Schwingfest 2020

«Hackordnung hat entschieden»: Warum Grenchen die Kandidatur fürs Schwingfest zurückgezogen hat

Nach Estavayer 2016 wollte nun Grenchen das Eidgenössische 2020 ausführen. Doch das zuständige Komittee zog die Bewerbung zurück.

Nach Estavayer 2016 wollte nun Grenchen das Eidgenössische 2020 ausführen. Doch das zuständige Komittee zog die Bewerbung zurück.

Die Stadt Grenchen zieht die Bewerbung für das Jubiläums-Schwingfest 2020 zurück. Der Grund dafür sind die fehlenden Chancen für einen Zuschlag.

Der Rückzug der Bewerbung von Grenchen für das Jubiläums-Schwingfest 2020 und den Jubiläumsanlass «125 Jahre Schweizer Schwingerverband» erfolgte, weil Grenchen sich nach dem Stand der Dinge keine Chance mehr ausrechnen konnte, den Zuschlag zu erhalten.

Auf Anfrage präzisiert Dagobert Cahannes eine Medienmitteilung vom Wochenende. «Eigentlich hätten wir schon hellhörig werden müssen, als der Präsident des Innerschweizer Verbandes einmal zwischen den Zeilen antönte, die anderen müssten sich gar nicht bewerben, da sie keine Chance hätten», meint Cahannes mit bitterem Unterton. Der ehemalige Sportmoderator und Schwinger-Fan hatte an der Spitze einer Gruppe die Kandidatur von Grenchen für das Schwingfest und den Jubiläumsakt 2020 lanciert und vorangetrieben. Dies als Standort im vergleichsweise kleinen Nordwestschweizer Verband. Die Schwergewichte heissen Innerschweizer Schwingerverband, Nordostschweizer Schwingerverband und bernisch kantonaler Schwingerverband.

Am kommenden Wochenende wird die Delegiertenversammlung in Marin (NE) über die Kandidaturen entscheiden und den Durchführungsort des Schwingfestes 2020 festlegen. Der Ort des Jubiläumsanlasses wird voraussichtlich 2018 festgelegt.

Gut, aber nicht gut genug?

Im Vorfeld der DV wurden die Bewerber und Delegierten über die Ausgangslage orientiert. Denn laut Christian Rufer vom Vorstand des eidgenössischen Schwingerverbandes gibt eine Bewertungskommission Empfehlungen nach verschiedenen Kriterien wie Finanzen, Infrastruktur, Verkehr, Nachhaltigkeit etc. ab. «Grenchen hat in allen Kriterien genügt», meint Rufer zwar.

Aber offenbar waren andere noch besser. «Uns wurde von Experten attestiert, dass wir ein sehr realitätsnahes Budget präsentiert haben. Wenn wir danach trotzdem in diesem Bereich nur 6,5 Punkte von zehn erhalten, kann ich das nicht verstehen», meint Cahannes. «Und dass man immer noch Bedenken wegen der Sicherheit wegen Überflügen hat, nachdem der Flughafen mir zugesagt hat, er würde an diesem Tag ganz schliessen, grenzt wohl eher ans Groteske.» Es sei halt schon so: «Gegen die grossen Verbände hast Du als kleiner kaum Chancen.»

Ein Millionengeschäft

Grenchen hatte sich als einziger der fünf Bewerber (Appenzell, Bern, Luzern, Grenchen und Neuenburg) auch für den Festakt 125 Jahre Schwingerverband im November 2020 beworben. «Die Idee war, dass wir mit den Einnahmen des Schwingfestes die Jubiläumsfeier ausrichten», erklärt Cahannes dazu. Denn ein eidgenössisches Schwingfest kann ein Millionengeschäft sein, wie das letzte Fest 2016 in Estavayer zeigte. «Dass sich der Verband dann darin ergeht festzustellen, es liege keine rechtsgültige Bewerbung für den Jubiläumsakt vor, ist da schon etwas dicke Post.» Nur das Jubiläum ausrichten wäre für Grenchen laut Cahannes nicht möglich, da die Einnahmen aus dem Schwingfest für eine Quersubventionierung fehlen würden.

Laut Christian Rufer, Medienchef im Schwingerverband, wären zwei verschiedene Bewerbungen nötig gewesen, je eine für das Schwingfest und eine für das Jubiläumsfest. Ob das allerdings von Anfang an so gedacht war bzw. ob die Bewerber über diese Übungsanlage effektiv informiert waren, darüber herrscht nicht genügend Klarheit. «Das kann ich jetzt nicht so genau sagen», meint der Medienverantwortliche. Für die Bewerbungsprozedur sei die Geschäftsstelle zuständig. Dort war gestern niemand für eine Auskunft zu erreichen. Laut Cahannes sei am Bewerbungsverfahren «dauernd herumgebastelt» worden.

«Kein Geld mehr verbraten»

Als klar wurde, dass Grenchen «aufgrund der Intransparenz des Verfahrens und der geltenden Hackordnung» keine Chance mehr hat, das Schwingfest 2020 auszurichten, habe man sich entschlossen, die Kandidatur zurückzuziehen. «Es wäre zwecklos gewesen, Geld aus dem Kredit der Stadt für eine aussichtslose Präsentation zu verbraten», meint Cahannes. Die Stadt hatte 10'000 Franken für die Kandidatur freigegeben. Davon habe man bisher nur rund 2500 Fr. beansprucht, hauptsächlich für die Erstellung der Bewerbungsdossiers in 50-facher Ausführung.

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