«Eine Atmosphäre wie im Altersheim» oder «kitschiger Ramschladen»: Wenn Restaurantkritiker Daniel Bumann für den Sender «3+» durch Schweizer Gaststuben zieht, fallen bisweilen happige Sprüche. In jeder Sendung nimmt sich der 18-Sterne-Koch aus La Punt bei St. Moritz ein Restaurant vor, zeigt – plakativ zugespitzt – Missstände auf und rät den Wirten zu Verbesserungen. Vor eineinhalb Jahren hatte sich auch das Wirtepaar Rolf und Marietta Meier vom «Parktheater» in Grenchen für die Sendung gemeldet.

Obwohl Änderungen und Verbesserungen im «Parktheater» längst gegriffen haben, strahlt «3+» die Sendung nun erneut aus – als ob die Missstände noch aktuell wären. «Wann die Sendung ausgestrahlt wird, wissen wir nicht. Wir werden vorher nicht informiert», sagt Wirt Rolf Meier. Auch das Internet vergisst nichts: Alle Sendungen sind noch abrufbar. Wer nach dem Parktheater sucht, findet auch die Homepage des Fernsehsenders. Dies stört den Grenchner Wirt aber nicht. Er zieht eine positive Bilanz: Die Sendung sei gute Werbung gewesen.

Auch Spitzenköche liegen falsch

Negative Erfahrungen mit der Kundschaft hat Meier wegen der Sendung nicht gemacht, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass das «Parktheater» vergleichsweise gut wegkam. Bumann riet zwar zu einem moderneren und kreativeren Auftreten, das Essen im «Parktheater» wurde vom Spitzenkoch jedoch durchwegs gelobt. Eineinhalb Jahre nachdem Bumann vor Ort war, kann Rolf Meier selbst nun die Vorschläge des Gastrokritikers beurteilen. «Ich könnte das Salatbuffet nicht mehr wegdenken», sagt Meier. Noch immer stehen dort jeden Tag zwischen 33 und 35 frische Salate – wie es Bumann vorgeschlagen hatte.

Nicht alle Vorschläge des Spitzenkochs versprachen jedoch Erfolg für das Grenchner Wirtepaar: Die halben Menü-Portionen, die auf Anraten Bumanns aus der Speisekarte gestrichen wurden, finden sich dort wieder. Auch bezüglich der Gästezahl am Abend könne man, so Meier, nicht sagen, dass die Massnahmen konkrete Auswirkungen hätten.

Zumindest ideell ist der Restauranttester noch immer «omnipräsent» in der Gaststube des «Parktheaters». Dies liegt vor allem am breiten roten Streifen, den Bumann an die Wand der Gaststube zeichnen liess. «Sonst ist die Sendung nur noch ab und zu ein Thema, wenn wir zusammensitzen und darüber lachen», sagt Meier.

Offenheit ist notwendig

Über die finanzielle Situation wurde vor laufender Kamera gesprochen, Bumanns Kritik war auf fernsehtaugliche Schlagwörter zugespitzt worden. «Ich bin auch abgehärtet worden», sagt Meier. Wahrscheinlich würde er nicht mehr jede Kritik sofort akzeptieren. Zudem geht, so Rolf Meier, Bumanns Kritik viel weiter, als es der Zuschauer sieht – bisweilen auch unter die Gürtellinie: «Die Stunde, die die Zuschauer im Fernsehen sehen, ist nur ein kleiner Ausschnitt», sagt Meier. Es waren einige Stunden mehr aufgezeichnet – aber auch beraten worden. Rolf Meier beurteilt seine Teilnahme nicht negativ und würde wieder mitmachen: «Man muss offen sein, sonst bringt die Sendung nichts.»

«3+» war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.