Grenchen
Haben die Schweizer die Taschenmesser erfunden? Nein, die Römer!

Einen aussergewöhnlichen Fund machten die Archäologen bei der Ausgrabung an der Maria-Schürer-Strasse in Grenchen: Sie fanden ein römisches Taschenmesser. Es ist nun öffentlich im kulturhistorischen Kunstmuseum Grenchen ausgestellt.

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Hier wurde das «Sackmesser» gefunden.

Hier wurde das «Sackmesser» gefunden.

Archiv/fup

Damit ist belegt, dass schon vor 1891, der Einführung des Sackmesser als Ordonnanzmaterial in der Schweizer Armee, das handliche Gerät in den Schweizer Landen zum Einsatz kam. Gegenwärtig kann der «voreidgenössische» Fund im Kultur-Historischen Museum Grenchen bewundert werden.

Das römische Sackmesser, welches bei den Grabungen an der Maria-Schürer-Strasse gefunden wurde, vermag noch nicht mit seinen heutigen Verwandten aus dem Schweizer Militärdienst mithalten. Vergleichsweise ist es sehr klein, lediglich fünf Zentimeter lang und etwas mehr als einen Zentimeter breit. Auch in seiner Vielseitigkeit hinkt es den modernen Ausführungen hinterher, denn es enthielt nur eine Klinge. «Da die Klinge fehlte, war es eine echte Herausforderung den Gegenstand zu bestimmen», erklärt Mirjam Wullschleger von der Kantonsarchäologie Solothurn.

Das Taschenmesser ist in einer Ausstellung zu sehen

Der Fund aus Grenchen ist ein einteiliger Bronzegriff aus einem kastenförmigen Schaft. Die Kerbe für die eingeklappte Klinge bildet eine Ein-Millimeter breite Lücke in der Oberseite. Sie durchbricht den vorderen Abschluss des Schaftes und endet in einem fein ausgearbeiteten Knopf. Die Griffseite war mit einer grossformatigen Emaileinlage verziert: in der Eintiefung fanden sich Reste von roten und blauen Emaileinlagen. Die Griffseite ist in der oberen Ecke mit einem Loch versehen. Darin steckt noch der Rest des Eisenstifts, an dem die Klinge drehte. Schaftgrösse und Kerbenbreite lassen für das Grenchner Klappmesser eine höchstens fünf Zentimeter lange, etwa fünf Millimeter breite und weniger als 1 Millimeter dünne Klinge rekonstruieren.

Das Taschenmesser ist Teil der Ausstellung «Scherben – Knochen – Münzen. Die Römer an der Jurastrasse in Grenchen». Sie ist noch bis zum 22. September zu sehen.

Während der Sommerferien ist das Kultur-Historische Museum Grenchen wie immer jeweils mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Besucher erhalten mit den Bons «Attraktivferien» von Grenchen Tourismus vergünstigten Eintritt. (mgt)