Eusebiuskirche Grenchen
Harmonie von Bläsern und Stimmen

Das gemeinsame Weihnachtskonzert der Stadtmusik und der Chorformation Canta Gaudio in der Eusebiuskirche in Grenchen begeisterte das Publikum.

Oliver Menge
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Beim Finale traten die Stadtmusik und der Männerchor Canta Gaudio gemeinsam in Aktion.

Beim Finale traten die Stadtmusik und der Männerchor Canta Gaudio gemeinsam in Aktion.

Oliver Menge

Wenn die beiden grossen Vereine, die Stadtmusik und «Canta Gaudio», zusammen ein Weihnachtskonzert geben, dann ist das in Grenchen schon so etwas wie ein gesellschaftliches Ereignis. So war denn auch nicht verwunderlich, dass gegen 300 Personen, unter ihnen Stadtpräsident François Scheidegger und zahlreiche Gemeinderäte, der Einladung am Samstagabend in die Eusebiuskirche gefolgt waren.

Während draussen ein stürmischer Wind um die Ecken pfiff, entführten die beiden Formationen das Publikum in eine andere Welt. Die Stadtmusik unter der Leitung ihres Dirigenten Rainer Ackermann eröffnete das Konzert mit den bekannten «Dances from Terpischore» von Michael Praetorius.

Praetorius, (1571– 1621), war deutscher Komponist, Organist und Hofkapellmeister. Er schrieb eine grosse Zahl Kirchenkompositionen, aber auch weltliche Tänze, die er in seiner Sammlung «Terpischore» veröffentlichte, der Name der griechischen Muse des Tanzes.

Das Stadtorchester eröffnete den Reigen mit fünf dieser Tänze beschwingt, brachte den schwermütigen Teil, der sich durch einen Dialog zwischen Klarinetten und Bläsern auszeichnet, harmonisch zum Ausdruck. Auch die weiteren Tänze, der dynamische Mittelteil und der akzentuierte Schlusstanz, wurden mit Bravour vorgetragen.

Theo Schaad, der den Abend moderierte, entführte das Publikum mit dem Gedicht von Theodor Fontane «Alles still» in eine kalte, verschneite und geräuschlose Winterlandschaft.

Brillante Leistung des Solisten

Das Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), Köchelverzeichnis 622, ist eines der letzten Werke des Komponisten und sein letztes Instrumentalwerk, er vollendete es in seinem Todesjahr. Die Stadtmusik brachte den 2. Satz Adagio zur Aufführung. Sven Schär brillierte als Solist mit klarer und prägnanter Intonation.

Ein anspruchsvolles, sanftes Stück für Solist und Orchester, mit feinen Akzenten, die aufgrund der akustisch schwierigen Bedingungen in der Kirche zum Teil etwas schwammig wirkten, jedenfalls im hinteren Bereich des Saals, wo die akustischen Defizite eines Kirchenschiffs deutlicher wurden als in den vorderen Reihen. Das Publikum belohnte die bravouröse Leistung des Orchesters und des herausragenden Solisten mit lang anhaltendem Applaus.

Das gewaltige Finale der Komposition «Aus der Neuen Welt» von Antonin Dvorak (1841–1904) dürfte auch jungen Leuten bekannt sein: Es diente unter anderem den Komponisten des Soundtracks der ersten «Star Wars»-Trilogie als Grundlage, Teile daraus sind unverkennbar. Auch «Herr der Ringe» bediente sich im zweiten Teil der Trilogie bei Dvorak. Dieser hatte diese 9. Sinfonie nach einem Aufenthalt in Amerika geschrieben und sich dabei auch von indianischen Motiven inspirieren lassen.

Die Stadtmusik präsentierte den gewaltigen 4. Satz sehr rhythmisch und dynamisch. Ackermann hatte in seiner Bearbeitung des Stückes, das im Grunde nach einer grossen Anzahl Streicher verlangt, ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Klarinetten übernahmen wichtige Parts und insbesondere das Blech überzeugte, allen voran die starken Tuben. Das gesamte Orchester bot mit diesem Stück eine überzeugende und bemerkenswerte Darbietung.

Harmonische Männerstimmen

Die Chorformation Canta Gaudio bot mit Ludwig van Beethovens «Hymne an die Nacht» den 2. Satz der Klaviersonate Nr. 23 mit dem Beinamen «Appassionata» eines der bekanntesten Werke des Komponisten dar. Die 37 Männerstimmen unter der Leitung von Theo Schaad, der für den verhinderten Dirigenten Beat Möri einsprang, überzeugten mit klarer Intonation und klarem Ductus sowie präziser Stimmführung und Rhythmik.

Auch der Gospel «My Lord, what a beautiful morning», das Lied «Über den Sternen» von Franz Abt und der Kanon «Dona nobis pacem» – der Chor hatte kurzfristig sein angekündigtes Programm geändert – wussten zu gefallen. «Canta Gaudio» machte ihrem Namen alle Ehre und demonstrierte die Freude am Gesang bravourös.

Die Stadtmusik brachte mit «A Christmas Festival» ein Potpourri bekannter Weihnachtslieder, arrangiert durch den bekannten amerikanischen Komponisten Leroy Anderson (1908–1975), zur Aufführung. Anderson war unter anderem dafür bekannt, dass er ungewöhnliche Instrumente einsetzte, so zum Beispiel eine Schreibmaschine oder Sandpapier. In «A Christmas Festival» konnte man Phrasen aus «Jingle Bells», «Silent Night» und andere Weihnachtslieder erkennen.

Gemeinsames Finale

Das Finale gestalteten die beiden Formationen gemeinsam mit dem Publikum: Die Stadtmusik und «Canta Gaudio» brachten die bekannten Weihnachtslieder «Süsser die Glocken nie klingen und «O du fröhliche» zur Aufführung, und als krönender Abschluss sangen Chor und Publikum das wohl bekannteste Lied zur Weihnachtszeit «Stille Nacht, Heilige Nacht». Das Publikum dankte mit einer Standing Ovation.

Nach dem gelungenen und schönen Konzertabend in der Eusebiuskirche offerierten die beiden Formationen einen Apéro im Eusebiushof.