigungen der Bieler Liegenschaftsverwaltung.  fup

Anneliese D’Ippolito hat genug von den Anschuldigungen der Bieler Liegenschaftsverwaltung. fup

Auswärtige Liegenschaftsverwalter sind nicht besonders beliebt. Auch Abwartin Anneliese D’Ippolito musste erfahren, weshalb. Ihr wurde der Job gekündigt. Ihre Wohnung könnte sie nun ebenfalls verlieren.

«Das habe ich nicht verdient», sagt Anneliese D’Ippolito. Sie war eine gute Hauswartin. Die Bewohner, die im Versteckten über die 78-Jährige aus dem Lingeriz lästern, sagen, an ihrer Arbeit habe es nie etwas auszusetzen gegeben. Mit ihrer Leistung habe der Konflikt nichts zu tun, gibt auch die Sachbearbeiterin der Bieler Liegenschaftsverwaltung zu, die lieber anonym bleibt. Es gehe darum, wie D’Ippolito mit anderen Mietern umgeht.

Mitte März wurde Anneliese D’Ippolito deshalb der Job gekündigt. Jetzt droht ihr die Verwaltung sogar mit der Kündigung der Wohnung, in der sie zusammen mit ihrem Mann wohnt. Tatsache sei, sagt die Verwalterin, wegen Frau D’Ippolito habe man seit Jahren Beschwerden. Einige Mieter hätten ihretwegen sogar gekündigt.

Die Grundeigentürmerin des Hauses, die Infra Immobilier SA, hat ihren Sitz im Jura. Auch dort will der Sachbearbeiter seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. «Anneliese D’Ippolito hat sich angeblich zu oft als Hobbypolizistin aufgespielt», bestätigt er die Vorwürfe. Sie habe anderen Mietern nachspioniert. Das Zusammenleben mit ihr sei wohl zu schwer geworden.

Der Stadtpräsident mischt sich ein

Die Anschuldigungen, dass sie eine unangenehme Person und eine Hobby-Polizistin sein soll, lässt die selbstbewusste Frau nicht auf sich sitzen. «Die Verwaltung macht mich schlecht, doch ich habe mir nie irgendetwas zuschulden lassen kommen. Das ist Verleumdung», donnert sie. Seit der Kündigung gehe es ihr sehr schlecht. «Ohne Beruhigungsmittel kann ich nicht einmal mehr schlafen.» Sie sei ein guter Mensch, unzählige Menschen würden dies bestätigen können. Und sie präsentiert eine Mieterumfrage, aus der hervorgeht, dass viele Mieter sie als Hauswartin schätzen. Überall hat sie sich nun beschwert: bei der Polizei, dem Mieterverband, sogar bei ihrem «guten Bekannten», dem Stadtpräsidenten.

Und der hat sich bei der Grundeigentümerin schriftlich für die ehemalige Hauswartin eingesetzt. «Sie hat diese Kündigung in keiner Art und Weise verdient und leidet sehr», schrieb Boris Banga Ende März. Aus dem weiteren Briefwechsel geht hervor, dass die Besitzerin den Argumenten des Stadtpräsidenten allerdings nichts abgewinnen wollte. Es sei doch wirklich nicht Sache eines Stadtpräsidenten, sich um solche Kleinigkeiten zu kümmern, die ihn nichts angehen.

Strafanzeige wegen übler Nachrede

Dass sich selbst der Stadtpräsident eingemischt hat, ist bestimmt unüblich. Wenn man bedenkt, dass die Stadt Grenchen regelmässig Probleme mit auswärtigen Grundeigentümern und Liegenschaftsverwaltern hat, aber schon weniger verwunderlich. Es soll in gewissen Quartieren sogar Verwaltungen geben, die in ihren Briefen weder Telefonnummer noch Adressen angeben.

Anneliese D’Ippolito ist sicher: «Die Vermieter interessieren sich gar nicht dafür, was hier tatsächlich passiert.» Nach der Kündigung des Jobs hatte sie sich in Biel beschwert. Die Verwaltung antwortete schriftlich, sie solle nicht weiterhin «Polizistin spielen», mit den Mietern in anständigem Ton sprechen und sie nicht dauernd kritisieren. Wenn das nicht bessere, «werden wir eine Kündigung Ihrer Wohnung in Erwägung ziehen.» Das gibt der tapferen Rentnerin den Rest. Sie hat nun Strafanzeige wegen übler Nachrede eingegeben.

Mieter sind geteilter Meinung

Fragt man bei anderen Hausbewohnern nach, entsteht kein einheitliches Bild. Ein Mann zieht weg, aus Ärger über die Rentnerin. Eine Mieterin sagt, Anneliese D’Ippolito habe ein gutes Herz, und auch wenn sie manchmal etwas schwierig sei, habe sie den Ärger nicht verdient. Der Sachbearbeiter der Grundeigentümerin weiss: «In dieser Angelegenheit gibt es sehr viele und sehr extreme Meinungen.» Die Wahrheit liege wie so oft wohl irgendwo dazwischen. Trotz aller Vorwürfe habe er Verständnis für die gute Frau.

Die Arbeit als Hauswartin war ihre grosse Leidenschaft. Dass sie dieser nicht mehr nachgehen darf, ein herber Verlust. «Rechtlich hat die Verwaltung keine Fehler gemacht», sagt der Sachbearbeiter. «Aber vielleicht hätte es anders laufen können. Ich weiss es nicht genau, ich wohne ja nicht dort.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1