Fasnacht
Guggen und Schnitzelbänkler in toller Hochform

Am «Plausch» im Parktheater sorgten unterschiedlichste karnevaleske Akteure für eine ausgelassene Stimmung

André Weyermann (Text) undKaspar Haupt (fotos)
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Die Froschmusik begleitete den Anlass gekonnt als Ballorchester und begeisterte das Publikum.

Die Froschmusik begleitete den Anlass gekonnt als Ballorchester und begeisterte das Publikum.

Solothurner Zeitung

Der «Plausch», die grosse fasnächtliche Veranstaltung, kehrte ins Parktheater zurück. Und mit ihm das Team um René Finger, das Publikum und die ausgelassene Stimmung. Schnitzelbänkler, Guggen, Kabarettisten sowie weitere karnevaleske Akteure zeigten sich in toller Form.

So hatte Kulturpreisträger «Schumi» Schumacher mit seiner Tochter Daria ein fasnächtliches wie gehaltvolles Bühnenbild bewerkstelligt. Inspiriert von der Froschmusik, welche den Anlass als Ballorchester unter der Leitung von Phipu Warmbrodt mit stilvollen Arrangements aus Evergreens, Klassikern und fetzigen Rhythmen begleitete, zeigten auch die anderen musikalischen Gruppen ihr Können. Die Tambouren vereinten gleich drei Generationen auf der Bühne und die jubilierenden «Chappeli-Tüüflä» feierten in wahrlich satanischen rot-schwarzen Kostümen. Die Chamäleons der «Schuelschwänzer» zeigten sich wunderbar wandelbar und begeisterten mit dem Abba-Klassiker «Waterloo». Die zauberhaften, dezent-blauen Gestalten der «Cocoloris» tauchten die Bühne minutenlang in eine Art Wintermärchen.

Überzeugt mit Selbstironie

Die «Hilari-Broders» überzeugten zu ihrem 30-Jahr Jubiläum mit Selbstironie. Die in die Jahre gekommenen Akteure unterzogen sich einer chaotisch-musikalischen Gruppentherapie. Umwerfend theatralisch dirigiert von James Luterbacher machten sie als resolute Krankenschwester dem Alltags-Blues rasch einmal den Garaus. Köstlich amüsierte man sich schliesslich ob der Abba-Parodie der Faschingszunft.

Bissige Verse fehlten nicht

Die Wortbeiträge hatten es ebenso in sich. Obermacho Pädu Gribi sowie die Clochards René Finger und Daniel Aeberhard hatten die Lacher auf ihrer Seite. Auch die Verseschmiede liessen nichts aus. Alle und alles bekamen ihr Fett weg. So dichteten etwa die «Luna-Pöschteler»: «Duesch Värsli brünzle, ischs Tradition / Do holsch Dir im GT d’Inspiration / Jetz bruche mir aber e neui Quöue / Mir wei jo nid Gschichte us Aarau verzöue.» Die Zwerge der «Hilari-Schnibako» wurden auch dieses Jahr ihrer Reputation gerecht, gelten sie doch als Meister des Schnitzelbank-Genres. Ihr traditioneller Vers zu unserer Nachbarstadt hatte es in sich: «D’Haifisch rund um Scharm el Sheik / träte jetz i Hungerstreik / do seit ä sone Wissspitzhai / die cheibe Russe stinkä chlei / bi de Solothurner tüe si motze / die si au mit Sänf zum Chotze.» Fasnachtspoesie pur boten auch die Goschemitarbeiter um Heinz Westreicher. Sie intonierten in traurig-schönem Blues: «Dr Hansli isch zwar no e wiffe / Doch i dr Schuel e chli e Pfiffe / Bim Lehrer isch ihm usegrütscht / wo är bim Spicke ihn verwütscht / Ich due, jetz mached nid so Gschichte / Ufe Doktertitel grad verzichte».

Das «Cabaret Sauvignon» (Thomi Buser, Renato Cattin, Aendu Kummer) schliesslich zelebrierte die hohe Kunst des (Un-)Sinns. In einer Art Anleitung über gelungene und weniger gelungene Verse verwarfen sie so manchen Entwurf, nur um gerade damit respektlos und bittersüss die heikelsten Themen abzuhandeln. Beispiel gefällig: «Kennsch dr Ungerschid Banga/Berlusconi? / Keine, au dr Tschingg goht noni».

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