SBB-Pläne

Hält ab 2025 kein Schnellzug mehr in Grenchen?

Der Fahrplan geht nicht auf: Der stündliche Interregio-Halt in Grenchens Süd ist gefährdet.

Der Fahrplan geht nicht auf: Der stündliche Interregio-Halt in Grenchens Süd ist gefährdet.

Die Planung der SBB und des Bundesamts für Verkehr für den zukünftigen Fahrplan verunsichert in der Region. Im «Referenzkonzept 2025» hält nämlich kein Schnellzug mehr in Grenchen Süd - um Zeit zu sparen.

2025 wird der Gotthard-Basistunnel schon mehrere Jahre in Betrieb sein, der Eppenbergtunnel ist fertig und auch weitere Ausbauschritte der Schweizer Bahninfrastruktur (ZEB bzw STEP). Bereits planen die Experten der SBB und des Bundesamtes für Verkehr (BAV) am zukünftigen Fahrplan, der seit einiger Zeit auch im Internet unter dem Stichwort «Referenzkonzept 2025» als Entwurf publiziert ist.

Das Dokument für den Fernverkehr, eine Grafik, die zugleich Netzplan und Fahrplan ist, hat in der Region für massive Verunsicherung gesorgt: Denn es fehlt der Bahnhof Grenchen Süd. Dazu in einem Kasten die Bemerkung: «In Oensingen muss die Haltezeit in Richtung Ost-West auf eine 1’ reduziert und der Halt in Grenchen Süd kann nicht gewährt werden.»

Die Bahnplaner tilgen den stündlichen Interregio-Halt am Bahnhof Süd mit einem Federstrich aus ihrem Konzept. Zwar signalisiert die gelbe Farbe der Legende, dass es sich um «Offene Punkte gemäss gegenwärtigem Planungsstand» handle und «Massnahmen erarbeitet werden». Doch das Feuer ist bereits im Dach.

Kanton hat interveniert

Denn allein schon der Umstand, dass eine solche Massnahme überhaupt im Referenzkonzept 2025 angedacht ist, hat zu geharnischten Reaktionen geführt. «Das können wir nicht akzeptieren», schrieb zum Beispiel Kantonsingenieur Peter Heiniger nach Bern. «Der Bahnhof Grenchen Süd mit dem Zugang Richtung Olten–Zürich ist für den Pendler- und Geschäftsreiseverkehr von überregionaler Bedeutung. Dies vor allem im Hinblick auf die Uhrenindustrie, aber auch auf weitere Betriebe wie das Bundesamt für Wohnungswesen.» Ein Fernverkehrshalt im Bahnhof Grenchen Süd sei «unverzichtbar». Heiniger ruft auch in Erinnerung, dass Grenchen bis 2004 in den Hauptverkehrszeiten sogar halbstündlich an den Fernverkehr angebunden war.

Mit der Bahn 2000 sind diese entfallen, und inzwischen ist auch der abendliche Anschlusszug ab Solothurn Geschichte. «Eine weitere Verschlechterung der Anbindung von Grenchen können wir nicht hinnehmen», so der Kantonsingenieur in seiner Demarche.

Auch Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger hat ins BAV nach Ittigen geschrieben und ruft in Erinnerung, dass man damit die eigenen Investitionen in den Bahnhof Grenchen sabotiere. Die SBB hätten erst vor wenigen Monaten die neue Park&Ride-Anlage und die neuen Veloabstellplätze am Bahnhof Süd eingeweiht, und die Stadt sei am Planen grosser Investitionen zur Aufwertung und Erschliessung des Bahnhofs. «Mit Blick auf den massiven Abbau würden solche Anstrengungen nachgerade zwecklos», gibt Scheidegger zu bedenken. Grenchen könne im Übrigen nichts dafür, dass sich die Bahnfrequenzen hier auf zwei Bahnhöfe verteilen.

«Wer nichts sagt, wird am Schluss übergangen»

Auf Nachfrage wird er noch deutlicher. «Es kann doch nicht sein, dass alle Ressourcen des öV in die Zentren fliessen und wir auf dem Land noch den Lärm und den Landverschleiss haben.» Angesichts der Tatsache, dass er sich noch im Komitee für die Fabi-Vorlage (Bahnfinanzierung) starkgemacht habe, sei dies fast ein Hohn. Auch wenn es noch keineswegs sicher sei, dass das Szenario in elf Jahren auch eintrifft, sei es doch angebracht, sich deutlich hörbar zu wehren. «Denn wenn man nichts sagt, wird man am Schluss übergangen.»

Das sieht auch Bea Heim so. Die Nationalrätin aus Starrkirch-Wil ist Präsidentin der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr IGöV. Sie kann nicht verstehen, dass SBB bzw. BAV die Bevölkerung mit derartigen Konzepten verschrecken. Es gelte, dieses Szenario auf alle Fälle zu vermeiden. «Vor allem, nachdem noch nicht mal klar ist, ob man das Problem bei der Einhaltung des Taktfahrplans nicht mit Zügen mit besserer Beschleunigung und mit breiteren Türen lösen kann.» Erst vor kurzem hätten die SBB bei Bombardier
59 neue Züge bestellt. «Bevor diese ihre Testfahrten gemacht haben, kann man doch noch nichts Verlässliches über die Fahrzeiten sagen.» Die Streichung des Haltes in Grenchen Süd sei jedenfalls «keine Option zu keiner Zeit», so die IGöV-Präsidentin. Es sei wichtig, dass sich die Region rechtzeitig wehre.

«Niemand will das ernsthaft»

Inzwischen hat der Kanton eine Antwort aus Bern erhalten. Ludwig Dünbier vom kantonalen Amt für Verkehr fasst sie so zusammen. «Auch das BAV hat uns zugesichert: Den Halt in Grenchen streichen will niemand ernsthaft.» Darüber seien sich alle Beteiligten einig. Somit dürfe man den «Zwischenstand der Planung nicht überbewerten. Dünbier zeigt sich optimistisch, dass für das Problem der fehlenden Fahrplanminuten noch eine Lösung ohne Leistungsabbau gefunden wird.

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